San Francisco: Polizeiprämie für Verbrecher, wenn sie niemanden erschießen

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Vor einigen Jahren hatte die Stadt San Francisco bereits ein Programm zum Waffenrückkauf gestartet, nun folgt der nächste Versuch, die Gewalt zu reduzieren. (Bild: Justin Sullivan/Getty Images)
Vor einigen Jahren hatte die Stadt San Francisco bereits ein Programm zum Waffenrückkauf gestartet, nun folgt der nächste Versuch, die Gewalt zu reduzieren. (Bild: Justin Sullivan/Getty Images)

Es hört sich verrückt an: San Francisco bietet Verbrechern eine Geldprämie, wenn sie niemanden erschießen. Doch hinter dem Konzept steckt eine innovative Herangehensweise.

Im Jahr 2021 hat sich das Problem der Waffengewalt in den USA trotz der Corona-Pandemie weiter verstärkt. Landesweit sprechen manche bereits von einer zweiten Pandemie. Auch in der kalifornischen Großstadt San Francisco steigen die Zahlen von Gewaltverbrechen mit Schusswaffengebrauch deutlich an. Bisher gab es dort dieses Jahr insgesamt 119 Opfer von Schießereien, das ist mehr als das Doppelte im Vergleich zum Vorjahr, als es 58 Schusswaffenopfer gab.

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Auch die Zahl der Todesopfer stieg an, wenn auch nicht ganz so deutlich. 26 Menschen kamen durch Schüsse in San Francisco im ersten Halbjahr 2021 ums Leben, 2020 waren es zu diesem Zeitpunkt erst 21 Tote. Die Zahlen sind auch landesweit sehr bedenklich. In den USA sind im ersten Halbjahr insgesamt 13.601 Menschen durch Schusswaffen gestorben. Im kompletten vorherigen Jahr waren es dagegen etwa 19.000, im kompletten Jahr 2019 waren es noch 15.448. 

Stipendium statt harte Strafen

Die Diskussion um die Zulassung und den Verkauf von Waffen ist längst eine hochpolitische geworden. Doch in San Francisco will man nicht länger auf Entscheidungen aus Washington warten. Die 900.000-Einwohner-Stadt geht jetzt mit einem eigenen Modell voran, um die Schießereien zu minimieren. Dabei soll Kriminellen die Abrüstung durch finanzielle Anreize schmackhaft gemacht werden. Für diese innovative Taktik hat die Polizei zwölf Gruppen identifiziert, in denen es besonders häufig zum Schusswaffengebrauch kommt. Ab Oktober wird der "Dream Keeper Fellowship" zehn Menschen aus dieser Gruppe ein Stipendium von 300 US-Dollar (etwa 252 Euro) monatlich auszahlen, wenn sie sich von Schießereien fern halten. 

Einsatz für die Community

Im Gespräch mit Newsweek erklärte Sheryl Davis, Direktorin der Menschenrechtskommission in San Francisco das Konzept. "Es geht nicht so sehr um einen Austausch: 'Hier habt ihr ein paar Dollar damit ihr nichts Böses macht.'" sagte Davis dem Magazin. "Es geht viel mehr darum, wie ihr uns helfen könnt, die öffentliche Sicherheit in eurer eigenen Nachbarschaft zu verbessern." Dafür werden den zehn Teilnehmern Coaches an die Seite gestellt, die aus dem Straßengewalt-Präventions-Team der Stadt kommen. Die Teilnehmer sollen sich als Partner fühlen, die Menschen aus ihren Communitys mit einbeziehen. 

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"Wenn du dich selbst verbesserst, profitiert deine Community davon", motiviert Davis. Damit solle auch gegen die Wurzeln der Gewalt vorgegangen werden, die in vielen Fällen wirtschaftlich seien. Wenn sich die Teilnehmer darüber hinaus engagieren und etwas für ihre Gemeinde machen, können sie das Stipendium noch um weitere 200 US-Dollar erhöhen. Erfahrungen mit solch einem Ansatz gibt es schon aus dem kalifornischen Richmond. Dort wurde die Anzahl der Todesopfer 2019 um mehr als die Hälfte reduziert, nachdem das Programm anlief. 

VIDEO: Videografik - Schusswaffen in den USA

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