Ein russischer Soldat bekommt die übliche Entschädigung für Kriegsverletzungen nicht – weil er von Kameraden getroffen wurde, nicht von der Ukraine

Ein russischer Soldat steht vor dem Kraftwerk in Luhansk Wache. - Copyright: ALEXANDER NEMENOV/AFP via Getty Images
Ein russischer Soldat steht vor dem Kraftwerk in Luhansk Wache. - Copyright: ALEXANDER NEMENOV/AFP via Getty Images

Einem in der Ukraine verwundeten russischen Unteroffizier wurde die reguläre Entschädigung für seine Kriegsverletzungen verweigert. Der Grund dafür war, dass ihm die Verletzungen von seinen eigenen Kameraden und nicht von den ukrainischen Streitkräften zugefügt worden waren, wie aus Gerichtsdokumenten hervorgeht.

Der Fall des Unteroffiziers landete vor Gericht

Der Fall von Khizri Kurazov, einem Unteroffizier der Militäreinheit 3737 der Russischen Garde, wurde in einem Urteil des Militärgerichts des Südlichen Bezirks Russlands vom 8. September ausführlich beschrieben. Unabhängige russische Medien hatten zuvor über das Urteil gegen Kurazov berichtet.

Dem Urteil vom 8. September zufolge wurde der Berufssoldat Kurazov in der Ukraine durch eine Mine verletzt, die von russischen Kameraden versehentlich gezündet worden war. Seine Verletzungen wurden am 14. März von einem russischen Militärkrankenhaus bestätigt. In dem Urteil heißt es, die Verletzungen seien auf den unsachgemäßen Umgang eines Mitglieds seiner Einheit mit Munition zurückzuführen.

Der Unteroffizier forderte laut Gerichtsurteil eine Entschädigung in Höhe von 3 Millionen Rubel, umgerechnet rund 29.000 Euro. Seit Anfang 2022 zahlt Russland solche Entschädigungen an Soldaten, die während der Invasion in der Ukraine verletzt wurden.

Deshalb wurde Kurazovs Fall abgelehnt

Am 25. Mai ergab jedoch eine Untersuchung der Kampfeinheit Kurazovs, dass die Verletzungen des Unteroffiziers nicht in direktem Zusammenhang mit Kampfeinsätzen oder -aufgaben standen, sondern durch das Fehlverhalten eines anderen Soldaten verursacht wurden.

Die Untersuchung kam zu dem Schluss, dass der Unteroffizier keinen Anspruch auf Entschädigung habe, und Kurazovs Kommandeur ordnete die Ablehnung des Antrags an, heißt es in der Gerichtsentscheidung. Ein Militärgericht in der Garnison von Naltschik lehnte die Zahlung an Kurazov am 27. Juni ebenfalls ab, wie aus Gerichtsunterlagen hervorgeht.

Kurazov war der Ansicht, dass die Einmalzahlung für verwundete Soldaten jedem in der Ukraine, einschließlich der Regionen Donezk und Luhansk, verwundeten russischen Soldaten gewährt werden sollte, so die Gerichtsakte. Er legte gegen die Entscheidung des Militärgerichts der Garnison Naltschik Berufung ein und brachte seinen Fall im August vor das Militärgericht des Südlichen Bezirks in Rostow am Don.

Ein Gremium aus drei Militärrichtern – Viktor Alekseevich Kostin, Dmitry Viktorovich Merkulov und Magomedbasir Gapurovich Shuaipov – entschied jedoch am 8. September, dass die ursprüngliche Entscheidung aufrechtzuerhalten sei.

Sie stimmten darin überein, dass Voraussetzung für die Zahlung der 29.000 Euro sei, dass der Soldat im unmittelbaren Kampf verwundet worden sei. Sie fügten jedoch hinzu, dass Kurazov das Recht habe, andere Arten der Entschädigung zu beantragen.

Kurazov ist nicht der einzige Fall dieser Art

Kurazovs abgelehnter Antrag ist einer von mehreren, die von verwundeten russischen Soldaten angefochten wurden. Dazu gehört auch der Soldat Aziz Magomedov, dem die Zahlung verweigert wurde, nachdem er im April 2022 in einem städtischen Krankenhaus statt in einem Militärkrankenhaus behandelt wurde, wie "Radio Free Liberty" berichtete.

Das russische Verteidigungsministerium reagierte zunächst nicht auf eine Anfrage von Business Insider.

Dieser Artikel wurde aus dem Englischen übersetzt. Das Original findet ihr hier.