Satire: Wenn Markus Söder doch noch Kanzlerkandidat wird…

Jan Rübel
·Reporter
·Lesedauer: 4 Min.
1, 2, 3, los: Was wäre, wenn Markus Sönder doch noch Kanzlerkandidat zu werden versucht? (Bild: REUTERS/Annegret Hilse)
1, 2, 3, los: Was wäre, wenn Markus Sönder doch noch Kanzlerkandidat zu werden versucht? (Bild: REUTERS/Annegret Hilse)

Eigentlich ist es klar: Armin Laschet soll für die Union in den Kanzlerwahlkampf ziehen. Doch was, wenn Markus Söder es doch noch einmal versucht? Eine satirische Zukunftsvision.

Eine Satire von Jan Rübel

Eigentlich ist es eine glückliche Heldenheimkehr ins Land, wo Brezeln blühen und Weißbier quellt. Markus Söder, der von seiner CSU erklärte „Kandidat der Herzen“, gefällt es offiziell am ehesten im Bayernland. Am liebsten redet er von Raumfahrtplänen seiner „Bavaria One“ und allen anderen nach dem Mund, lobt die Würste der jeweiligen Region und sich gleich dazu – sei es die Rostbratwurst in Franken, der Regensburger Wurstsalat oder die südbayerische Milzwurst; damit ist er weit gekommen. So tröstet sich Bayerns Ministerpräsident darüber hinweg, dass jene Parteihinterkammern, in denen er seit Jahren selber sitzt, den schnöden Armin Laschet als Kanzlerkandidat wollen – und nicht ihn, den Sonnenkönig.

Doch dann passiert es. Eines Morgens streicht Söder über sein Tablet und fräst sich durch die 53 Filmchen von Schauspielern, die sich in Satire übers Coronamanagement versuchen. Was die können, denkt er, kann ich auch. Und wenn Schauspieler bundesweite Aufmerksamkeit dadurch erreichen, indem sie dokumentieren, dass man ihnen die zu sprechenden Sätze am besten vorlegt, dann bin ich allemal der bessere Schauspieler. Schließlich hat Söder seine Rolle des Mahners und Charmeurs perfektioniert, da braucht er keinen Souffleur wie die Mimen mit ihrem Lockdown-Mimimi.

Weichspülattacke

Söder ersinnt einen Plan. Er will doch Feuerwehrmann, äh: Kanzler werden. Ihm hilft eine virtuelle Kohorte, die unzähligen neuen CSU-Mitglieder, die sich aus dem traurigen, weil bayernlosen Bundesgebiet online einschreiben. Die trommeln nun für ihn, gründen entgegen den Parteistatuten doch einen eigenen Ortsverband, der sich auf Hallig Hooge trifft. Eine weißblaue Welle trifft auf Deutschland: Söder erhält zur Primetime Fernseheinladungen. Das ZDF schickt ihn als Ehrenkapitän zum „Traumschiff“, die ARD schenkt dem „Kandidat der Herzen“ gar eine eigene Show; von nun an moderiert er „Redner der Herzen“, wo die schönsten Sprüche geklopft werden, meist mit Bezug zu Enzianweiß und Bierblau. Und in den Privatsendern kommentiert er Fußball oder kocht Sauerkraut.

Söder erscheint auch in der Werbung. Er preist Risikoversicherungen gegen den Klimawandel (die „Södercuritas“) und Schokozigaretten. Und in der Politik, welche Söder nur noch im Nebenamt wahrnimmt, prescht er wie gewohnt nach vorn: Während seine Ministerpräsidentenkollegen weiterhin um die richtige Reaktion auf Covid-Mutanten, Impfengpässe und ihre eigenen Eitelkeiten ringen, stellt sich Söder wie immer vor Beginn der Konferenzen als erster vor die Mikros und fordert, was die anderen Länderchefs bereits denken und stellt sich damit als derjenige da, dem die anderen folgen würden; dass er auch nur mit Wasser kocht, nicht anders oder besser „managt“ – geschenkt. Im Sommer 2021 lechzt das Land nach Erlöservibrations, nach Feelgood-Pillen. Söder wird zum Dr. hc Glück der Republik.

Der arme Armin Laschet kann da nicht mitziehen. Er ist zu realistisch, zu bodenständig. Er verspricht auch keinen weißblauen Himmel. Irgendwann wirkt er nur noch als Ritter trauriger Gestalt.

Party muss sein

Die Ehrenbayern auf Hallig Hooge warten nur noch auf das Signal zum Einsatz. Als Laschet einen verzweifelten Versuch unternimmt und eine Pressekonferenz zu seinen Investitionsplänen abhalten will, kommt kein einziger Journalist; Söders Leute haben ihnen falsche Adressen zugesteckt und zu einen Besuch Söders in einer Malzbonbonfabrik gelotst. Zugeklebt vergessen sie Armin. In diesem Moment legen die Insulaner los. Sie erzwingen eine Online-Abstimmung über den Unionskandidaten, stimmberechtigt ist jeder. Es soll ja ein Volksfest werden, in dieser traurigen Zeit, und natürlich gewinnt Söder haushoch.

Offensiv: CSU wirbt um Mitglieder und Söder-Unterstützer außerhalb Bayerns

„Durch Deutschland muss wieder ein Ruck gehen“, fordert er und geht in den Bundestagswahlkampf. Er verspricht eine deutsche Mondmission („Germany One“), lobt die Würste der jeweiligen Region und sich gleich dazu – sei es die Bremer Pinkel, die westfälische Mett oder die Berliner Bock; damit ist er weit gekommen. Reicht es auch fürs Kanzleramt? Mir doch wurscht, ist zum Glück nur Satire. Für alles weitere wenden Sie sich an Jan-Josef Liefers, der weiß Bescheid. Ich gehöre nur zum Chor der "meisten Journalisten", die halb informieren und einen manipuliert fühlen lassen.

VIDEO: "Mit Söder hätten wir die Kanzlerschaft geholt"