Sanierungsstau: So schlecht steht es um die Kölner Museen

Das „Renovierungsprogramm Museen und Kulturbauten 2017“ soll helfen.

Undichte Fenster, eine Beleuchtungsanlage kurz vor dem Totalausfall, Werkstätten, die nur noch bedingt funktionstüchtig sind, ein Foyer, so zugig wie eine Bahnhofshalle: Kölns Museen befinden sich in einem desolaten Zustand.

Wie dramatisch die Lage ist, zeigt das „Renovierungsprogramm Museen und Kulturbauten 2017“, das die Verwaltung am Dienstag dem Kulturausschuss präsentierte und das dort einstimmig abgenickt wurde. Der Sanierungsstau ist enorm, dabei sind die Probleme seit Jahren bekannt.

Museum für Angewandte Kunst Köln (MAKK)

Das 60 Jahre alte Gebäude ist sichtlich in die Jahre gekommen, vor allem die Außenverglasung zeigt deutliche Anzeichen von Altersschwäche. Bereits 2011, als das Renovierungsprogramm für die Museen erstmals aufgelegt wurde, war von der Sanierung der 267 maroden Fenster die Rede. Doch die Arbeiten kamen über das Planungsstadium nicht hinaus. Zwei Jahre später beschloss der Rat „mit Dringlichkeit“ die Fortführung der Maßnahme. Doch wieder geschah nichts.

Grund war in erster Linie fehlendes Personal. „Wir hatten den festen Willen, allein, uns fehlten die Mitarbeiter, um das zu bearbeiten“, erläuterte Museumsreferent Michael Troost am Dienstag. Mitglieder des Kulturausschusses zeigten sich angesichts dieser Erklärung überrascht und fassungslos. „Wenn die Verwaltung eine solch dringende Maßnahme nicht umsetzen kann, müssen wir zumindest darüber informiert werden“, so Klaus Schäfer von der SPD. Als weiteren Grund für die Verzögerungen führt die Verwaltung im Fall des MAKK zudem Vorgaben des Denkmalschutzes an. So seien die sehr schmalen Fensterprofile, wie sie für die 50er Jahre typisch waren, nicht mehr auf dem Markt erhältlich und hätten eigens entwickelt werden müssen. Mit dem Beginn der Baumaßnahmen rechnet die Stadt jetzt ab dem Sommer. Sie werden drei Jahre dauern und knapp 3,7 Millionen Euro kosten.

Darin nicht enthalten sind die Kosten für weitere notwendige Arbeiten: So sollen sämtliche Räume im Publikumsbereich neu gestrichen werden, außerdem sind die Restaurierungswerkstätten in einem beklagenswerten Zustand.

Museum für Ostasiatische Kunst

Auch der Museumsbau am Aachener Weiher ist eine ewige Baustelle. Seit 2011 war das Haus immer wieder über viele Monate geschlossen, weil Boden, Klimaanlage und Toiletten saniert werden mussten. Die Feier zum hundertjährigen Bestehen der Stiftung im Herbst 2013 fiel deshalb ins Wasser. Nun ist die Beleuchtungsanlage defekt und kann nur noch behelfsmäßig und mit deutlich verminderter Leistung betrieben werden. Laut Renovierungsprogramm droht ein „Totalausfall“, weswegen die Sanierung mit „höchster Dringlichkeit“ noch in diesem Jahr erfolgen muss. Kostenpunkt: 950000 Euro. Die dringend notwendige Sanierung des Flachdachs aus den 70er Jahren, die eigentlich schon 2015 angegangen werden sollte, ist nach Angaben von Museumsreferent Troost vorerst auf Eis gelegt: zu teuer. Schließlich umfasst der gesamte Renovierungsetat pro Jahr nur 1,6 Millionen Euro. „Momentan werden wir nur aktiv, wenn akut undichte Stellen auftreten.“

Museum Ludwig

Bereits in diesem Jahr müssen als dringliche Maßnahme die Brandschutzklappen erneuert werden. Ab kommendem Jahr soll dann für 1,8 Millionen Euro das Foyer umgestaltet werden. Das ist nötig, weil die großen Eingangstüren ständig einen starken Windzug erzeugen, was Luftschleusen künftig verhindern sollen. In dem Zusammenhang soll die Kassen- und Infotheke in die bislang weitgehend ungenutzte Eingangshalle verlegt werden. Das Foyer kann dann als Ausstellungs- und Veranstaltungsbereich genutzt werden.

Kölnisches Stadtmuseum

Die Zukunft des Museums ist weiterhin offen. Ursprünglich war geplant, das Domizil im Zeughaus für 27 Millionen Euro zu sanieren und die Ausstellungsflächen zu verdoppeln. Dann kam der Vorschlag des damaligen Oberbürgermeisters Jürgen Roters für einen Neubau von Kurienhaus und Stadtmuseum am Roncalliplatz. Ein entsprechender Ratsbeschluss für die „Historische Mitte“ existiert aber noch nicht, ebenso wenig wie ein Kosten- und Zeitplan.

Römisch-Germanisches Museum

Das 1974 eröffnete Gebäude ist in einem schlechten Zustand und soll für 40 Millionen Euro saniert werden. Dafür gibt es einen eigenen Haushaltsposten. Unter anderem ist geplant, den Teppich auszutauschen und eine neue Vitrinentechnik anzuschaffen. Andere Bestandteile wie die Kassettendecke müssen dagegen erhalten werden, da das Haus seit 2016 unter Denkmalschutz steht. Ab Juli werden die ersten Exponate das Haus verlassen, ab Januar 2018 bleibt das Museum bis 2021 geschlossen.

Rautenstrauch-Joest-Museum

Die Liste der Baumängel ist lang, die Stadt prozessiert deshalb seit geraumer Zeit gegen die Arbeitsgemeinschaft der Baufirmen. Nach Informationen des „Kölner Stadt-Anzeiger“ hat ein Gutachter nun auch noch erhebliche Probleme mit dem Dach festgestellt. Nahezu alle Flächen müssen demnach grundlegend überarbeitet oder sogar neu gebaut werden. Die Stadt hat von den Firmen bereits die Übernahme der Sanierungskosten verlangt und will eine weitere Klage erheben....Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta

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