"Schön, eine andere Fassade von dir zu sehen": Diese RTL-Datingshow ist pure Comedy

Michael Eichhammer

"Du bist meine zweite Wahl" - Ehrlichkeit ist zwar wichtig in einer Beziehung, aber die Dosis macht das Gift. Flirt-Fails ohne Ende in der zweiten Folge der Dating-Show "Are You the One?" Wären die Singles am Kap der Hoffnungslosigkeit besser aufgehoben?

Sonne, Luxusvilla, Südafrika - alles was man als Kulisse für eine hollywoodreife Romantic Comedy braucht, ist bei "Are You the One" vorhanden. Fehlen nur noch die Darsteller, mit denen sich die Zuschauer gern identifizieren. Daran allerdings hapert es bei der neuen RTL-Datingshow, denn das holprige Balzverhalten der zehn Damen und Herren auf der Suche nach dem "Perfect Match" bietet zwar viel "Comedy", dafür kommt das "Romantic" meist zu kurz. Nach dem Rumpelstart in der ersten Doppelfolge agieren vor allem die Jungs auch bei der Fortsetzung oft wie Elefanten in einem Porzellanladen voller Amor-Skulpturen.

Beispielsweise wenn die Herren der Schöpfung sich als Herren der Wortschöpfung versuchen und kläglich scheitern. Bestes Beispiel: "Ich glaube, du bist einfach gestrickt", erklärt Kevin, der aussieht, wie man sich Leonardo DiCaprios jüngeren Bruder vorstellt. Die angesprochene Katharina lacht verlegen. Die Beleidigung ist ein Übersetzungsfehler zwischen Kevin - Deutsch, denn eigentlich wollte er zum Ausdruck bringen, dass er seine Favoritin als angenehm unkompliziert empfindet.

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Komplizierter als Kathi ist auf alle Fälle Kevins Versuch, seine Empfindungen in Worte zu fassen: "Sie ist perfekt, aber irgendwo auch gar nicht perfekt, und das macht sie perfekt. Und das ist so diese Beschreibung, die ich beschreiben würde." Ob Kathi verstehen würde, was gemeint ist? Sicher ist: Das Gemeinte ist nett gemeint.

"Abtau'n Girl" Laura opfert einen Fingernagel

Ach, Dating - so kompliziert, trotz Schützenhilfe für Amor! Denn zum Konzept des Formats zählt: Wer füreinander bestimmt ist, haben Experten im Vorfeld berechnet. Aber kann man die Liebe überhaupt berechnen? Genau diese Frage soll der Mix aus Sozialexperiment und Dating-Entertainment ja beantworten. Die 200.000 Euro aus dem Jackpot für das gesamte Team gibt es bekanntlich nur, wenn jeder am Ende sein "perfect match" gefunden hat.

Im Männergespräch unter vier Augen philosophiert Aleksandar: "Viele gehen von den eigenen Einstellungen aus, aber denkt der Experte so wie du?" Und noch spannender: Was, wenn man sich blendend versteht, aber kein Match ist? "Dann ist die Frage: Bist du verliebt, dann suchst du die Liebe oder spielst du das Spiel?" Tja, größere Fragen wurden seit "Sein oder Nichtsein?" nicht gestellt. Entsprechend bedankt sich Dominic für das "geile Gespräch". Noch hilfreicher auf der Suche nach dem perfekten Match wären natürlich geile Gespräche mit den Damen.

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Einzeldates allerdings müssen in Challenges erspielt werden. Bei der Challenge "Abtau'n Girl" gilt es, einen Zahlencode aus einem Eisblock freizuschmelzen. Die gemischten Doppel haben unterschiedliche Ansätze. Die einen rubbeln auf dem Block herum, als wollten sie ihn begatten, die anderen schubsen ihre Partner auf der Eisscholle herum wie einen Curlingstein. Hilfsmittel wie Bürsten kommen zum Einsatz, während Laura sich als menschlicher Eiskratzer versucht und einen Fingernagel für die Challenge opfert.

"Die Experten haben ihren Job nicht gemacht"

Drei Paarungen dürfen danach zu Einzeldates. Mo und Michelle verstehen sich eher freundschaftlich. Dominic und Melissa wussten schon davor, dass sie nonstop aneinander kleben wollen. Sabrina und Laurin sind sich ebenfalls einig - dass sie sich auf keinen Fall wollen. Dass Melissa und Dominic vom Team in die Matchbox gewählt werden ist keine Überraschung. Das Ergebnis schon: "No match" steht auf dem Bildschirm. "Die Experten haben ihren Job nicht gemacht, die Anziehung ist so groß von meiner Seite", gibt sich Dominic trotzig.

Tatsächlich wirkt das Zusammenspiel von Dominic und Melissa - dem Expertenrat zum Trotz - durchaus harmonisch. Insbesondere im direkten Vergleich zu den anderen hoffnungsvollen Fällen am Kap der guten Hoffnung. "Du bist meine zweite Wahl" - den Satz hört man ständig. Wer sich davon geschmeichelt fühlt, wäre am Kap der Hoffnungslosigkeit besser aufgehoben. Andere wiederum versuchen eigentlich charmant zu sein, scheitern aber semantisch: "Es war schön, gestern eine ganz andere Fassade von dir zu sehen", schwärmt Ferhat. Gemeint war wohl "Facette", doch Madleine findet seine Taten ohnehin wichtiger als Worte. Zumindest beim Kuscheln unter der Bettdecke.

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Bei der Matching Night allerdings lernt sie eine ganz andere Facette oder Fassade von Ferhat kennen: Er kürt die unnahbare Aline zur Wunschkandidatin. "Er ist ein Heuchler", findet sie. Und die angebetete Aline? Bleibt so geheimnisvoll wie der Meeresgrund am Kap der guten Hoffnung, wo die Dreharbeiten stattfinden. So tiefgründig sinken will Ferhat aber dann doch nicht, sondern lieber zurück zu Madleine. Ob die ihm eine zweite Chance gibt, wird erst die dritte Doppelfolge zeigen.

Am Ende der Matching Night leuchten zwei Strahlen in den Nachthimmel. Zwei "perfect Matches" haben also gerade zueinander gefunden. Es bleibt ein Geheimnis, welche beiden. Fest steht nur: Jan Köppen steht nicht zur Diskussion. Schade eigentlich, denn der Moderator ist ja an sich schon ein adretter Netter, wirkt aber in diesem liebestechnisch durchwachsenen Umfeld noch deutlicher wie der Wunschkandidat für jede Schwiegermama und deren Tochter.

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