ROUNDUP/Warten auf Trendwende: Wacker Chemie noch etwas vorsichtiger für 2023

MÜNCHEN (dpa-AFX) -Wegen einer anhaltend schwachen Nachfrage blickt Wacker Chemie DE000WCH8881 noch etwas vorsichtiger auf das laufende Jahr. Der Umsatz sowie das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) dürften nur die untere Hälfte der bereits im Sommer gesenkten Zielspannen erreichen, teilte der MDax DE0008467416-Konzern am Donnerstag in München mit. An der Börse sorgte das anfangs für Kursverluste. Analyst Konstantin Wiechert von der Baader Bank sieht nach den Kursverlusten der vergangenen Wochen einen trüberen Ausblick bereits weitgehend eingepreist.

Konkret rechnet Konzernchef Christian Hartel für 2023 nun mit einem Umsatz von rund 6,5 Milliarden Euro sowie mit einem operativen Ergebnis (Ebitda) von 800 bis 900 Millionen Euro. Das wären deutliche Einbußen im Vergleich zum starken Vorjahr. Die mittleren Analystenschätzungen liegen beim Umsatz knapp über dem neuen Ziel, beim operativen Ergebnis liegen sie am oberen Ende der Bandbreite. Analyst Wiechert glaubt, dass angesichts der Indikationen für das Schlussquartal kaum Hoffnung auf viel mehr als das untere Ende der Gewinnprognose besteht.

Wacker Chemie fielen kurz nach dem Handelsstart als eines der schwächsten Papiere im MDax, dem Index der mittelgroßen börsennotierten Werte, auf 105,50 Euro - weniger hatten sie zuletzt vor einem Jahr gekostet. Zuletzt drehten sie aber ins Plus und stiegen um 1,6 Prozent auf 111,70 Euro. Allerdings hatten sie sich im Februar noch auf rund 160 Euro erholt. Damals hatten die Chemiebranche und auch Investoren noch Hoffnung auf eine Belebung der Geschäfte vor allem in China nach der Corona-Pandemie.

Daraus wurde bislang aber nichts. Die Nachfrage in Europa schwächelte und eine deutliche Belebung der chinesischen Wirtschaft blieb aus, auch wegen der tiefen Krise des Immobilienmarktes des Landes. "Im dritten Quartal war das wirtschaftliche Umfeld für Wacker - so wie für die gesamte Chemieindustrie - unverändert herausfordernd", sagte Konzernchef Hartel laut Mitteilung. Eine Erholung der Nachfrage sei nach wie vor nicht erkennbar. Viele Kunden seien ihrerseits mit einer schwachen Nachfrage konfrontiert, weshalb sie bei Wacker nur zurückhaltend und kurzfristig bestellten. Zudem belasteten hohe Energiepreise in Deutschland nach wie vor.

Abermals machte sich der fortgesetzte Preisdruck im Geschäft mit Silikonen bemerkbar. Diese Kunststoffe werden in der Elektronikindustrie, bei Textilherstellern, Medizintechnikunternehmen und in der Baubranche eingesetzt.

Die Bauindustrie ist auch ein wichtiger Abnehmer für Wackers Polymere - verschiedenste chemische Verbindungen, die Basis etwa für Klebstoffe sind, aber auch in Bodenbelägen, Farben und Beton beigemischt werden, um Eigenschaften zu verändern. Und dass die Bauindustrie schwächelt, bekommt der Polymer-Bereich aktuell zu spüren. Die Entlastung durch fallende Rohstoffkosten kann das nur teilweise auffangen.

Laut Hartel gab es zudem einen deutlichen Preisrückgang bei Solarsilizium insbesondere in China, was die Polysilizium-Sparte belastet habe. Im Biotechnologiegeschäft werde die Ergebnisentwicklung zudem auch in diesem Jahr durch hohe Investitionen in weiteres Wachstum belastet.

Im dritten Quartal fiel der Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um fast 29 Prozent auf 1,52 Milliarden Euro. Davon blieben knapp 152 Millionen Euro als Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) übrig - ein Rückgang um zwei Drittel. Unter dem Strich verdiente der Konzern 33,5 Millionen Euro nach 259 Millionen vor einem Jahr.