Sabbatical: Ein Rechtsanwalt erklärt, was ihr beachten müsst, wenn ihr eine Pause vom Job wollt

Bei einem Sabbatical könnt ihr eine längere Pause einlegen und später wieder zum Job zurückkehren. - Copyright: getty images
Bei einem Sabbatical könnt ihr eine längere Pause einlegen und später wieder zum Job zurückkehren. - Copyright: getty images

Juristisches Halbwissen kann viel Ärger, Zeit und Geld kosten. Ihr wollt eure Nerven und euer Portemonnaie lieber schonen? Dann ist unsere Kolumne „Kenne deine Rechte“ genau das Richtige für euch. Hier beantwortet Rechtsanwalt Pascal Croset von der Berliner Kanzlei Croset alle zwei Wochen eine Frage rund ums Arbeitsrecht.

Wer viel auf Linkedin unterwegs ist, kann sich kaum vor Posts retten, in denen Menschen verkünden, dass sie sich eine Auszeit gönnen. Auch viele Unternehmen werben in Stellenanzeigen mit der Möglichkeit, ein Sabbatical einzulegen. Besonders im Zusammenhang mit Employer Branding wird immer wieder empfohlen, dass Arbeitgeber Sabbaticals anbieten, um gute Fachkräfte an sich zu binden.

Was genau ist eigentlich ein Sabbatical?

Unter einem Sabbatical versteht man eine längere Freistellung von der Arbeit, in der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer keine Arbeitsleistung für das Unternehmen erbringen. Es ist also eine Art „Auszeit“, in der Arbeitnehmer sich etwas anderem als dem Arbeitsverhältnis widmen können, um danach wieder zu ihrem Job zurückzukehren.

Sabbaticals sind nicht im Gesetz verankert – es liegt also in der Hand des Unternehmens, ob es ein Sabbatical anbietet oder nicht. Im Normalfall erstreckt sich der Zeitraum über drei bis zwölf Monate.

Haben Arbeitnehmer Anspruch auf ein Sabbatical?

Generell habt ihr keinen gesetzlichen Anspruch auf ein Sabbatical. Er kann allerdings in einem Arbeitsvertrag oder beispielsweise in einem Tarifvertrag vereinbart werden. Typischerweise werden Sabbaticals aber im Einzelfall auf Wunsch des Arbeitnehmers vereinbart. Es gibt in der Regel also keine generelle Vereinbarung, sondern eine Einzelvereinbarung, wenn ihr euren Arbeitgeber um eine Auszeit bittet.

Allerdings: Bietet euer Unternehmen die Möglichkeit eines Sabbaticals allgemein an, ist der Arbeitgeber an den allgemeinen arbeitsrechtlichen Gleichbehandlungsgrundsatz gebunden. Das heißt, er darf einzelne Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer nicht von der allgemeinen Regel ausschließen (etwa nach dem Motto: „Alle anderen dürfen, nur du nicht!“).

Es gibt verschiedene Sabbatical-Arten

Könnt ihr euch mit eurem Arbeitgeber darauf einigen, dass ihr ein Sabbatical machen könnt, gibt es verschiedene arbeitsrechtliche Wege, wie ihr es umsetzten könnt:

Beendigung und Wiederaufnahme des Arbeitsverhältnisses

Ein Sabbatical kann zum Beispiel durch einen Aufhebungsvertrag gestaltet werden, der eine Wiedereinstellungszusage beinhaltet. Dabei wird euer Arbeitsverhältnis zu einem bestimmten Datum beendet – mit der Zusage, dass ihr später es später wiederaufnehmen könnt.

In diesem Fall besteht allerdings euer Arbeitsverhältnis während der Sabbatical-Zeit nicht, sodass alle arbeitsvertraglichen Pflichten zwischen den Parteien sind ausgesetzt. Bedeutet: Ihr müsst einen Sozialversicherungsschutz, wie die Krankenversicherung, während der Sabbatical-Zeit anderweitig sicherstellen – da euer Unternehmen dies nicht mehr übernimmt.

Entscheidend ist zudem die Gestaltung der Wiedereinstellungszusage: Könnt ihr als Arbeitnehmer wiederkommen, wann ihr wollt oder nur in einem bestimmten Zeitfenster? Müsst ihr bestimmte Ankündigungsfristen einhalten, damit sich der Arbeitgeber auf eure Rückkehr einstellen kann? Könntet ihr euer Sabbatical auch abkürzen, falls die Meditation im indischen Ashram keinen Spaß mehr macht oder die Weltreise früher endet?

Ruhendstellung des Arbeitsverhältnisses

Das Arbeitsverhältnis kann auch ruhend gestellt werden. Während des Sabbaticals läuft euer Arbeitsverhältnis also offiziell weiter, jedoch werden die Pflicht zur Arbeitsleistung und zur Gehaltszahlung ausgesetzt – euer eigentliche Arbeitsverhältnis liegt auf Eis. Auch hier verliert ihr als Arbeitnehmer euren Sozialversicherungsschutz nach einem Monat. Denn obwohl das Arbeitsverhältnis fortbesteht, wird ja kein Lohn mehr bezahlt und damit auch keine Sozialabgaben mehr.

