Saudi-Arabien versüßt Aramco-Riesen-Börsengang mit weniger Steuern

Im Vorfeld des vermutlich größten Börsengangs aller Zeiten hat Saudi-Arabien die Körperschaftssteuer für den staatlichen Ölriesen Saudi Aramco gekappt. Aramco-Aktien für möglicherweise 100 Milliarden Dollar (92 Milliarden Euro) sollen im kommenden Jahr an die Börse gebracht werden.

The tax cut will boost Aramco’s income by 300%, potentially valuing the company at up to $1.5 trillion https://t.co/M9PRINBJJT via business pic.twitter.com/UkfHp9bUGD— BBG Energy News (BloombergNRG) 28. März 2017

Ein königliches Dekret, rückwirkend zum 1. Januar, setzte einen Steuersatz von 50 Prozent für die Firma fest. Zuvor hatte Aramco 85 Prozent Steuern bezahlt, plus eine 20-Prozent-Tantieme – von ihr ist in dem Dekret nicht die Rede.

Die Aktion könnte die Steuerbelastung von Aramco um gut 9 Milliarden Euro verringern.

#Saudi Arabia aims for budget breakeven #oil price of $40 by 2020 vs $67 in 2017 and near $100 in 2014, says jpmorgan #OPEC #OOTT #Aramco pic.twitter.com/PxVh3jaJsi— Christopher Johnson (chris1reuters) 28. März 2017

Die saudische Regierung zielt darauf ab, bis zu 5 Prozent von Aramco zu verkaufen, um Bargeld für Investitionen in neue Industrien hereinzuholen. Das Königreich versucht, seine Wirtschaft vom Öl weg zu diversifizieren .

Der Rohölpreis ist immer noch fast doppelt so hoch wie sein langfristiger Durchschnitt pic.twitter.com/GCBHeSOgM3— Bond Vigilantes DE (@bondv_deutsch) 12. Juni 2015

ÖL FINANZIERTE DEN WOHLFAHRTSSTAAT – VORBEI

Als Hauptgrund gilt der stark gesunkene Ölpreis. So brachte ein Barrel saudischen Öls Anfang des Jahres 2014 noch mehr als 100 Dollar (circa 93 Euro). Im Januar 2016 sackte der Preis bis auf etwa 29 Dollar (circa 27 Euro) – inzwischen ist die Marke von 50 Dollar (circa 46 Euro) wieder überschritten. Saudi-Arabien ist der größte Ölexporteur der Welt.

Über Jahrzehnte hinweg mussten die rund 30 Millionen Einwohner keinerlei Abgaben an den Staat entrichten. Das Königreich gilt daher als Musterbeispiel für einen Wohlfahrtsstaat, in dem für die Bürger fast alles kostenlos ist: Unter anderem Wasser, Strom, Bildung und medizinische Versorgung.

Die Sozialpolitik der Vollversorgung ist jedoch äußerst kostspielig. Nach Medienberechnungen (“AFP”) hat das Land im vergangenen Jahr circa 90 Milliarden Euro Defizit eingefahren. Für das Jahr 2017 rechnet die Regierung in Riad mit circa 49 Milliarden Euro Minus. Öl lieferte bisher gut 60 Prozent der Staatseinnahmen.

Fachleute erwarten, dass die freiwilligen Steuerausfälle durch die Dividende kompensiert werden könnten. Zur Ausschüttungspolitik gibt es bisher keine Aussagen.

su mit Reuters

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