Was Scaramuccis Fahrstuhlfahrt für die Welt bedeutet

Jan Rübel
Reporter bei Zeitenspiegel Reportagen
Anthony Scaramucci im Fahrstuhl des Trump Tower (Bild: AP Photo/Carolyn Kaster)

Zehn Tage reichten in Donald Trumps Universum, dann war Anthony Scaramucci seinen Job als Kommunikationschef los. Zeit für einen Neustart – mal wieder.

Ein Kommentar von Jan Rübel

Der Vorhang in der Trumpschen Oper zieht auf und fällt im gefühlten Minutentakt. Für uns im Publikum ist noch ungewiss, ob dahinter planvolles Vorgehen steckt, also der Choreograph Donald Trump mit dem häufigen Platzenlassen von Blasen in seiner Seifenoper eine bewusste Serie inszeniert – oder es blanke Not ist, die ihn treibt.

Jedenfalls macht der Regierungsstil des US-Präsidenten atemlos. Gestern noch hochgelobt, dann raus – sein neuer Kommunikationschef Anthony Scaramucci ist seinen Job nach zehn Tagen wieder los. Offiziell wollte man dem neuen Stabschef Kelly ermöglichen, ein neues Team aufzubauen, also mal wieder einen Neuanfang der Ära Trump im Weißen Haus zu ermöglichen.

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Für alle die in den vergangenen Tagen mehr mit dem Zählen der Wellen am Badesee beschäftigt waren, hier also eine kurze Bilanz der vergangenen Minutenakte in der Trump-Oper: Sean Spicer warf seinen Job als Sprecher hin, weil Scaramucci kam. Der ätzte dann so lange gegen Stabschef Reince Priebus, dass der auch gehen musste. Dessen Nachfolger, General Kelly, störte sich offenbar nicht nur an Scaramuccis flottem Mundwerk und seiner vokabulären Nähe zu Trump, sondern auch daran, dass dieser sich ihm als Stabschef nicht unterordnen und direkt mit dem Präsidenten seine Kommunikation gestalten wollte.

Ein Besen, so groß wie das Weiße Haus

Kelly aber, der nicht der erste im Weißen Haus ist, der für Trump aufräumen soll, braucht alle Fäden von Trumps Regieren in seiner Hand. Sonst wird auch er scheitern. Kelly muss zum einzigen Torwächter zu Trumps Büro werden. Bisher gestaltete sich Trumps Kabinett als einzige Chaostruppe, weil es stets verschiedene Kommunikationsstränge nebeneinander zu Trump gab. Kelly fällt nun die Herkulesaufgabe zu, Kanäle zu stopfen, Dämme zu bauen und einen eigenen Graben auszuheben.

John Kelly soll nun das Weiße Haus in Ordnung bringen (AP Photo/Evan Vucci)

Nicht gerade erleichternd ist ihm der Umstand, dass er dadurch eine Machtfülle erhielte, die ihm wiederum gefährlich werden könnte – denn Trump achtet bei seinem Poltikstil auf vieles nicht, wohl aber stets darauf, dass er im absoluten Mittelpunkt steht. Wer in seinem Team zu viel Scheinwerferlicht abkriegt, erhält zuerst den Neid des Präsidenten und wenig später das Kündigungsschreiben.

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Vielleicht aber hat Trump verstanden, dass seine Amtsführung durch Chaos auch dann scheitern kann, wenn man es vorher zum kreativen Prinzip erklärt. Irgendwann wird auch der wohlmeinendste Amerikaner fragen, was ihm dieser Präsident bringt. Bisher hat Trump nicht geliefert. Unterhaltsam mag er sein, für gewisse Kreise, aber bisher hat es keine Soap Opera geschafft endlos zu laufen – und ist erstmal ein Ende für Trump in Sicht, wird es sich schneller und grausamer zeitigen als er sich wünscht. Kelly ist für Trump eine neue Chance. Und Scaramucci wird bald ein Buch auf den Markt bringen – über seine berühmten zehn Tage im Weißen Haus mit dem berühmtesten Trumpel aller Zeiten.

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