Schlechte Noten: Aldi, Lidl, Rewe und Co. tun "zu wenig" für nachhaltigen Sojaanbau

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Die deutschen Supermärkte und Discounter kommen ihrer Sorgfaltspflicht nicht nach, wenn es um den umweltfreundlichen Anbau von Soja angeht. Zu diesem Ergebnis kommt die Deutsche Umwelthilfe nach einem Markt-Check.

Shopping carts with logos of German supermarket chain Rewe are pictured at a shopping centre in Hanau, Germany, March 17, 2016 Rewe said it would file a complaint to the higher regional court in Duesseldorf after Economy Minister Sigmar Gabriel on Thursday approved a merger of rivals Edeka and Kaiser's. REUTERS/Kai Pfaffenbach  TPX IMAGES OF THE DAY
Für Rewe und Co. gibt es schlechte Noten, was den Sojaanbau betrifft (Bild: REUTERS/Kai Pfaffenbach)

Schlechte Zeugnisse hat die Deutsche Umwelthilfe (DUH) den hiesigen Supermärkten und Discountern vergeben. Die Verbraucherschutzorganisation bemängelt, dass Rewe, Aldi, Lidl und Co. "zu wenig" gegen die "schmutzige" Sojafuttermittel-Lieferkette tun. Die Tierprodukte in ihren Regalen werden aus Nutztieren hergestellt, von denen ein großer Teil mit Sojafutter aus umweltzerstörendem Anbau ernährt wurde.

Die Lebensmittelhändler stehen hinsichtlich der Fütterung von Tieren mit Soja nicht nur am Ende einer Lieferkette, sie sind auch Teil einer Problemkette. An die Pflanze kommen die Akteure in der industriellen Massentierhaltung kaum vorbei. Bis zur 30 Prozent der Futtermittel macht laut DUH die eiweißhaltige Sojabohne je nach Tierart heute aus. Nur ein kleiner Teil wird nachhaltig produziert. Die Regel sei vielmehr, so der Verbraucherschutz, dass der Anbau der eiweißreichen Pflanze mit massiver Umweltzerstörung einhergehe.

Denn durch Brandrodungen zugunsten von Weideflächen und Ackerland werden ganze Ökosysteme vernichtet. Auch auf Kosten der biologischen Vielfalt geht der monokulturelle Sojaanbau, während immer mehr Menschen Opfer von Landraub werden. Betroffen sind vor allem Regionen in Südamerika, von dort wird ein Großteil der Sojabohne in alle Welt exportiert. Dabei sei die Savanne Cerrado in Südost-Brasilien ein "Hotspot des immer weiter expandierenden Sojaanbaus und der damit verbundenen Entwaldung", so die DUH.

Deutsche Supermärkte tun zu wenig

Gegen diese Probleme könnten auch die deutschen Lebensmittelhändler etwas unternehmen. Doch sie kommen ihren "unternehmerischen Sorgfaltspflichten" nicht hinreichend nach, wie die DUH in ihrem Markt-Check herausgefunden hat. "Die untersuchten Märkte tun zu wenig, um Entwaldung in ihren Lieferketten auszuschließen und eine nachhaltigere Fütterung zu fördern", so die Verbraucherschutzorganisation. Nur 22 Prozent des in Deutschland verwendeten Sojafutters sei "nachweislich entwaldungsfrei", deshalb könnten die Eier, Fleisch- und Milchprodukte aus deutschen Supermarktregalen "durchaus zu Waldzerstörung und Landraub beigetragen haben."

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Soybean plantation at sunny day
Soja so weit das Auge reicht. (Symbolbild: Getty Images)

Für unzureichende Leistungen gibt es entsprechende Noten. Keines der Unternehmen ist von der DUH mit "gut" oder "sehr gut" bewertet worden. Am besten schnitt noch der Discounter Lidl mit der Gesamtnote "3" ab. Edeka landet mit "4+" auf dem zweiten Platz. Mit einer "4" müssen sich Netto und Rewe begnügen. Metro und Aldi Süd kommen nicht über eine "4–" hinaus, während Aldi Nord mit "mangelhaft" (5+) bewertet wurde. Schlusslicht ist Kaufland mit der Note "5–".

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Der Versäumnisse gibt es viele und sie sind händlerübergreifend. Bei fast allen Unternehmen sei "nur ein geringer Teil" der tierischen Produkte "frei von Entwaldung", so der Verbraucherschutz. Besonders gravierend sind die Defizite hinsichtlich der Rückverfolgbarkeit der Soja, kein einziges Unternehmen könne die Pflanze lückenlos bis zur Anbauregion zurückverfolgen. Aber auch hinsichtlich der "Qualität der gesetzten Standards" sowie der Transparenz gegenüber Konsumentinnen und Konsumenten schnitten die Händler "besonders schlecht" ab.

Forderungen und Ratschläge

Doch nicht nur die Supermärkte stehen in der Kritik, einen Fingerzeig gibt die DUH auch der europäischen und der deutschen Politik. Die hätten es bis heute versäumt, eine "verbindliche Regelung" zu vereinbaren, "die Entwaldung und illegale Landnahme in den Lieferketten von Unternehmen wirkungsvoll ausschließt und sanktioniert". Dadurch könne sogar Soja aus illegal gerodeten Tropenwaldgebieten" "ungehindert" in die EU und nach Deutschland gelangen.

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Die DUH sieht Wirtschaft, Politik aber auch die Verbraucher in der Verantwortung, die Missstände zu beseitigen. Vom Lebensmittel-Einzelhandel fordert die Organisation eine Lieferkettenpolitik, "die Entwaldung, Umwandlung von natürlichen Ökosystemen sowie Menschenrechtsverletzungen [...] ausschließt". Dafür müsse die Politik "klare gesetzliche Rahmenbedingungen" schaffen, "die verbindliche Sorgfaltspflichten für alle Unternehmen auf dem EU-Markt vorschreiben". In Deutschland müsste das Lieferkettengesetz um die Aspekte Biodiversität und Klimaschutz ergänzt werden.

Auch die Verbraucher sind am Zug, sie müssten zur Lösung der Probleme mit einer bewussten und nachhaltigen Ernährung beitragen. Entsprechend lautet der Rat der DUH: "Versuchen Sie Ihren Konsum von Fleisch, Eiern und Milchprodukten zu reduzieren. Konsumieren Sie stattdessen mehr pflanzliche Lebensmittel und qualitativ bessere Fleisch- und Milchprodukte aus nachhaltiger und regionaler Landwirtschaft."

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