Wiener Anschlag: Bisher keine Hinweise auf weitere Täter - Deutsche unter den Opfern

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Das Innenministerium in Österreich hat noch keinen Hinweis auf einen zweiten Täter beim Terroranschlag in Wien. Das gehe aus den bisherigen Ermittlungen und der Auswertungen von vielen der rund 20 000 Videos hervor, die die Bürger der Polizei zur Verfügung gestellt hätten, sagte Innenminister Karl Nehammer am Dienstag in Wien. Am Dienstag wurde bekannt, dass unter den Todesopfern auch eine Deutsche ist.

Schwerbewaffnete Polizisten kontrollieren in der Wiener Innenstadt eine Person.
Schwerbewaffnete Polizisten kontrollieren in der Wiener Innenstadt eine Person. (Bild: dpa)

Bei dem Terroranschlag in Wien ist auch eine Deutsche getötet worden. "Wir haben jetzt die traurige Gewissheit, dass auch eine deutsche Staatsangehörige unter den Opfern des Angriffs in Wien ist", teilte Außenminister Heiko Maas (SPD) am Dienstag in Berlin mit. Er sprach den Angehörigen und Freunden sein Beileid aus.

"Mit den Menschen in Wien und ganz Österreich verbindet uns die Trauer um die Opfer, aber auch die Entschlossenheit, Fanatismus und Terror mit aller Kraft entgegenzutreten", sagte Maas. "Wir müssen den Tätern jetzt klar zeigen: ihr werdet euer Ziel, die Spaltung unserer Gesellschaft, niemals erreichen."

IS reklamiert Anschlag für sich

Bei dem Anschlag in der österreichischen Hauptstadt waren am Montagabend vier Menschen getötet und 22 teils schwer verletzt worden. Der Attentäter, nach Behördenangaben ein 20 Jahre alter Sympathisant der Terrormiliz Islamischer Staat (IS), wurde von der Polizei erschossen.

Mittlerweile hat der IS) hat den Anschlag für sich reklamiert. Ein “Soldat des Kalifats” habe die Attacke mit Schusswaffen und einem Messer verübt und in der österreichischen Hauptstadt rund 30 Menschen getötet oder verletzt, darunter auch Polizisten, teilte der IS am Dienstag auf seiner Plattform Naschir News mit.

Schweizer Polizei nimmt zwei Männer fest

Nach Hausdurchsuchungen im Umfeld des erschossenen 20 Jahre alten Attentäters seien 14 Verdächtige vorläufig festgenommen worden. Dem bereits wegen versuchter Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung inhaftierten Mann sei es gelungen, die Behörden bei seiner vorzeitigen Entlassung über den Misserfolg seiner Deradikalisierung zu täuschen, so Nehammer. Es habe keine Warnhinweise über die Gefahr durch den 20-Jährigen gegeben.

Die Polizei in der Schweiz hat am Dienstagnachmittag zwei Männer festgenommen, die möglicherweise mit dem Attentäter von Wien in Verbindung standen. Der 18- und der 24-Jährige aus Winterthur gerieten laut Kantonspolizei Zürich in den Fokus, als die Polizei mögliche Verbindungen der Taten in Wien in die Schweiz prüfte. Nach Abstimmung mit den österreichischen Behörden nahm eine Spezialeinheit die beiden Männer in Winterthur fest. Inwiefern es eine Verbindung zwischen den Festgenommenen und dem Attentäter gebe, sei Gegenstand der laufenden Abklärungen und Ermittlungen, teilte die Kantonspolizei weiter mit.

Inzwischen hat sich die Zahl der Verletzten nach der Terror-Attacke in Wien erhöht. Es seien insgesamt 22 Menschen teils schwer verletzt worden, teilte Nehammer weiter mit. Bei der nach Behördenangaben islamistisch motivierten Terrorattacke hatte der Schütze am Montagabend mindestens vier Menschen getötet, bevor er selbst erschossen wurde.

Kurz nennt Details zu Todesopfern und warnt vor Spaltung

Österreichs Kanzler Sebastian Kurz hat Details zu den Todesopfern der Terrorattacke bekannt gegeben. Es kamen ein älterer Mann und eine ältere Frau, ein junger Passant und eine Kellnerin ums Leben, wie Kurz am Dienstag in Wien sagte. Ein Polizist, der sich dem Täter entgegengestellt habe, sei niedergeschossen und verletzt worden.

Kurz warnte vor einer Spaltung der Gesellschaft. «Es muss uns stets bewusst sein, dass dies keine Auseinandersetzung zwischen Christen und Muslimen oder zwischen Österreichern und Migranten ist», sagte Kurz in einer Fernsehansprache an die Nation am Dienstag. Es sei vielmehr ein Kampf zwischen den vielen Menschen, die an den Frieden glaubten, und jenen wenigen, die sich den Krieg wünschten. Religion und Herkunft dürften nie Hass begründen.

