RWE macht ersten Verlust seit mehr als 60 Jahren

Energiekonzern mit 2,8 Milliarden Euro im Minus

Die Energiewende macht RWE schwer zu schaffen. Erstmals seit Gründung der Bundesrepublik machte Deutschlands zweitgrößter Energiekonzern einen Verlust; dieser belief sich auf 2,8 Milliarden Euro, wie der Konzern in Essen mitteilte. Grund seien Wertberichtigungen von rund 4,8 Milliarden Euro vor allem auf konventionelle Kraftwerke. Konzernchef Peter Terium räumte ein, RWE habe "vielleicht zu spät" auf erneuerbare Energien gesetzt.

Die Stromerzeugung ging im vergangenen Jahr um fünf Prozent zurück, wie RWE mitteilte. Hauptgrund sei die "verringerte konventionelle Erzeugungskapazität" gewesen. Die Kohle- und Gaskraftwerke des Konzerns sind wegen des Erfolgs der erneuerbaren Energien immer seltener am Netz.

RWE produziert nach wie vor den meisten Strom mit Hilfe von Braun- und Steinkohle, nämlich 51 Prozent. In Gaskraftwerken erzeugt RWE 17 Prozent des Stroms, in Atomkraftwerken 14 Prozent. Nur sechs Prozent kamen 2013 aus erneuerbaren Energiequellen wie Sonne oder Wind.

Terium räumt ein, die Konzernführung habe "auch Fehler gemacht". RWE sei "spät in die Erneuerbaren eingestiegen, vielleicht zu spät". Das Unternehmen stehe aber hinter der Energiewende, sagte der Vorstandsvorsitzende. "Wir setzen alles daran, um sie zum Erfolg zu führen." Mit konventionellen Kraftwerken verdiene der Konzern immer weniger Geld - diese Entwicklung bezeichnete Terium als unumkehrbar. Bei 20 bis 30 Prozent der RWE-Kapazität deckten die Erlöse nicht mal mehr die laufenden Kosten.

Für dieses Jahr geht der Konzern von einem "weiteren deutlichen Ertragsrückgang" aus, wie RWE warnte. Finanzchef Bernhard Günther sagte am Dienstag, er erwarte für dieses Jahr aber keinen neuen Nettoverlust. Wertberichtigungen in der Größenordnung von 2013 werde es nicht geben.

Angesichts der "überaus schwierigen Lage" hatte Terium Ende Februar angekündigt, der Vorstand verzichte auf eine halbe Million Euro Gehalt. Bis Ende 2016 will RWE jede zehnte Stelle streichen, insgesamt rund 6700 Jobs - davon 4700 auf dem Heimatmarkt in Deutschland.

Die Umweltorganisation Greenpeace warf RWE vor, die Energiewende verschlafen zu haben. Statt sich den Erneuerbaren zuzuwenden, habe der Konzern "immer neue Milliarden in fossile Kraftwerke" gesteckt, erklärte Greenpeace-Energieexperte Gerald Neubauer. Nun sitze das Unternehmen auf den "unrentablen Überkapazitäten".

Der Vorsitzende der Gewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie, Michael Vassiliadis, hatte Terium schon am Montag Konzeptlosigkeit vorgeworfen. Der Konzernchef beklage fast nur die schwierigen politischen Rahmenbedingungen, sagte Vassiliadis "Spiegel Online". Dabei müsse er dringend eine Strategie für RWE entwickeln, "die übers Jammern hinausgeht".

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