Russland sagt Fertigstellung von Nord Stream 2 bis Ende 2020 zu

Vor dem Treffen von Bundeskanzlerin Merkel (CDU) mit dem russischen Präsidenten Putin hat Polen scharfe Kritik an der Ostsee-Gaspipeline Nord Stream 2 geübt. Diese sei "ein Schritt in die falsche Richtung", sagte Ministerpräsident Morawiecki

Russlands Energieminister Alexander Nowak hat die Fertigstellung der umstrittenen Pipeline Nord Stream 2 bis Ende 2020 zugesagt. Vor Journalisten in Moskau sagte Nowak am Freitag, zur Umgehung der US-Sanktionen könnte Russland die abschließenden Arbeiten an der Pipeline selbst vornehmen. Nach der Inkraftsetzung der US-Sanktionen hatte der in der Schweiz ansässige Offshore-Dienstleister Allseas seine Beteiligung am Pipeline-Bau vergangene Woche vorerst eingestellt.

Ursprünglich war die Fertigstellung von Nord Stream 2 für Anfang 2020 geplant, die Inbetriebnahme sollte wenige Monate später erfolgen. Wegen der US-Sanktionen, die US-Präsident Donald Trump vergangene Woche in Kraft gesetzt hatte, werden jedoch Verzögerungen erwartet. Nord Stream 2 ist bereits zu etwa 80 Prozent fertiggestellt.

Die Pipeline werde "bis Ende 2020 an den Start gehen", betonte Nowak. Für die Fertigstellung könne Russland sein eigenes Spezialschiff "Akademik Tschersky" zur Verfügung stellen. Dieses befinde sich derzeit aber noch in Fernost. "Wir benötigen etwas Zeit für zusätzliche Vorbereitungen", fügte Nowak hinzu.

Wie aus dem Energieministerium verlautete, muss das Spezialschiff noch mit den nötigen Gerätschaften ausgestattet werden. Die "Akademik Tschersky" wird von einer Tochterfirma der staatlichen Energiekonzerns Gazprom betrieben. Bereits vor wenigen Tagen hatte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow mit Blick auf die US-Sanktionen gesagt, Russland habe "gewisse Kapazitäten", um die Erdgas-Pipeline "in absehbarer Zukunft" fertigzustellen.

Die US-Sanktionen richten sich gegen Firmen, die am Verlegen der Pipeline beteiligt sind, sowie deren Eigner. Als Strafmaßnahmen vorgesehen sind Einreiseverbote und das Einfrieren von Vermögen in den USA. Die Bundesregierung kritisierte die US-Sanktionen als "schweren Eingriff" in innere Angelegenheiten. Washington argumentiert dagegen, das vom Gazprom-Konzern angeführte Projekt vergrößere den wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Einfluss Russlands in Europa.