Rund jeder zweite Mensch in Deutschland sieht Islam als Bedrohung

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Etwa jeder zweite Mensch in Deutschland empfindet den Islam einer Umfrage für die Bertelsmann-Stiftung zufolge als Bedrohung. Im Osten sei der Anteil mit 57 Prozent höher als im Westen, wo er bei 50 Prozent liege, teilte diese am Donnerstag in Gütersloh mit. Die Autoren warnten zugleich allerdings auch vor vereinfachten Interpretation des Umfrageergebnisses.

Es handle sich dabei um eine "recht weit verbreitete Islamskepsis", die aber "nicht unbedingt mit Islamfeindlichkeit gleichzusetzen" sei, betonte Bertelsmann-Religionsexpertin Yasemin El-Menouar. Die genaueren Untersuchung zeige, dass in vielen Fällen "Vorbehalte" gegen den Islam geäußert würden, ohne dass dieses mit politischen Forderungen oder generell antidemokratischen Positionen verbunden sei.

"Offenbar sehen viele Menschen den Islam derzeit weniger als Religion, sondern vor allem als politische Ideologie an und nehmen ihn deswegen von der religiösen Toleranz aus", erklärte El-Menouar. Dazu hätten aus ihrer Sicht auch die gesellschaftlichen Debatten und Medienberichte der vergangenen Jahre beigetragen, die den Islam häufig in einen negativen und kritischen Zusammenhang gerückt hätten.

Insgesamt betrachtet dem aktuellen sogenannten Religionsmonitor der Stiftung zufolge lediglich ein Drittel der Befragten den Islam als eine Bereicherung. Bei anderen Religionen wie Christentum, Judentum, Hinduismus und Buddhismus ist es laut Umfrage jeweils eine Mehrheit.

Wie die Analyse ebenfalls ergab, gibt es unter den Anhängern aller Religionen in Deutschland einen nahezu identisch hohen Zuspruch zur Demokratie. Auf die Gesamtbevölkerung gerechnet sind es 89 Prozent. Unter Christen liegt der Wert bei 93 Prozent, bei Muslimen sind es 91 Prozent. Bei Konfessionslosen beträgt der Anteil 83 Prozent.

Dieses Jahr war das Verhältnis von Religion und politischer Kultur ein Schwerpunkt der regelmäßigen Untersuchung der Stiftung. Anlass war das 70-jährige Jubiläum des Grundgesetzes. Die Daten stammen aus einer repräsentativen internationalen Vergleichsbefragung im Jahr 2017, bei der in Deutschland 1500 Menschen interviewt wurden. Zusätzlich dazu flossen noch Ergebnisse aus einer repräsentativen Nachbefragung in diesem Jahr ein, an der in Deutschland 1000 Menschen teilnahmen.

Der religionspolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Stefan Ruppert, erklärte zu der Umfrage, die Zahlen belegten, "dass viele Bürger in unserem Land Vorbehalte gegenüber dem Islam haben". Diese müssten "durch Begegnungen und Dialog von allen Seiten abgebaut werden". Wichtig sei dabei auch, "dass sich Muslime in Deutschland noch aktiver in unsere Gesellschaft einbringen und sich klar von Extrempositionen distanzieren".