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Zahl der Toten bei Angriff bei Moskau steigt auf mehr als 60 - Suche nach Tätern

Nach dem bewaffneten Angriff auf einen Konzertsaal am Rande Moskaus ist die Zahl der Toten nach Behördenangaben von 40 auf mehr als 60 gestiegen. Die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat reklamierte den Angriff für sich. (STRINGER)
Nach dem bewaffneten Angriff auf einen Konzertsaal am Rande Moskaus ist die Zahl der Toten nach Behördenangaben von 40 auf mehr als 60 gestiegen. Die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat reklamierte den Angriff für sich. (STRINGER)

Nach dem bewaffneten Angriff auf einen Konzertsaal am Rande Moskaus ist die Zahl der Toten nach Behördenangaben von 40 auf mehr als 60 gestiegen. 115 weitere Menschen wurden dem Gesundheitsminister zufolge ins Krankenhaus gebracht. Die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) reklamierte den Angriff am Freitag für sich, bei dem auch ein großes Feuer ausbrach. Die russische Nationalgarde erklärte, sie sei am Tatort und fahnde nach den Tätern.

Der Angriff wurde von mehreren Bewaffneten auf die Crocus City Hall verübt. Dabei handelt es sich um eine Konzerthalle in Krasnogorsk im Nordwesten von Moskau, in der die russische Rockgruppe Piknik am Freitagabend ein Konzert spielte.

Einem Reporter der staatlichen Nachrichtenagentur Ria Nowosti zufolge stürmten Menschen in Tarnkleidung in den Konzertsaal, ehe sie das Feuer eröffneten und eine Granate oder eine Brandbombe warfen, was ein Feuer ausgelöst habe. Die Agentur Interfax berichtete unter Berufung auf Sicherheitsdienste von zwei bis fünf Menschen, die mit automatischen Waffen das Feuer eröffnet hätten.

Der IS, der Russland in der Vergangenheit mehrfach ins Visier genommen hatte, schrieb im Onlinedienst Telegram, Kämpfer hätten "eine große Zusammenkunft (...) am Rande der russischen Hauptstadt Moskau" angegriffen. Die Angreifer hätten sich "sicher in ihre Stützpunkte zurückgezogen".

Die den russischen Sicherheitsbehörden nahestehenden Telegram-Kanäle Basa und Masch veröffentlichten Videos, auf denen mindestens zwei bewaffnete Männer zu sehen sind, die in die Halle vorrücken, sowie weitere, auf denen Leichen und zum Ausgang eilende Gruppen von Menschen zu sehen sind. Weitere Aufnahmen zeigen Konzertbesucher, die sich hinter Sitzen verstecken. Dem russischen Katastrophenschutzministerium zufolge konnte die Feuerwehr rund 100 Menschen evakuieren, die sich im Keller befanden.

Journalisten der Nachrichtenagentur AFP sahen das Gebäude in Flammen, schwarze Rauchschwaden stiegen auf. Viele Polizei- und Rettungskräfte waren im Einsatz.

Den Rettungsdiensten zufolge breiteten sich die Flammen auf fast 13.000 Quadratmeter des Gebäudes aus, ehe der Brand eingedämmt werden konnte. Angaben zur Anzahl der möglicherweise im Inneren eingeschlossenen Menschen wurden nicht gemacht.

Den russischen Behörden zufolge wurde eine Untersuchung wegen eines "terroristischen Akts" eingeleitet. Präsident Wladimir Putin wünschte den Opfern über die stellvertretende Ministerpräsidentin Tatjana Golikowa eine schnelle Genesung und dankte den Ärzten. Öffentlich äußerte er sich zu dem Angriff auf den Konzertsaal zunächst jedoch nicht.

Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin sagte alle öffentlichen Veranstaltungen für das Wochenende ab. Museen und Theater kündigten Schließungen an.

Dem russischen Fernsehen zufolge wurden erhöhte Sicherheitsvorkehrungen getroffen, etwa an den Moskauer Flughäfen und anderen Großstädten des Landes. Die russische Nachrichtenagentur Tass meldete, der Rote Platz in Moskau sei von Sicherheitskräften abgeriegelt worden.

Das russische Außenministerium verurteilte den Angriff bei Moskau als ein "verabscheuungswürdiges Verbrechen", das die "gesamte Weltgemeinschaft" verurteilen müsse. Die Ukraine stritt jegliche Verantwortung für den Angriff ab. Der ukrainische Militärgeheimdienst beschuldigte "die russischen Spezialdienste", hinter dem Angriff zu stecken, um die Ukraine beschuldigen zu können. Das Weiße Haus in Washington erklärte die Anteilnahme der USA für die Opfer des "schrecklichen Angriffs". Die US-Botschaft in Russland hatte ihre Bürger vor zwei Wochen davor gewarnt, dass "Extremisten unmittelbar bevorstehende Pläne haben, große Versammlungen in Moskau, einschließlich Konzerte, ins Visier zu nehmen". Das Weiße Haus erklärte, die USA hätten diese Informationen mit den russischen Behörden geteilt.

Das Auswärtige Amt in Berlin schrieb im Onlinedienst X: "Die Bilder von dem furchtbaren Angriff auf unschuldige Menschen in der Crocus City Hall bei Moskau sind schrecklich." Die EU äußerte sich "bestürzt über die Berichte über einen Terroranschlag". Die EU verurteile "alle Angriffe auf Zivilisten". Auch andere Staaten sowie UN-Generalsekretär António Guterres und der Sicherheitsrat verurteilten den Angriff.

bur/mhe/