Russland: Sanktionen verpuffen, kosten EU aber 100 Milliarden

Zwei Rennpferde von Ramzan Kadyrow, Präsident der autonomen russischen Republik Tschetschenien, sind von den EU-Sanktionen betroffen.

Die Sanktionen gegen Privatpersonen aus Russland kosten die EU-Länder hohe Milliardenbeträge und gefährden zahlreiche Arbeitsplätze, haben Wirtschaftswissenschaftler recherchiert. In Russland selbst verpuffen die Sanktionen dagegen regelrecht.

Das Österreichische Institut für Wirtschaftsforschung hat im Auftrag von "LENA", der Allianz führender europäischer Tageszeitungen, berechnet: Durch die Wirtschaftssanktionen gegen Russland sind in ganz Europa rund 100 Milliarden Euro an Wertschöpfung und mehr als zwei Millionen Arbeitsplätze gefährdet. Allein in Deutschland stehen mittelfristig eine halbe Million Arbeitsplätze und fast 27 Milliarden Euro auf dem Spiel, heißt es.

Laut "Welt", die unter anderem an "LENA" beteiligt ist, seien insbesondere Exportausfälle für die Krise verantwortlich. Die Ökonomen gehen demnach von einem Worst-Case-Szenario aus, das voraussichtlich eintreten werde, wenn sich die Lage nicht grundsätzlich ändert. "Die Exportausfälle, die wir im Herbst vergangenen Jahres schlimmstenfalls angenommen hatten, sind inzwischen Realität", warnt Oliver Fritz, einer von drei Autoren. Der Effekt könne lediglich durch vermehrte Exporte in andere Länder abgeschwächt werden. Ändert sich an der Herangehensweise aus dem ersten Quartal des Jahres allerdings nichts, könnte Deutschlands Wirtschaftsleistung in den nächsten Jahren um über ein Prozent einbüßen.

Während sich die Sanktionen gegen russische Privatleute auf die EU auswirken, sind diese in Russland nahezu ohne Wirkung: In Deutschland wurden laut "LENA" 124.346 Euro eingefroren; ähnlich viel wie auf Zypern. Davon betroffen sind beispielsweise zwei Rennpferde von Ramzan Kadyrow, Präsident der autonomen russischen Republik Tschetschenien, die nicht mehr verkauft werden oder bei Rennen Preise gewinnen dürfen. In Schweden sind es dagegen nur noch 200 Euro, die im Zuge der Sanktionen gesperrt werden. In neun der 28 EU-Länder wurden dagegen gar keine Vermögenswerte der 150 Personen und 37 Organisationen und Unternehmen, die auf der EU-Sanktionsliste stehen, eingefroren.

Konsequenter sind die Italiener, die einem russischen Milliardär die wirtschaftliche Kontrolle über ein Hotel, ein Apartment, eine Villa und zwei Wohnungen im Wert von 30 Millionen Euro entzogen. In Lettland sperrte die Finanzpolizei zudem zweistellige Millionenbeträge von drei Personen.

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