Schauspielerin, die in „Die Unendliche Geschichte“ die Kindliche Kaiserin spielte, erinnert sich an verstörende Folgen ihres Filmerfolges

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Tami Stronach spielte einst die Kindliche Kaiserin die in „Die Unendliche Geschichte“. Jetzt sprach sie darüber, dass es alles andere als toll sei, ein Kinderstar zu sein.

Tami Stronach hatte sehr viel Spaß bei den Dreharbeiten zu Die Unendliche Geschichte. Sie reiste im Alter von zehn Jahren in den Sommerferien mit ihrer Mutter nach Deutschland. Aber der Film brachte auch ungewollte Aufmerksamkeit von erwachsenen Männern mit sich. (Foto: Christian Marquardt/Getty Images)
Tami Stronach hatte sehr viel Spaß bei den Dreharbeiten zu Die Unendliche Geschichte. Sie reiste im Alter von zehn Jahren in den Sommerferien mit ihrer Mutter nach Deutschland. Aber der Film brachte auch ungewollte Aufmerksamkeit von erwachsenen Männern mit sich. (Foto: Christian Marquardt/Getty Images)

Stronach landete ihre Rolle in dem Fantasy-Kassenschlager von 1984 durch Zufall, als sie zehn Jahre alt war, wie sie Vice erzählte. Sie nahm Schauspielunterricht an einer Schauspielschule in San Francisco.Ein Casting-Agent für den Film besuchte ihren Lehrer und wurde dabei auf Stronach aufmerksam. Aber als der Film, der auf Michael Endes gleichnamigen Buch basiert, in die Kinos kam, war Stronach zwölf Jahre alt und war ins normale Leben und in die Schule zurückgekehrt. Was sie dann erlebte, waren sehr verstörende Nachwirkungen, denn Männer zelteten vor ihrem Haus und sie bekam eine Flut von Angeboten – von Heiratsanträgen bis zu Filmrollen, für die sie sich nackt vor der Kamera zeigen sollte. Seitdem hat sie sich jahrzehntelang aus Hollywood ferngehalten.

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Stronach, die die ersten Jahre ihres Lebens im Iran verbracht hat, setzte sich für die Rolle der Kindlichen Kaiserin, die Herrscherin des fiktionalen Reichs Phantásien, gegen „Poltergeist“-Darstellerin Heather O’Rourke durch. Obwohl sie in der Rolle nur wenige Minuten lang auf der Leinwand zu sehen war, wurde ihre Figur als „unbeschreiblich schönes junges Mädchen“ beschrieben und erwachsenen Männern gelang es, ihre Adresse herauszufinden (bevor es das Internet gab). Diese campierten dann nach Erscheinen des Films vor dem Haus ihrer Familie in Nordkalifornien in der Hoffnung, einen Blick auf sie erhaschen zu können.

Tami Stronach spielte in „Die Unendliche Geschichte“, die in Deutschland gedreht die Kindliche Kaiserin. 1984 kam der Film in die Kinos, da war sie zwölf Jahre alt. (Foto: kpa/United Archives über Getty Images)
Tami Stronach spielte in „Die Unendliche Geschichte“, die in Deutschland gedreht wurde, die Kindliche Kaiserin. 1984 kam der Film in die Kinos, da war sie zwölf Jahre alt. (Foto: kpa/United Archives über Getty Images)

Dann kamen die Heiratsanträge wie zum Beispiel von einem Mann aus Deutschland, der ihr einen teuren Verlobungsring schickte. Dazu kamen unangemessene Angebote von Produzenten, von denen einige sogar vor ihrer Haustür standen: „Sie kamen zu uns nach Hause und wollten es uns verkaufen und ich sagte, ich werde nicht nackt vor der Kamera stehen“, erinnert sich Stronach. „Ich bin nicht Lolita.“

"Ich fühlte mich so schuldig"

Was den Ring anging: „Ich fand jemanden, der nach Deutschland reiste und ihn zurückschicken konnte, denn ich wollte kein Geld von dieser Person annehmen. Ich fühlte mich so schuldig“, sagte sie. „Ich habe mir das alles wirklich sehr zu Herzen genommen. Ich frage mich, ob es einen Weg gegeben hätte, nicht so auszuflippen.“ Sie erinnerte sich daran, als sie Stranger Things-Star Millie Bobby Brown bei einer Fan-Convention interviewte und jemand die Bühne stürmte, um Brown –mittlerweile 17 – einen Verlobungsring zu geben. „Sie war sehr viel cooler als ich mit zehn. Sie sagte einfach ‚Okay, danke‘. Und das war’s“, erzählte Stronach.

In Anbetracht der Geschehnisse entschieden Stronachs Eltern – diese sind beide Archäologen und haben mit Hollywood nicht viel zu tun – dass sie ihrer zwölfjährigen Tochter nicht dabei helfen konnten, mit dem Ruhm als Kinderstar zurechtzukommen. Deshalb verfolgte diese ihre Schauspielkarriere nicht weiter und lehnte ab, in einer möglichen Fortsetzung der „Unendlichen Geschichte“ mitzuspielen.

