Schachverband will Frauen mit Brust-OP-Sponsor werben

·Freier Autor
·Lesedauer: 3 Min.

In der Schachwelt geht es immer noch ziemlich männlich dominiert zu. Das will der internationale Verband nun ändern und hat dafür einen kuriosen Sponsorenvertrag abgeschlossen.

Ein Frau spielt Schach und schlägt den weißen König mit ihrer Dame.
Der Schachverband erhofft, mit dem neuen Sponsor Aufmerksamkeit zu bekommen. (Symbolbild: Getty)

FIDE steht für "Fédération Internationale des Échecs" und ist der Name des internationalen Schachverbandes. Bei den Verantwortlichen in Lausanne hat man sich nun eine neue Strategie ersonnen, wie man mehr Frauen für das Brettspiel gewinnen könnte. Doch so ganz gut scheint die Idee nicht bei allen anzukommen. In der vergangenen Woche verkündete FIDE nämlich über die Sozialen Medien, man werde künftig mit "Motiva" zusammenarbeiten. Man sei "sehr erfreut darüber, eine wegweisende Übereinkunft mit Establishment Labs" geschlossen zu haben, hieß es auf Twitter. Das Unternehmen widme sich der Verbesserung weiblicher Gesundheit. Was FIDE nicht dazu schrieb ist, dass es sich um eine Firma handelt, die hauptsächlich für ihre Schönheits-Chirurgischen Angebote wie Brustvergrößerungen bekannt ist. 

"Frauenverachtend"

Kein Wunder, dass sich die Begeisterung bei den Frauen, die man ja eigentlich gerade für das Schachspiel werben wollte, eher in Grenzen hielt. Schnell machte der neue Sponsorenvertrag die Runde und wurde von Profispielerinnen als "frauenverachtend" und "abartig" betitelt, wie der britische Guardian berichtete. Der bekannten Schach-Website Lichess sagte eine Spielerin, die anonym bleiben wollte: "Sollte sich Schach - ein Spiel bei dem es um das Gehirn und nicht um Brüste geht - nicht von solchem beschränkten und misogynen Denken lösen?" Eine andere Spielerin vermutete, dass der Verband wohl kaum auf die Idee gekommen wäre, ein Männer-Turnier von einem Penis-Vergrößerungs Anbieter sponsern zu lassen. Die US-Amerikanische Schachmeisterin Sabina Foisor sagte in einem Interview der New York Times: "Ich kann verstehen, dass viele sagen dieses Sponsoring ist ein Ergebnis eines männlichen Blickes." Andererseits, so Foisor, rege sich bei den vielen Alkohol-Marken als Sportsponsoren auch kaum jemand auf.

Kein echter Boom durch "Das Damengambit"

Dabei hatte der Verband das Jahr 2022 zum "Jahr der Frauen im Schach" ausgerufen. Momentan gibt es nur 39 Großmeisterinnen im Schach-Sport. Die Netflix-Serie "Das Damengambit" (Originaltitel: "The Queen's Gambit") hatte im Jahr 2020 für viel Aufmerksamkeit gesorgt. Darin spielt sich eine fiktive Schachspielerin, gespielt von Anya Taylor-Joy bis an die Weltspitze des Sports, die Serie wurde ein Welterfolg. Doch ein großer Run von weiblichen Nachwuchsspielerinnen blieb aus. Deshalb unterstützen einige prominente Spielerinnen den neuen Ansatz des Verbandes durchaus. Die norwegische Meisterin Sheila Barth Standford sagte, man habe dringend einen Sponsor gebraucht. "Wir spielen für weniger Geld als die Männer, was es schwierig für uns macht, voll auf Schach zu setzen," sagte sie im Guardian. Sie hoffe nun, dass der Deal es Frauen einfacher mache, professionell zu spielen.

Oliver Masucci in "Schachnovelle": Mit Schach in den Wahnsinn

Gegenüber dem Guardian verteidigte der Schachverband den Sponsoren-Deal. In den zuständigen Gremien seien deutlich mehr Frauen vertreten gewesen, als prozentual im Schach, die keine Einwände gehabt hätten. Zudem sei es der größte Einzelsponsorenvertrag, den der Verband je abgeschlossen habe. "FIDE unterstützt keine Schönheits-OPs aber wenn eine erwachsene Person diese Entscheidung trifft, empfiehlt unser Verband Motiva." Das Unternehmen habe bewiesen, dass es sich sehr stark für Frauen engagiere.

VIDEO: "Sexistisch und diffamierend": Georgische Schachlegende verklagt Netflix auf 5 Mio. Dollar

Wir möchten einen sicheren und ansprechenden Ort für Nutzer schaffen, an dem sie sich über ihre Interessen und Hobbys austauschen können. Zur Verbesserung der Community-Erfahrung deaktivieren wir vorübergehend das Kommentieren von Artikeln.