Sammler und Stifter: Stadt Köln hält Gedenkfeier für den verstorbenen Gérard Corboud

Ehefrau Marisol Corboud erinnert an das Versprechen der Stadtverwaltung.

Marisol Corboud gab die Richtung vor: „Der Tränen sind genug geweint – nun lasst Taten folgen!“ Zum Ende der Gedenkfeier für ihren am 5. März verstorbenen Ehemann, den Sammler und Stifter Gérard Corboud, erinnerte sie im Stiftersaal des Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud (WRM) an das Versprechen, das die Stadt vor 15 Jahren gegeben hat: Die Errichtung eines Erweiterungsbaus, um die Schätze des Museums  besser ins Licht rücken zu können. Und damit seien gewiss nicht nur Werke der Sammlung ihres Mannes gemeint, fügte Marisol Corboud an.

Das Versprechen ist nicht vergessen

Dieses Versprechen, aber mehr noch dessen noch nicht erfolgte Einlösung durch die Stadt, schwebte immerzu über der Veranstaltung, die im Anschluss an einen Gottesdienst in St. Peter stattfand. Peter Jungen, der Vorsitzende des Stifterrates des Museums, stellte fest, dass Corbouds Enttäuschung gerade auch zum Lebensende sehr groß gewesen sei.

Jungen kritisierte entschieden: „Die Stadt hat ihre Verpflichtung nicht erfüllt!“ Damit bezog er sich auf den Erweiterungsbau, aber auch auf  die Vereinbarung bei der Übergabe der Sammlung im Jahr 2001, wonach ein Drittel der über 170 Kunstwerke dauerhaft im  Obergeschoss ausgestellt werden sollte. „Ich weiß nicht, ob das jemals der Fall war“, sagte Jungen.

Der Vorsitzende des Stifterrates verwies in seiner Ansprache auf Ferdinand Franz Wallraf. Der habe seine Sammlung der Stadt vor fast 200 Jahren vermacht und dies mit der Hoffnung verbunden, dadurch weitere Sammler zu einer Stiftung anzuspornen. Allerdings habe es dann 43 Jahre gedauert, ehe das Museum eröffnet werden konnte.

Es sind „erst“ 17 Jahre

Auf den aktuellen Erweiterungsbau warte man hingegen „erst“ seit 17 Jahren – die bittere Ironie, die diesem Satz innewohnt,  bemerkte das Publikum aus Kultur, Politik und Verwaltung sehr wohl.  „Die Stadt muss lernen“, so Jungen, „mit Geschenken umzugehen, sie zu pflegen und zu ehren.“ Ohne die Sammler und Stifter wäre Köln nicht ärmer, sondern arm. Immerhin seien sämtliche städtische Museen auf ein bürgerschaftliches Engagement zurückzuführen. Diese Tradition müsse die Stadt unterstützen.

Er wisse, sagte Jungen, dass die Oberbürgermeisterin entschlossen sei, den Erweiterungsbau zu realisieren. Aber er sei nicht sicher, ob das auch die Position der gesamten Verwaltung sei. Ausdrücklich verwies Henriette Reker darauf, dass sich die Stadt „mit Leidenschaft“ für den Bau einsetze. Sie sei sicher, dass dieser „zu einem guten Ende“   gebracht werde. Konkret freilich stagniert der Investorenwettbewerb aufgrund einer juristischen Auseinandersetzung, die beim Oberlandesgericht anhängig ist.

Erinnerungen an das erste Bild der Sammlung

Genutzt wurde die Gedenkfeier auch, um an die Persönlichkeit des Gérard Corboud zu erinnern. Marisol Corboud schilderte, wie das Ehepaar das erste Bild der Sammlung in einer Galerie in Lausanne erworben hat. Jahre später wurde Montreux als Ort für die schnell erstarkte Sammlung erwogen.

Doch da hakte es – und zur rechten Zeit war der damalige WRM-Direktor Rainer Budde in der Nähe. Köln passte auch, weil Marisol  gebürtige Kölnerin ist und   Gérard hier 45 Jahre gelebt hatte, bevor beide als Ehepaar  an den Genfer See zogen. Sie dankte nun vor allem Budde für die Unterstützung, aber auch den  Nachfolgern Andreas Blühm und  Marcus Dekiert.

Eine impressionistische, eindrückliche Persönlichkeit

Das Wachsen dieser Impressionismus-Sammlung schilderte Barbara Schaefer, die stellvertretende Direktorin des Museums. Und einen amüsanten Akzent verpasste Patricia Corboud, eine der Töchter des Verstorbenen, der Gedenkfeier. Sie schilderte den Vater als „impressionistische, also eindrückliche Persönlichkeit, die uns allen fehlen wird“. Er habe einen  Strauß Maiglöckchen zum Geburtstag geliebt, ein gutes Essen und dazu einen Sancerre genossen, sei ein entschlossen führender Tanzpartner und überhaupt den Frauen zugetan gewesen: „Das Flirten war ihm nahezu angeboren.“

Er habe gerne diskutiert, zuweilen auch über Themen, so Patricia Corboud, die ihm nicht vollends vertraut waren. Ein Musikfreund sei er  gewesen, der sich Bach-Werken bei großer Lautstärke widmete – obwohl er  nicht schwerhörig gewesen sei.

Musik von Bach gab es auch im Rahmenprogramm der intensiven Gedenkstunde. Aber das Duo Lena Kravets (Violoncello) und Tobias Kassung (Gitarre) hatte sich dann doch für eine dezente Lautstärke entschieden....Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta

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