Sandy-Hook-Held kämpft mit Belästigungen

Eigentlich sollte er als Wohltäter gefeiert werden. Stattdessen sieht sich Gene Rosen aus Newtown Anfeindungen ausgesetzt. Der 69-Jährige hatte nach dem Massaker an der Sandy-Hook-Grundschule vor einem Monat  sechs Kinder in seine Obhut genommen und öffentlich darüber gesprochen. Einige Menschen unterstellen dem Psychologen nun ein abgekartetes Spiel: Das Ganze sei inszeniert gewesen, Gene Rosen ein engagierter Schauspieler.

Vom Held zum Hassobjekt: Gene Rosen (Bild. CBS)Vor knapp fünf Wochen bot sich dem Psychologen im Ruhestand ein ungewohntes Bild vor seiner Einfahrt. Sechs Kinder saßen dort im Halbkreis, ein Busfahrer redete beschwichtigend auf sie ein. "Wir können nicht in die Schule zurück", erklärte ein kleiner Junge Rosen. "Unsere Lehrerin ist tot." Es war der Morgen des 14. Dezembers. Kurz zuvor hatte der 20-jährige Adam Lanza bei einem Amoklauf 27 Menschen erschossen, darunter 20 Kinder.

Rosen nahm die Kinder mit in sein Haus, gab ihnen zu essen und zu trinken sowie Spielsachen, kümmerte sich um die Kleinen, damit sie den Schrecken kurz vergessen konnten. Später gab er mehreren Fernsehsendern wie "CBS News" oder "Fox News" Interviews. "Ich wollte darüber sprechen, wie tapfer die Kinder waren. Auch mir half das, um das Ganze zu verarbeiten", erzählte er "Salon.com". Stattdessen begann für den Mann ein Spießrutenlauf. "Ich weiß nicht, was ich machen soll", sagte Gene Rosen gegenüber dem Internetmagazin "Salon.com". Seit Tagen wird Gene Rosen mit Anrufen und E-Mails bombardiert, in denen der Rentner mit absurden Vorwürfen konfrontiert wird. "Keine direkten Drohungen, aber Anschuldigungen, dass ich lüge, dass ich ein Schauspieler sei."

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Eine Hassgemeinde hat regelrechte Verschwörungstheorien um Rosen aufgestellt. Dass die Schüsse, die er vorab gehört habe, gelogen gewesen seien, heißt es. Gehässig fragen einige, wie viel er für seine Auftritte bezahlt bekäme. Andere bezeichnen ihn laut "IBM Times" als Pädophilen oder Satanisten. Social Media-Konten wurden in seinem Namen angelegt, seine Telefonnummer und Adresse ins Internet gestellt. Außerdem wird dem Mann, der heute eine Tiersitter-Agentur besitzt, vorgeworfen, dass er sich in Interviews in Widersprüche verstrickt habe.

Er habe sich dazu entschieden, ein weiteres Mal an die Öffentlichkeit zu gehen,  um der Hetzjagd ein Ende zu bereiten. "Ich rede mit Ihnen darüber, weil man das Ganze doch irgendwie moralisch abwehren können muss", erklärt sich Rosen im Interview mit "salon.com". Seine Frau fürchte um seine Sicherheit.  Nachdem ihm ein pensionierte Polizist gesagt habe, dass die Polizei in seinem Fall wahrscheinlich nichts machen könne, überlegt Rosen, sich ans FBI zu wenden.

Der Vorfall habe sein ganzes Leben durcheinandergebracht. Er empfinde Gefühle, die er vorher nicht kannte – zum Beispiel Wut. Allerdings gebe es auch Menschen, die ihm ihre Dankbarkeit aussprechen, ihm aufmunternd auf die Schulter klopfen oder liebe Worte schreiben. "Ich bekomme die schönsten Karten, wundervolle Anrufe", so Rosen. "Hoffen wir, dass sie weiterhin den größten Teil ausmachen."

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