Südkoreas Polizei macht schwere Versäumnisse für Massenpanik an Halloween verantwortlich

Südkoreas Polizei hat schwere Versäumnisse der Behörden für die tödliche Massenpanik an Halloween in der Hauptstadt Seoul verantwortlich gemacht. Polizei und Stadt hätten im Vorfeld kaum Sicherheitsvorkehrungen getroffen und dann nur unzureichend auf das Massengedränge reagiert, erklärte der Leiter eines Untersuchungsteams am Freitag vor den Medien. Bei dem Gedränge von 100.000 vorwiegend jungen Feiernden in einer engen Gasse des Ausgehviertels Itaewon waren Ende Oktober über 150 Menschen ums Leben gekommen.

Polizei, Bezirksämter und der U-Bahnbetreiber hätten im Vorfeld der Feiern keine oder nur miserable Sicherheitspläne ausgearbeitet, sagte Team-Leiter Sohn Jae Han zum Ergebnis der monatelangen Untersuchung zu den Hintergründen der Katastrophe. Trotz zahlreicher Not- und Warnanrufe seien dann die Reaktionen unzureichend gewesen.

Die schlechte Zusammenarbeit zwischen den Behörden sowie Verzögerungen bei der Kommunikation und den Hilfsmaßnahmen hätten dazu beigetragen, dass es so viele Todesopfer gegeben habe, sagte Sohn weiter.

Infolge des Massengedränges am 29. Oktober waren 159 Menschen ums Leben gekommen, darunter ein Jugendlicher, der im Dezember Suizid begangen hatte. Später stellte sich heraus, dass nur 137 Polizisten im Einsatz waren, weil es sich nicht um angemeldete Veranstaltungen handelte - und obwohl bei der Polizei schon Stunden vor der Katastrophe Notrufe eintrafen.

Sechs Verantwortliche wurden im Rahmen der Untersuchungen des Polizeiteams festgenommen, darunter die ehemaligen Chefs der zuständigen Polizeiwache und des Bezirksamts. Auf Schuldzuweisungen an ranghöhere Vertreter von Regierung, Seouls Behörden oder Polizei verzichtete Sohns Team jedoch. Es sei schwierig, ihnen eine "konkrete Pflichtverletzung" nachzuweisen, sagte Sohn.

Angehörige der Opfer zeigten sich von den Ergebnissen der Untersuchung enttäuscht. Er habe von Anfang bezweifelt, dass die Polizei das Verhalten ihrer eigenen Vertreter "fair und unparteiisch" untersuchen werde, sagte der Leiter einer Angehörigen-Initiative, Lee Jong Chul, der Nachrichtenagentur Yonhap.

Es sei zudem vorhersehbar gewesen, dass gegen keine führenden Vertreter von Regierung und Stadt wie etwa Innenminister Lee Sang Min oder Bürgermeister Oh See Hoon ermittelt worden sei, sagte Lee weiter. Er forderte eine neue unabhängige Untersuchung.

ans/cp