Schlusslicht in Europa - „Niedrige Hauseigentumsquote ist ein soziales Problem, das die Ampel nicht löst“

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IMAGO/Sven Simon

Wie haben sich die Kaufpreise für die einzelnen Energieklassen im Zeitverlauf entwickelt? Was bedeutet dies für Kaufinteressenten? Im regelmäßigen Interhyp-Zinsupdate geben Brancheninsider Tipps rund um Finanzierung, Zinsentwicklung und Immobilienmarkt.

Stabiles Zinsniveau seit Jahresanfang, nachhaltige Erholung am Immobilienmarkt

„Wie Zinslage und Immobilienpreisentwicklung zusammenhängen, zeigt der aktuelle Immobilienmarkt. Aktuell liegen die Bauzinsen für 10-jährige Darlehen bei 3,67 Prozent. Damit liegen wir deutlich unter dem Niveau von 2023, als sich die Bauzinsen in der Spitze bei mehr als 4,2 Prozent befunden haben. Der Zinsabschwung, den wir zum Ende von 2023 hin gesehen haben, führt zu einer besseren Leistbarkeit von Immobilien und deshalb hat die Nachfrage nach Wohnungen und Häusern seit Jahresbeginn wieder deutlich angezogen. Der Immobilienmarkt erholt sich gerade – wenn auch in kleinen Schritten“, sagt Mirjam Mohr, Vertriebsvorständin bei Interhyp Gruppe.

Preiskorrekturen sind vorbei

„Die Preiskorrekturen am Immobilienmarkt sind überwiegend vorbei. Das Preiskarussell dreht sich wieder schneller. Wie die Daten unseres Interhyp-Immobilienindex zeigen, sind die Preise für Wohnimmobilien in Gesamtdeutschland von Januar 2024 bis Ende Mai 2024 um 2 % gestiegen. Bei den Metropolen bleiben die Preise nur in Hamburg nahezu unverändert. In München (+1,9 %), Stuttgart (+2,3 %), Frankfurt (+3,3 %), Berlin (+2,2 %) geht es aufwärts“, so Mohr weiter.

„Außerdem sind die langfristigen Treiber für die Nachfrage nach Immobilien weiterhin intakt: Das eigene Zuhause gehört laut Umfragen unverändert zu den Top-3-Wünschen den Deutschen neben Gesundheit und Sicherheit im Alter. Die temporäre Unsicherheit im Kaufmarkt für Immobilien im letzten Jahr hat die Mieten stark ansteigen lassen, dadurch wird Kaufen im Vergleich wieder deutlich attraktiver. Die Hauseigentumsquote liegt in Deutschland unter 50 Prozent – damit sind wir Schlusslicht in Europa. Ein riesiges soziales Problem, das unsere Regierung nicht in den Griff bekommt. Und die Sanierung von rund drei Viertel unseres Gebäudebestands in Deutschland bis 2025 bringt neue Chancen (und Herausforderungen) mit sich“, betont Mirjam Mohr.

Bestandsimmobilien mit geringer Energieeffizienz bieten Chancen

Besonders günstige Einstiegschancen bieten derzeit Objekte mit niedriger Energieeffizienz. Im Vergleich zu Anfang 2022 sind die Preise für Objekte der Energieklassen B bis F um durchschnittlich 17 Prozent gesunken. Noch deutlicher fällt der Preisrückgang bei unsanierten Objekten der Klassen G und H aus - hier beträgt die Differenz sogar 22 Prozent. Energieeffiziente Immobilien der Klassen A+ und A zeigen sich dagegen weitgehend preisstabil. Ihre Werte liegen nur rund 5 Prozent unter dem Niveau von Anfang 2022.

Der Abwärtstrend bei den Hauspreisen setzte ein, als Anfang 2022 die Energiekosten und die Bauzinsen in die Höhe schnellten. Bemerkenswert ist jedoch, dass sich die Preise für Häuser der Energieklassen A+ und A bereits Anfang 2023 stabilisiert haben.

Die Interhyp-Daten zeigen aber auch, dass die Preise für Immobilien mit niedrigeren Energieeffizienzklassen in den letzten Monaten wieder angezogen haben. Diese Entwicklung entspricht dem allgemeinen Trend steigender Immobilienpreise, der sich auch im Interhyp-Immobilienindex widerspiegelt.

Diese Zahlen unterstreichen die wachsende Bedeutung der Energieeffizienz auf dem Immobilienmarkt und eröffnen gleichzeitig Potenziale für Käufer und Sanierer. Sie verdeutlichen auch die Dynamik des Marktes, der auf wirtschaftliche und energiepolitische Veränderungen reagiert.

Interhyp-Vertriebsvorständin Mirjam Mohr rät:

„In unseren Beratungsgesprächen stellen wir fest, dass viele Menschen sehr unsicher sind, was den Kauf einer älteren Immobilie angeht. Wir raten: keine Angst vor Bestandsimmobilien! Wer sich sorgfältig mit energetischer Sanierung auseinandersetzt und vor dem Kauf mit Unterstützung von erfahrenen Energieberatern prüft, welche Maßnahmen Sinn ergeben und mit welchem finanziellen Aufwand sie verbunden sind, kann eine ältere Immobilie zu einem attraktiven Preis erwerben. Mit einer guten Vorbereitung lassen sich Immobilien mit guten Potenzialen identifizieren. Da aber auch hier die Preise bereits wieder steigen, lohnt es sich, das Kaufvorhaben nicht zu lange aufzuschieben.“

Wie geht es mit den Bauzinsen weiter?

Die Experten des Interhyp-Zinspanels verorten die Bauzinsen für zehnjährige Darlehen in den nächsten vier Wochen auf einem stabilen Niveau in einem Korridor zwischen 3,5 und 4 Prozent. Mittel- bis langfristig (Zeitraum ein halbes bis ein Jahr) sehen 50 Prozent der Befragten die Bauzinsen in diesem Korridor stabil, die anderen 50 Prozent prognostizieren sinkende Zinsen.

Was ist von der EZB im zweiten Halbjahr zu erwarten?

 Dazu Carsten Brzeski, Chefvolkswirt für Deutschland und Österreich der ING:

„Die EZB zeigt sich zunehmend zögerlich mit weiteren Zinssenkungen. Zu groß ist der Lohn- und Inflationsdruck. Sollte die EZB wirklich maximal nur noch ein bis zwei Mal dieses Jahr den Leitzins senken, wird an den Kapitalmarktzinsen wenig passieren. Das Risiko ist groß, dass es eher weniger als mehr Zinssenkungen werden und damit auch das Risiko, dass die Kapitalmarktzinsen sogar noch einmal leicht steigen.“