Befristetes Teilzeitverhältnis

Zu guter Letzt könnt ihr auch ein befristetes Teilzeitverhältnis vereinbaren. Diese Regelung eines Sabbaticals hat sich in der Praxis bisher durchgesetzt, da Arbeitnehmer so den Schutz der Sozialversicherung nicht verlieren. Ihr sammelt zunächst Überstunden und möglicherweise auch Urlaubstage auf einem sogenannten Zeitkonto an. Wenn hier genug Stunden angespart sind, kann der Beschäftigtess diese abrufen und „frei machen“. Letztlich entspricht das dem klassischen „Abbummeln“ von Überstunden – aber eben im großen Stil. Der große Vorteil hierbei ist, dass euer Gehalt durchgehend weitergezahlt wird, sodass euer Sozialversicherungsschutz weiter besteht.

Die Überstunden sammelt ihr übrigens häufig dadurch, dass eure vertragliche Arbeitszeit reduziert wird, nicht aber die die geleistete Arbeitszeit.

Als Beispiel: Ihr habt bisher 40 Stunden pro Woche gearbeitet. Jetzt vereinbart ihr, dass ihr in den nächsten zwölf Monaten 75 Prozent Teilzeit arbeiten wollt, also nur noch 30 Stunden pro Woche. Das heißt, ihr bekommt auch nur noch 75 Prozent eures Gehaltes. Arbeitet ihr nun weiterhin 40 Stunden pro Woche, sammelt ihr jede Woche zehn Überstunden an. Nach einem Jahr habt ihr etwa 520 Überstunden angesammelt und könnt länger als vier Monate eine Pause nehmen – und bekommt weiterhin euer Gehalt für die 30-Stunden-Woche.

Was, wenn euch kein Sabbatical erlaubt wird?

Dafür gibt es tatsächlich einen Umweg im Arbeitsrecht: das Teilzeit- und Befristungsgesetz. Damit könnt ihr eine Verringerung eurer Arbeitszeit für einen Zeitraum zwischen einem und fünf Jahren verlangen. Das Gesetz schreibt jedoch nicht vor, dass die Arbeitszeitreduzierung gleichmäßig erfolgen muss – eine Blockfreistellung ist also auch möglich.

Als Beispiel: Ihr arbeitet normalerweise 40 Stunden pro Woche, verlangt aber nun, dass ihr in den nächsten zwei Jahren 50 Prozent Teilzeit arbeiten wollt. Normalerweise würdet ihr jetzt also für die Hälfte eures Gehalts auch nur die Hälfte eurer vorherigen Arbeitszeit ableisten. Aber: Da ihr ein Jahr Pause machen wollt, arbeitet ihr im ersten Jahr weiterhin 40 Stunden für das halbe Gehalt – dafür könnt ihr im Jahr darauf 0 Stunden arbeiten, bekommt aber dennoch jeden Monat ein halbes Gehalt.

Das Landesarbeitsgericht Hamm hat dieses Vorhergehen bereits in einem Urteil anerkannt. Allerdings bestehen für diesen Fall drei Voraussetzungen: Erstens muss das Unternehmen mehr als 45 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer beschäftigen. Zweitens muss euer Arbeitsverhältnis schon mehr als sechs Monate bestehen. Und drittens kann euer Arbeitgeber einwenden, dass die Regelung aus betrieblichen Gründen nicht funktioniert – insbesondere, wenn das betriebliche Organisationskonzept dies nicht hergibt. Es bleibt also abzuwarten, ob weiter Arbeitsgerichte mit diesem "Umweg über die Brückenteilzeit" mitgehen.

Welche Risiken hat ein Sabbatical?

Ein Sabbatical ist allerdings auch mit einem Risiko verbunden: Egal, welche Ausgestaltung ihr wählt, irgendwann ist das Sabbatical zu Ende – und das eigentliche Arbeiten beginnt wieder. Was, wenn die Stelle zwischenzeitlich weggefallen ist? Oder wenn die Vertretung einen so guten Job macht, dass man sie nicht ziehen lassen will? Vielleicht ist der Arbeitgeber auch immer noch sauer, weil ihr den „Trick“ über die Brückenteilzeit genutzt hat.

Jedenfalls: In der Praxis kommt es häufiger vor, dass der Arbeitgeber – anders als vorher vereinbart – nach dem Sabbatical nicht mehr weiter zusammenarbeiten möchte. In diesem Fall erhaltet ihr ein Angebot für einen Aufhebungsvertrag oder direkt die Kündigung. Ein Fachanwalt für Arbeitsrecht kann hier sicherlich eine gute Abfindung heraushandeln, nur im Ergebnis ist der sicher geglaubte Job dann doch weg. Dieses Risiko kann leider keine vertragliche oder gesetzliche Garantie voll ausschalten, dessen solltet ihr euch bewusst sein.

Dieser Artikel wurde am 25.01.2023 aktualisiert und erschien erstmals am 24.01.2023.