Schavan: Technik kann die Pflege Älterer menschlicher machen

Wissenschaftsjahr 2013 widmet sich dem demographischen Wandel

Der Einsatz moderner Technik wird nach Ansicht von Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) die Pflege älterer und gebrechlicher Menschen künftig deutlich erleichtern. Um in einer alternden Gesellschaft pflegende Angehörige und professionelle Pflegekräfte zu entlasten, seien neue Wege notwendig, sagte Schavan im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AFP. Technikeinsatz werde die Pflege "oftmals sogar menschlicher machen, da zahlreiche Routine- und Dokumentationstätigkeiten automatisch erfolgen und mehr Zeit für die persönliche Betreuung bleibt".

Das von Schavans Ministerium jährlich ausgerichtete Wissenschaftsjahr beschäftigt sich 2013 mit der "demografischen Chance". Im Mittelpunkt der Veranstaltungen und Diskussionen mit Wissenschaftlern und Bürgern stehe dabei die Frage, "wie wir die Rahmenbedingungen schaffen, unseren heutigen Wohlstand auch bei einer älter werdenden Bevölkerung und sinkenden Einwohnerzahl zu erhalten", sagte Schavan zu AFP. "Wir sind diesem Wandel nicht ausgeliefert, sondern können ihn gestalten und die damit verbundenen Chancen auch nutzen."

Die Gesundheitsforschung werde weiter dazu beitragen, "dass Menschen länger gesund leben, länger aktiv sind und länger selbständig am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können", sagte Schavan. Viele Arbeitgeber hätten schon erkannt, wie wichtig ältere Mitarbeiter für den Unternehmenserfolg seien, sagte Schavan mit Blick auf Statistiken, nach denen die Zahl der Erwerbstätigen unter den 60- bis 64-Jährigen bis 2010 auf 41 Prozent gestiegen sei.

Von technischen Fortschritten zur Gestaltung des Alters sollen nach Ansicht der Forschungsministerin auch sozial Schwache profitieren können. "Es darf nicht angehen, dass Menschen aufgrund ihrer niedrigen Renten keinen Zugang zu Innovationen in der Pflege haben", sagte Schavan. In manchen Forschungsprojekten werde deshalb über "hybride" Finanzierungsmodelle nachgedacht, bei denen sich alle Beteiligten - wie Versicherungen, Betroffene, Pflegedienstleister und Vermieter - die Kosten teilten.

Das Gesundheitsministerium prüfe zudem, ob neuartige technische Assistenzsysteme in den Pflegehilfsmittelkatalog aufgenommen werden könnten, sagte Schavan. "Wir müssen alles daran setzen, dass auch in Zukunft eine bezahlbare und leistungsfähige Gesundheits- und Pflegeversorgung besteht."

Der demographische Wandel beschäftigt ganz unterschiedliche Forschungszweige, die im Wissenschaftsjahr 2013 ihre Projekte vorstellen: Forscher des Max-Planck-Instituts für demographische Forschung in Rostock etwa sammeln in einer Datenbank zur Langlebigkeit Informationen über Menschen, die sehr alt werden. Ingenieure entwickeln Stützjacken, die Pflegekräften das Heben leichter machen, oder "intelligente Teppiche", die im Fall eines Sturzes Alarm schlagen. Sportmediziner untersuchen, wie spezielles Muskeltraining für Ältere binnen weniger Wochen die Sturzgefahr verringern helfen kann.

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