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„Das Fazit ist, dass meine Eltern einfach nicht dafür gemacht waren, Manager zu sein“, sagte sie. „Wir haben das nicht wegen des Geldes und ganz bestimmt nicht wegen des Ruhmes getan. Ich glaube, wenn wir nach Los Angeles gezogen wären und sie sich dazu entschlossen hätten, mich bei der Suche nach Rollen zu unterstützen, hätten wir welche finden können. Aber das war einfach kein Schritt, den wir als Familie machen konnten.“

Sie kehrte Hollywood den Rücken

Sie bereut nicht, dem Hollywood-Ruhm den Rücken gekehrt zu haben, denn „Ich wollte nicht unbedingt ein Star sein“, sagte sie. „Ich wollte unbedingt schauspielern. Das sind zwei verschiedene Dinge.“

Stronach sagte, sie habe mit ihrer Rolle in „Die Unendliche Geschichte“ abgeschlossen – „Ich habe nicht wirklich darüber gesprochen und es ist einfach so im Sande verlaufen“ – und sich stattdessen darauf konzentriert, ein normaler Teenager zu sein. Als sie nach der Highschool nach New York zog, um professionelle Tänzerin zu werden (sie lebt immer noch in New York), erwähnte sie in ihrem „Lebenslauf nicht ‚Die Unendliche Geschichte‘. Ich war halt Tänzerin, ich hielt es nicht für wichtig.“

Tami Stronach und ihre Tochter Maya Steinbruner bei der Premiere der Kindershow „Spiel mit der Zeit“ im Berliner Friedrichstadtpalast am 19. November 2017. (Foto: Tristar Media/WireImage)
Tami Stronach und ihre Tochter Maya Steinbruner bei der Premiere der Kindershow „Spiel mit der Zeit“ im Berliner Friedrichstadtpalast am 19. November 2017. (Foto: Tristar Media/WireImage)

Stronach verbrachte zwei Jahrzehnte als Tänzerin und als Theaterschauspielerin in New York. Sie hat ihr eigenes Tanzstudio, ist Professorin für Tanz am Marymount Manhattan College und unterrichtet Yoga. Mit ihrem Ehemann Greg Steinbruner, mit dem sie eine gemeinsame Tochter hat, ist sie jetzt neben anderen hochkarätigen Stars in einem von den 80er Jahren inspirierten Fantasy-Film namens Man & Witch zu sehen.

Ihre Tochter Maya (10) hat auch eine Rolle in dem Film und Stronach sagt, sie sei „überglücklich“, wenn sie sich dafür entscheide, weiter zu schauspielern.

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„Sie haben mich gefragt, ob ich als Kind ein Star sein wollte. Ich bin so ein komplizierter Fall, denn ich liebe die Arbeit wirklich, aber die Lebensweise liebe ich überhaupt nicht“, sagte sie. „Ich musste diesen alternativen Weg einschlagen und bin wirklich glücklich.“

Dreharbeiten damals wie "Sommercamp"

Sie erinnert sich immer noch gern an die Dreharbeiten für Die Unendliche Geschichte und bezeichnet die drei Monate, die sie in Bayern gedreht hat, als „Sommercamp“ – mit ihrer Mutter als Begleitung.

Tami Stronach und Noah Hathaway bei der Comic Con Liverpool 2020. (Foto: Shirlaine Forrest/WireImage)
Tami Stronach und Noah Hathaway bei der Comic Con Liverpool 2020. (Foto: Shirlaine Forrest/WireImage)

„Ich habe keine Bühneneltern die gesagt haben ‚Super, wir legen unsere Karrieren auf Eis und scheuchen sie herum‘“, sagte sie. „Sie hatten wirklich erfüllte, spannende Leben und sagten ‚Klar können wir das für einen Sommer lang machen, aber dann gehst du wieder in die Schule.‘“

Wolfgang Petersen: Der Einzigartige

Stronach erinnert sich, dass sie nicht viel Zeit hatte, die sie mit den anderen Kinderschauspielern Noah Hathaway (Atréju) und Barret Oliver (Bastian) verbringen konnte, obwohl alle im selben Hotel wohnten. Sie erzählte, dass Oliver lieber mit seinen Soldaten spielte, als mit den anderen Kindern. Während der Dreharbeiten verlor sie ein paar ihrer Zähne und erinnert sich, wie Wolfgang Petersen und sein Team für sie falsche Zähne bastelten, die sie vor der Kamera trug. Sie erzählte auch, dass ihre Tränen echt waren, denn sie war sehr emotional wegen der Dinge, mit denen ihre Figur konfrontiert war.

Sie erinnert sich auch daran, dass sie den Film während der Produktion in Deutschland bewarben. Als sie in einer deutschen Talkshow zu Gast war und hier spontan ein Lied sang, bot man ihr direkt einen Plattenvertrag an. 

Ihre Mutter war einverstanden, solange es ihren für in drei Tagen geplanten Rückflug nach Kalifornien nicht im Wege stehen würde. So wurden über Nacht die Songs geschrieben und sie nahm sie am nächsten Tag auf – und sie drehte sogar ein Musikvideo.

„Wir haben es so schnell fertiggestellt“, erinnert sie sich. „Es war verrückt. Und das war’s dann auch. Wir haben unseren Flug nicht umgebucht.“

Suzy Byrne

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