Russischer Staatssender fällt auf "Der Postillon"-Satire rein

Der Postillon-Gründer Stefan Sichermann freut sich über den Erfolg.

Nach dem 7:1-Sieg der deutschen Nationalmannschaft veröffentlichte die Online-Satireseite "Der Postillon" einen Artikel über einen Kneipenwirt, der nach dem Spiel vor der Pleite steht. Angeblich hatte der Wirt jedem Gast einen Schnaps gratis versprochen, wenn ein Tor für Deutschland fällt. Gleich mehrere russische Medien vielen auf den Spaß der Satiriker rein, nahmen die Informationen ernst und berichteten in Russland über den Fall.

Die Online-Satireseite "Der Postillon" ist vielen Menschen in Deutschland ein Begriff. Regelmäßig veröffentlicht das Medium vollständig oder zumindest teilweise ausgedachte Artikel zu verschiedensten Themen. Dabei versuchen die Satiriker stets, ihren Artikeln einen seriösen Anstrich zu verpassen, der meist allerdings nach wenigen Zeilen bereits bröckelt. Zu absurd sind Themen und angebliche Fakten.

Doch für mehrere osteuropäische Medien war ein Bericht offensichtlich nicht absurd genug. Dabei beschränkte sich "Der Postillon" nicht allein auf die Gratis-Schnaps-Geschichte, sondern legte noch ordentlich nach. Laut des satirischen Berichts mussten 62 Gäste des betroffenen Wirts mit einer Alkoholvergiftung ins Krankenhaus gebracht werden und der Wirt selbst leide unter einer Sehnenscheidenentzündung, weil er zu viel Ausschenken musste.

Trotzdem griff das russische Staatsfernsehen "Rossija 24" die Nachricht auf, teilt "Der Postillon" auf seiner Facebook-Seite mit. Der Staatsender berichtete in einer Nachrichtensendung über Schnaps, Wirt und alkoholisierte Gäste. Inzwischen folgten weitere russische Medien dem Beispiel und auch in Aserbaidschan hat es die Satiremeldung in die seriösen Nachrichten geschafft.

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