Russlands Rubel stürzt auf ein Niveau ab, bei dem die Zentralbank zuvor Notmaßnahmen ausgelöst hat

Der Rubel fällt wieder: Für einen US-Dollar müssen rund 100 Rubel gezahlt werden. - Copyright: REUTERS/Ilya Naymushin
Der Rubel fällt wieder: Für einen US-Dollar müssen rund 100 Rubel gezahlt werden. - Copyright: REUTERS/Ilya Naymushin

Russlands Rubel gerät erneut unter Druck. Anfang dieser Woche sackte die Landeswährung erneut auf die Tiefststände aus dem Sommer. Am Dienstag war ein Rubel vorübergehend sogar wieder weniger als einen US-Cent wert. Für einen Dollar mussten also mehr als 100 Rubel gezahlt werden. Bei dieser Marke hatte die russische Zentralbank im August mit Notmaßnahmen eingegriffen.

Russlands Währung fiel am frühen Dienstag auf 100,255 Rubel je Dollar, erholte sich seitdem aber wieder etwas. Am Mittwoch lag der Kurs bei 99,25 Rubel für einen Dollar.

Russlands Regierung hatte im Frühjahr eine Spanne von 80 bis 90 Rubel je Dollar als Komfortzone definiert. Als der Rubel unter 100 Rubel je Dollar fiel, ergriff die Zentralbank Notmaßnahmen. Sie hob die Leitzinsen deutlich bis auf 13 Prozent an. Die Zentralbank stoppte den Ankauf fremder Währungen gegen Rubel. Anfang September erhöhte sie schließlich ihre Devisenverkäufe, kauft also Rubel. Russland hatte vor dem Ukraine-Krieg riesige Währungsreserven aufgebaut, die zu den höchsten der Welt zählen.

Der schwache Rubel erhöht unter anderem den Preisdruck in Russland, weil er Importe teurer macht. Die Inflation in Russland steigt seit dem Frühjahr stetig und erreicht im August 5,2 Prozent. Die höheren Zinsen dämpfen auch in Russland die Wirtschaft.

Russlands Rubel fällt wieder: Das sind die Gründe

Unmittelbar nach den Eingriffen hatte sich der Rubel erholt, die „Komfortzone“ unter 90 Rubel je Dollar aber nicht mehr erreicht. Der Rubel steht vor allem als Folge der verschlechterten Bilanz Russlands im Außenhandel unter Druck.

Dabei spielen die westlichen Sanktionen gegen Russland wegen des Überfalls auf die Ukraine eine entscheidende Rolle. Wegen der Sanktionen konnte Russland zunächst weniger Waren im Ausland laufen. Gleichzeitig stiegen die Einnahmen aus den Energieexporten, weil die Preise zunächst stark gestiegen. Das Blatt hat sich aber gewendet. Russland Importe steigen wieder, weil das Land andere Lieferanten und Wege gefunden hat, Sanktionen zu umgehen. Gleichzeitig sie die Einnahmen aus Gas- und Ölexporten stark zurückgegangen. Im Ergebnis fiel Russlands Überschuss in der Leistungsbilanz mit dem Ausland um 86 Prozent gegenüber dem gleichen Zeitraum 2022.

Der Druck auf den Rubel wird zusätzlich durch die Stärke des US-Dollar insgesamt verstärkt. Steigende Renditen von US-Anleihen hatten den Dollar als Anlagewährung gestärkt.

Das russische Finanzministerium dringt auf weitere Kapitalkontrollen, um den Rubel zu stützen. Dagegen hat sich die Gouverneurin der Zentralbank, Elvira Nabiullina, laut Reuters gegen strengere Kontrollen ausgesprochen. Sie kritisierte den Vorstoß des Finanzministeriums, getrennte Inlands- und Auslands-Wechselkurse für den Rubel zu schaffen, ähnlich wie es China mit dem Yuan macht.

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