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Südkorea schafft trotz Ärztestreiks gegen Reform neue Medizinstudienplätze

Die südkoreanische Regierung in Seoul treibt trotz eines Ärztestreiks eine Reform des Gesundheitssystems voran und hat die Schaffung von jährlich 2000 neuen Medizinstudienplätzen verkündet. (ANTHONY WALLACE)
Die südkoreanische Regierung in Seoul treibt trotz eines Ärztestreiks eine Reform des Gesundheitssystems voran und hat die Schaffung von jährlich 2000 neuen Medizinstudienplätzen verkündet. (ANTHONY WALLACE)

Die südkoreanische Regierung in Seoul treibt trotz eines Ärztestreiks eine Reform des Gesundheitssystems voran: Sie kündigte am Mittwoch die Schaffung von jährlich 2000 neuen Medizinstudienplätzen an. Mehr als 80 Prozent der Studienplätze würden an Universitäten außerhalb der Haupstadtregion gehen, um die Anzahl von Ärzten in ländlichen Gegenden zu erhöhen und so "wettbewerbsfähige regionale Medizinsysteme zu schaffen", erklärte Bildungsminister Lee Ju Ho bei einer Pressekonferenz.

In Südkorea haben tausende Assistenzärzte seit dem 20. Februar die Arbeit niedergelegt, obwohl ihnen Streiks gesetzlich verboten sind. Wegen der Protestaktion mussten reihenweise geplante Operationen abgesagt oder verschoben werden. Neben dem von der Regierung angekündigten Entzug ihrer Zulassung drohen den Streikenden auch strafrechtliche Konsequenzen.

Der Streik richtet sich vor allem gegen die jährliche Erhöhung der Medizin-Studienplätze um 2000. Damit will die Regierung nach eigenen Angaben einen drohenden Ärztemangel verhindern. Zudem müsse der alternden Gesellschaft Rechnung getragen werden, die zu mehr Arztbesuchen und Krankenhausaufenthalten führe. Die Ärzte kritisieren, dass die Qualität der medizinischen Versorgung und der Ausbildung unter der Reform leiden werde. Befürworter der Reform werfen den Medizinern vor, ihre Gehälter und ihren sozialen Status absichern zu wollen.

Die medizinischen Universitäten in Seoul hatten 365 neue Plätze gefordert, auf sie entfällt laut einer Erklärung des Ministeriums aber kein einziger neuer Platz. Nach Angaben von Experten ist die Konzentration von Ärzten in der Hauptstadtregion eines der größten Probleme im südkoreanischen Gesundheitssystem und führt zu Versorgungsproblemen in ländlichen Gegenden.

Der Koreanische Ärzteverband kritisierte die Ankündigung der neuen Studienplätze. Damit werde "die letzte Brücke für einen Kompromiss" abgerissen, was "katastrophale Folgen" haben werde.

In der vergangenen Woche hatte eine Gruppe von Chefärzten aus Solidarität mit den streikenden Assistenzärzten ihren Rücktritt angekündigt. Bei einem Treffen von Vertretern der Medizinprofessoren von 20 Universitäten hätten sich 16 Einrichtungen "mit überwältigender Mehrheit" für die Unterstützung ihrer jüngeren Kollegen ausgesprochen, sagte der Leiter der Gruppe.

oer/yb