Russischer Sender berichtet von Kreuzigung in Ostukraine

Russische Soldaten nahe Donezk

Das russische Staatsfernsehen hat mit einem haarsträubenden Bericht über ein angeblich von ukrainischen Soldaten in Slawjansk gekreuzigtes Kind einen Sturm der Entrüstung losgetreten. Eine Sprecherin des Innenministeriums in Kiew warf dem Sender Kanal Eins vor, "in die Fußstapfen von Goebbels zu treten". Natalja Statiwko sagte der Nachrichtenagentur AFP: "Je kruder und monströser die Lüge, umso besser sieht es für die russische Propagandamaschine aus."

Der populäre Sender hatte am Wochenende ein Interview mit einer Frau in einem Flüchtlingslager in Russland gesendet. Darin schildert sie das angebliche Verbrechen aus Slawjansk: Auf einem Platz der Stadt, die das Militär nach wochenlanger Belagerung von den prorussischen Separatisten zurückerobert hatte, seien Frauen, Kinder und Alte zusammengetrieben worden. Dann hätten sich Soldaten einen etwa drei Jahre alten Jungen gegriffen und vor den Augen der Menge an ein Anschlagbrett genagelt. Die Angaben wurden in der Sendung als Tatsachen dargestellt.

AFP und andere Medien konnten keine Hinweise darauf finden, dass die Schilderungen stimmen. Kanal Eins lehnte eine Stellungnahme ab. Die Journalistin Galina Timtschenko, die für die bekannte Moskauer Nachrichtenseite Lenta.ru arbeitete, warf dem Sender eine "ungeheuerliche Verletzung der Berufsethik" vor. Weder gebe es irgendeinen Beweis, noch werde die Darstellung hinterfragt. Der russische Oppositionspolitiker Alexej Nawalny bezeichnete die Verantwortlichen auf seinem Blog als "hirnverbrannt". Sie seien "eine Gefahr für die Gesellschaft, sie haben ein wahrhaftes Verbrechen begangen".