Samenspende: Suche nach den Wurzeln

Sunny Müller ist eines von 100.000 Kindern, die mit einer anonymen Samenspende gezeugt wurden. Sie hofft, ihren Erzeuger eines Tages zu treffen

Es gibt Momente, da fragt sich Sunny Müller, wer sie eigentlich ist. Das passiert ihr zum Beispiel, wenn sie vor dem Spiegel steht und ihr Gesicht betrachtet. Es ist rund, der Teint ist blass und die Augen sind so groß wie die einer Puppe. Es ist das Gesicht ihrer Mutter Sabine.

Damit sind die Gemeinsamkeiten aber auch schon erschöpft. Sabine Savary, 59, sprudelt vor Temperament. "Du bist entweder himmelhoch jauchzend oder zu Tode betrübt", sagt Sunny. Sie stellt das nüchtern fest. Mit ihren Gefühlen hausieren zu gehen, ist nicht ihre Art. Sie wägt ihre Worte genau ab. Die geborene Diplomatin. Sie sagt: "Manchmal frage ich mich: Habe ich das von ihm geerbt?"

Er, das ist der Mann, von dem weder sie noch ihre Mutter wissen, wer er ist, wo er wohnt und was er macht. Und doch ist er immer bei ihnen. Ein Schatten. Ein Phantom. Ein unsichtbares Mitglied der Familie. Mit seinem Sperma wurde Sabine Savary im August 1979 befruchtet. Er ist ihr biologischer Vater.

Gibt es etwas, was nur meins ist?

Aber wer ist Er? Von der Antwort hänge nicht ihr persönliches Glück ab, versichert Sunny. Sie würde es nur gerne wissen, um sich selbst besser zu verstehen. "Bin ich nur die Schnittmenge meiner Eltern? Oder gibt es etwas, das nur meins ist?"

Sunny Müller, 36, ist mit solchen Fragen nicht allein. In Deutschland wurden seit den 1970er-Jahren etwa 100.000 Kinder durch künstliche Befruchtung mit dem Samen anonymer Spender gezeugt. Nur schätzungsweise 20 Prozent davon wissen überhaupt, dass sie auf die...

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