Russische Behörden nehmen festgenommenen Franzosen in Untersuchungshaft

Einen Tag nach seiner Festnahme wegen Sammelns von Militärinformationen ist ein Franzose in Russland in Untersuchungshaft genommen worden. (NATALIA KOLESNIKOVA)
Einen Tag nach seiner Festnahme wegen Sammelns von Militärinformationen ist ein Franzose in Russland in Untersuchungshaft genommen worden. (NATALIA KOLESNIKOVA)

Einen Tag nach seiner Festnahme wegen des Vorwurfs des Sammelns von Militärinformationen ist ein Franzose in Russland in Untersuchungshaft genommen worden. Ein Moskauer Gericht ordnete am Freitag die vorläufige Inhaftierung von Laurent Vinatier bis mindestens Anfang August an. Die russischen Behörden werfen dem Mitarbeiter einer Schweizer Nichtregierungsorganisation auch vor, sich nicht als "ausländischer Agent" registriert und Informationen über die russische Armee gesammelt zu haben.

Vinatier, der für die Schweizer Nichtregierungsorganisation Zentrum für Humanitären Dialog (HD) tätig ist, war am Donnerstag in Moskau festgenommen worden. Das Gesetz über "ausländische Agenten" wird von den russischen Behörden genutzt, um gegen Kritiker und Gegner vorzugehen oder diese zu überwachen. Vinatier drohen im Falle seiner Verurteilung bis zu fünf Jahre Haft.

Das russische Ermittlungskomitee hatte nach Vinatiers Festnahme zudem erklärt, die von ihm gesammelten militärischen Informationen könnten "gegen die Sicherheit des Staates eingesetzt werden", wenn sie in ausländische Hände fielen. Damit könnten dem Franzosen weitere strafrechtliche Ermittlungen drohen.

Nach Informationen der Nachrichtenagentur AFP arbeitete der 47-jährige Vinatier für die Nichtregierungsorganisation HD schon seit Jahren zum Konflikt zwischen Russland und der Ukraine.

Vinatiers Festnahme und Inhaftierung erfolgt in einer Zeit wachsender Spannungen zwischen Russland und Frankreich. Paris wirft Moskau Destabilisierungsversuche und Desinformationskampagnen vor, Moskau kritisiert derweil Frankreichs Unterstützung für die Ukraine. So hatte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron die Möglichkeit angesprochen, westliche Bodentruppen zur Unterstützung der Ukraine einzusetzen. Zudem setzt Paris sich dafür ein, westliche Militärausbilder in die Ukraine zu entsenden.

Macron forderte am Freitag die umgehende Freilassung von Vinatier. Die über ihn verbreitete "Propaganda" habe nichts mit der Wirklichkeit zu tun, betonte er.

In den vergangenen Jahren wurden in Russland mehrere Bürger westlicher Staaten festgenommen. Moskau wird vorgeworfen, sie festzuhalten, um die Freilassung von im Ausland inhaftierten Russen zu erreichen.

Wenige Tage vor Vinatiers Festnahme hatte der französische Inlandsgeheimdienst einen russisch-ukrainischen Doppelstaatsbürger wegen des Verdachts auf Planung einer Gewalttat festgenommen. Der Mann hatte sich zuvor in seinem Hotelzimmer beim Hantieren mit Sprengstoff verletzt. Am Freitag wurde gegen ihn ein Ermittlungsverfahren wegen Planung eines "terroristischen" Angriffs sowie Sprengstoffbesitzes eingeleitet.

bur/gt