Russische Ermittler prüfen mögliche Verbindungen des Attentäters zum IS

Das Foto soll den mutmaßlichen Täter Dschalilow zeigen

Nach dem Bombenanschlag in der St. Petersburger U-Bahn haben die russischen Behörden am Mittwoch weiter nach dem Motiv des mutmaßlichen Attentäters gesucht. Ermittler durchsuchten nach eigenen Angaben seine Wohnung in einer Trabantenstadt von St. Petersburg und gingen dabei auch möglichen Verbindungen des 22-Jährigen zur Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) nach. Es ist das erste Mal, dass sie den IS öffentlich als möglichen Drahtzieher erwähnen.

Ein Selbstmordattentäter hatte am Montag 13 Menschen mit in den Tod gerissen, 49 weitere wurden verletzt. Als mutmaßlichen Täter identifizierten die Behörden den 22-jährigen Akbarschon Dschalilow aus Kirgistan. Er soll seit 2011 in Russland gelebt und die russische Staatsbürgerschaft besessen haben.

Nachbarn in dem St. Petersburger Vorort, in dem Dschalilow zuletzt wohnte, beschrieben den jungen Mann als "ruhig und zurückhaltend". Er sei einen Monat vor dem Anschlag in die Wohnung gezogen und habe immer höflich gegrüßt, sagte Darja Folomkina, die mit Dschalilow auf einem Flur wohnte, der Nachrichtenagentur AFP.

"Seine Vermieterin gab mir ihre Telefonnummer, damit ich sie anrufe, wenn es Krach gibt, das war aber nie nötig", sagte sie und fügte hinzu, Dschalilow habe gelegentlich Besuch von Freunden bekommen. Andere Nachbarn berichteten, die Polizisten hätten nach der Razzia mehrere Kisten aus der Wohnung des 22-Jährigen geschleppt.

Nach Angaben der kirgisischen Polizei gehören Dschalilows Eltern der usbekischen Minderheit in Kirgistan an, besitzen aber wie ihr Sohn die russische Staatsbürgerschaft. 2011 zog die Familie zum Arbeiten nach Russland, doch schon drei Jahre später kehrten die Eltern nach Kirgistan zurück, während ihr Sohn in St. Petersburg blieb. Dorthin soll er am 3. März nach einem Besuch bei seinen Eltern zurückgekehrt sein.

Die Eltern des mutmaßlichen Attentäters trafen in der Nacht zum Mittwoch in St. Petersburg ein, um ihren Sohn zu identifizieren. Sie wollten sich jedoch vor der Presse zunächst nicht äußern. "Sie sind in einem schrecklichen Zustand", sagte ein Polizeisprecher aus ihrer südkirgisischen Heimatstadt Osch. Aus der gleichnamigen Region sollen sich besonders viele Islamisten dem IS in Syrien und dem Irak angeschlossen haben.

Auch wenn sich noch niemand zu dem Anschlag bekannt hat, gehen die Behörden in St. Petersburg nun verschärft gegen Islamisten vor. Örtliche Ermittler nahmen nach eigenen Angaben sieben Angehörige zentralasiatischer Staaten unter dem Verdacht fest, bei Landsleuten für "Terroranschläge" geworben zu haben. Sie sollen auch für den IS gearbeitet haben. Eine Verbindung zu dem U-Bahn-Attentäter gebe es aber nicht, hieß es.

Als Reaktion auf den Anschlag verschärften die russischen Behörden unterdessen die Sicherheitsvorkehrungen in den U-Bahnen. Ministerpräsident Dmitri Medwedew unterzeichnete ein Dekret, das unter anderem die Schaffung "schneller Eingreifteams" vorsieht. Präsident Wladimir Putin kam in Moskau zu Beratungen über den Antiterror-Kampf mit Geheimdienstchefs anderer Staaten aus der Region zusammen. Das Treffen war bereits vor dem Anschlag anberaumt worden.

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