«Wir werden die Opfer des gestrigen Abends niemals vergessen und gemeinsam unsere Grundwerte verteidigen», sagte Kurz an die Adresse der in Österreich lebenden Menschen.

Österreichs Präsident: Hass fällt nicht auf fruchtbaren Boden

Österreichs Bundespräsident Alexander van der Bellen sieht trotz der Attacke die liberale Demokratie nicht gefährdet. «Der Hass wird in dieser Gesellschaft nicht auf fruchtbaren Boden fallen», sagte das Staatsoberhaupt am Dienstag in einer TV-Ansprache. Der Anschlag habe der freien, toleranten Gesellschaft gegolten. «Hass kann niemals so stark sein wie unsere Gemeinschaft in Freiheit, in Demokratie, in Toleranz und in Liebe.»

Österreich ehrt die Opfer des Terrorakts mit einer dreitägigen Staatstrauer. Das beschloss der Sonder-Ministerrat am Dienstag in Wien. «Unsere Gedanken und unser Mitgefühl sind bei den Opfern, den Verletzten und den Angehörigen in diesen besonders schweren Stunden für die Republik Österreich», sagte Kanzler Sebastian Kurz vor dem Kabinett.

Die Staatstrauer gilt bis einschließlich Donnerstag. Die Ereignisse hätten das Land schwer erschüttert und betroffen gemacht. Es handele sich bei der Attacke um eine «abscheuliche Tat» und «einen Anschlag auf die Freiheit und Demokratie der Republik Österreich», so der Regierungschef.

Reaktionen aus der internationalen Politik

Bundespräsident Steinmeier: «Wir verurteilen diese abscheuliche Gewalt. Wir werden vor ihr und vor dem Hass, der sie treibt, nicht zurückweichen. Deutschland steht im Kampf gegen islamistisch motivierten Extremismus und Terrorismus fest an der Seite Österreichs.»

Kanzlerin Merkel (CDU): «Wir Deutsche stehen in Anteilnahme und Solidarität an der Seite unserer österreichischen Freunde. Der islamistische Terror ist unser gemeinsamer Feind. Der Kampf gegen diese Mörder und ihre Anstifter ist unser gemeinsamer Kampf.» (Regierungssprecher Steffen Seibert via Twitter)

Außenminister Heiko Maas (SPD): «Wir dürfen nicht dem Hass weichen, der unsere Gesellschaften spalten soll.» (Via Twitter)

US-Präsident Trump: «Nach einem weiteren abscheulichen Terrorakt in Europa sind unsere Gebete bei den Menschen in Wien.» Diese bösartigen Angriffe auf Unschuldige müssten aufhören. Die USA stünden an der Seite Österreichs, Frankreichs und ganz Europas im Kampf gegen Terroristen, einschließlich radikal-islamische Terroristen. (Via Twitter)

US-Präsidentschaftskandidat Biden: Er und seine Frau Jill beteten nach dem schrecklichen Terrorangriff in Wien für die Opfer und deren Familien. «Wir müssen alle vereint gegen Hass und Gewalt eintreten.» (Via Twitter)

Großbritanniens Premier Boris Johnson: «Ich bin tief schockiert von den Terrorattacken in Wien. Unsere Gedanken sind bei den Menschen in Österreich - wir stehen zusammen mit euch gegen den Terror.» (Via Twitter)

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron: «Nach Frankreich ist es ein befreundetes Land, das angegriffen wird. Dies ist unser Europa. Unsere Feinde müssen wissen, mit wem sie es zu tun haben. Wir werden nicht nachgeben.» (Via Twitter auf Deutsch)

Russlands Präsident Wladimir Putin: Er verurteilte den Anschlag als ein «brutales und zynisches Verbrechen» und äußerte die Überzeugung, «dass es den Terrorkräften nicht gelingen wird, irgendjemanden einzuschüchtern, Hass und Feindschaft zu säen zwischen Menschen verschiedener Glaubensbekenntnisse». (Telegramm an Österreichs Präsidenten Alexander Van der Bellen und an Kanzler Sebastian Kurz)

Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez: «Der Hass wird unsere Gesellschaften nicht in die Knie zwingen. Europa steht fest gegen den Terrorismus.» (Via Twitter)

Italiens Regierungschef Giuseppe Conte: «In unserem gemeinsamen europäischen Haus darf kein Platz für Hass und Gewalt sein. Verbundenheit zum österreichischen Volk, zu den Angehörigen der Opfer und zu den Verletzten.» (Via Twitter auf Deutsch, Grammatikfehler korrigiert)

Israels Präsident Reuven Rivlin: «Unsere Gedanken und Gebete sind mit den Österreichern, während wir die verabscheuungswürdige Terrorattacke aus der vergangenen Nacht in Wien mit Sorge verfolgen.» (Via Twitter)

Video: Augenzeuge - So erlebte ein Kellner den Anschlag