Schnellladestationen mit Schwungrad-Technik entlasten das Stromnetz

feedback@motor1.com (Stefan Leichsenring)
Ladesäule mit Schwungrad-Technik

Interessante Ladesäulen von Skoda, Chakratec und Pre

Was es nicht alles gibt: Haben Sie schon mal von Schnellladestationen mit Schwungrad-Technologie gehört? Wenn ja, dann haben Sie uns was voraus. In Prag hat Skoda nun eine solche Ladestation für Elektroautos probeweise in Betrieb genommen. Der so genannte Kinetic Power Booster wurde vom israelischen Startup Chakratec entwickelt. Die darauf basierende Ladesäule auf dem Messegelände Prag-Letňany wird vom tschechischen Energieversorger PRE betrieben. Es handelt sich um die dritte Ladesäule dieser Art weltweit. 

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Die Ladesäule stellt doppelt so viel elektrische Leistung bereit wie das Stromnetz alleine. So können Elektrofahrzeuge auch dort per Schnellladung aufgeladen werden, wo das Stromnetz dafür zu schwach ist. Damit soll sich die Ladesäule beispielsweise für Autohäuser oder Einkaufszentren eignen.

Die Ladestation holt sich Strom aus dem Netz und beschleunigt damit ihre zehn Schwungräder. Diese rotieren in dem grünen Container in einem Vakuum. Die Drehzahl steigt und die elektrische Energie wird in Form von kinetischer Energie gespeichert. Wird dann ein Elektroauto angeschlossen, gibt der Kinetic Power Booster den Strom wieder ab, die Drehzahl der Schwungräder sinkt.

Ladesäule mit Schwungrad-Technik

Der Energiespeicher reicht aus, um einen Skoda Citygo iV und ein anderes Elektroauto (im Bild ist es offenbar ein Plug-in-Octavia) gleichzeitig zu laden. Nach dem Ladevorgang benötigen die Schwungmassen Zeit, um wieder auf Drehzahl zu kommen. Bei der 100-kW-Säule in Prag dauert dieser Vorgang etwa 45 Minuten.

Das Chakratec-System sorgt für geringere Spitzen im Stromnetz: Bei Stromüberangebot holt sich das System Energie aus dem Netz. Außerdem werden die hohen Ladeleistungen von Elektroautos  bewältigt, ohne das Netz zu belasten. Die Lösung ist rohstoffschonend, da keine Lithium-Ionen-Batterien nötig sind. Die Schwungradtechnik soll rund 200.000 Ladezyklen durchhalten, was einer Lebensdauer von etwa 20 Jahren entsprechen soll.

Präsentiert wird die neue Ladesäule durch die drei Projektpartner auf dem e-Salon, einer Elektromobilitätsmesse, die vom 14. bis 17. November auf dem Prager Messegelände in Letňany stattfindet. Je nach Verlauf der Testphase planen die Partner den Bau weiterer Schnellladestationen in Tschechien und anderen Ländern.