RTL bot CDU-Mitarbeiterinnen Insta-Takeover an

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Wahlkampf im TV: RTL hatte zuletzt das erste Kanzlerkandiaten "Triell" produziert. (Bild: Michael Kappeler-Pool/Getty Images)
Wahlkampf im TV: RTL hatte zuletzt das erste Kanzlerkandiaten "Triell" produziert. (Bild: Michael Kappeler-Pool/Getty Images)

RTL will sich weiter im Nachrichtengeschäft etablieren. Doch jetzt unterlief dem TV-Sender ein echter Fauxpas. Offenbar sollten zwei CDU-Mitarbeiterinnen den Insta-Kanal übernehmen.

Politik und klassische Medien haben ein ähnliches Problem: Sie erreichen junge Menschen nur schwierig. Was liegt also näher, als es über Social-Media-Plattformen zu versuchen und dort Angebote für eine jüngere Zielgruppe zu produzieren? Auf dem Kanal "Insta.Politik" machen das zum Beispiel Lara Urbaniak und Janine Klose. Den beiden Bloggerinnen folgen dort seit 2017 immerhin knapp 15.000 User. Denen erklären sie dann Grundsätzliches zu politischen Themen, führen Interviews mit Bundespolitikern oder führen Umfragen durch. 

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Takeover durch Bloggerinnen

Der TV-Sender RTL wollte sich die Reichweite der beiden nun zunutze machen. Bei einem sogenannten Takeover sollten Urbaniak und Klose den Instagram-Account der RTL-Nachrichten übernehmen, wie sie am vergangenen Mittwoch auf ihrem Kanal verkündeten. Das ist nicht unüblich und sorgt in gewisser Weise für Crosspromotion und somit einen Imagegewinn für beide Seiten. Nur haben die Redakteure bei RTL eine entscheidende Tatsache übersehen. Denn beide Bloggerinnen sind keineswegs unparteiisch. Janine Klose arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin des CDU-Abgeordneten Patrick Sensburg im Bundestag. Und Lara Urbaniak ist Referentin in der CDU-Pressestelle.

Nur wenige Wochen vor der Bundestagswahl hätte der Sender also seinen Account mit 453.000 Followern zwei Mitarbeiterinnen einer Partei überlassen. Das kam auf den Sozialen Medien nicht besonders gut an, wie unter anderem die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) berichtete. SPD-Politiker Kevin Kühnert postete als Kommentar zu dem Vorgang schlicht: "Hupsi". Das wird sich die RTL-Redaktion so ähnlich vermutlich auch gedacht haben. Denn schon am Tag darauf sagte der Sender das Takeover ab. Gegenüber der Süddeutschen Zeitung sagte eine Sprecherin, das Social Team sei im engen Austausch mit den Redaktionen, arbeite aber im Tagesgeschäft weitestgehend selbständig. "In diesem Fall hat die Chefredaktion leider erst spät von den geplanten Takeovers erfahren und diese dann sofort gestoppt."

Anfragen an andere Journalisten

Auf Twitter hieß es in einem Statement: "Es gibt grundsätzlich keine Übernahme unserer journalistischen Kanäle." Hier sei dem Social-Media-Team "schlicht und einfach ein Fehler passiert". Ganz so einfach scheint dies aber nicht "passiert" zu sein. Denn auch der Journalist Daniel Anibal Bröckerhoff hatte bereits am 10. August eine Anfrage des Senders für eine Übernahme des Accounts erhalten. Bröckerhoff veröffentlichte die Nachricht auf seinem Twitter-Account und schrieb dazu: "Das scheint ja ein länger geplanter Fehler in der Social Media-Redaktion gewesen zu sein."

Der Deutsche Journalisten Verband (DJV) rief nun laut FAZ Journalisten dazu auf, sich zu melden, sollten sie ähnliche Anfragen erhalten haben. Während eines Wahlkampfes wird genauer auf eine möglichst neutrale Berichterstattung in journalistischen Formaten geachtet. 

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Alle Parteien haben grundsätzlich das Anrecht, Wahlwerbespots in TV und Radio zu schalten. Eine Einflussnahme auf nachrichtliche Inhalte ist aber natürlich nicht vorgesehen. Die beiden Bloggerinnen scheinen das Problem nicht zu sehen. Sie veröffentlichten nur ein kurzes Statement und nutzen die vorproduzierten Beiträge nun auf ihrem eigenen Account, den sie als "parteiübergreifenden Erklärkanal" bezeichnen. 

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