Schon zwölf Tote in diesem Jahr: Mexiko ist das gefährlichste Land für Journalisten

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Mit der Ermordung eines weiteren Reporters in Mexiko ist die Zahl der dort getöteten Journalisten im Jahr 2022 bereits auf zwölf gestiegen. Das südamerikanische Land ist damit erneut das gefährlichste Land für Medienvertreter weltweit.

Reporter leben oft gefährlich - aktuell nirgendwo mehr als in Mexiko (Symbolbild: Getty Images)
Reporter leben oft gefährlich - aktuell nirgendwo mehr als in Mexiko (Symbolbild: Getty Images)

Der 47-jährige Antonio de la Cruz wurde am Mittwoch vor seinem Haus in Ciudad Victoria erschossen. Seine 23-jährigen Tochter, die bei ihm war, wurde schwer verletzt. Das berichtet die Lokalzeitung Expreso, für die De la Cruz als Reporter arbeitete. Ciudad Victoria, die Hauptstadt des Staates Tamaulipas, der an die USA angrenzt, wird immer wieder von organisiertem Verbrechen und damit zusammenhängender Gewalt erschüttert.

De la Cruz, der über diverse politische und gesellschaftliche Themen in der Gegend berichtete, sei sich "der Wahrheit über Tamaulipas bewusst gewesen", wie der Chefredakteur von Expreso, Miguel Domínguez, Milenio Televisión sagte. Er sei "sehr mutig" gewesen.

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Die Zeitung selbst war über die Jahre jedoch immer wieder Zielscheibe von Gewaltangriffen gewesen, wie The Guardian berichtet. 2012, in einem der schlimmsten Jahre für Drogenkartell-Gewalt, ist vor dem Redaktionsgebäude eine Autobombe explodiert. 2018 wurde eine Kühltruhe mit einem abgetrennten Kopf darin dort abgeliefert samt der Warnung, nicht mehr über Gewalt in der Stadt zu berichten. Eine konkrete Drohung gegen De la Cruz soll es nicht gegeben haben. Die Organisation Reporter ohne Grenzen forderte auf Twitter eine schnelle Aufklärung des Attentats.

Mexiko zählt die meisten toten Journalisten, gefolgt von der Ukraine

In jedem Staat Mexikos hat es seit 2021 Morde an Journalisten gegeben. Generell ist das Land in den vergangenen Jahren unsicherer für Medienvertreter geworden. Seit Präsident Andrés Manuel López Obrador Ende 2018 an die Macht gekommen ist, haben sich Angriffe auf die Presse The Guardian zufolge um 85 Prozent erhöht.

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Medienzählungen sind es allein 2022 bislang zwölf Journalisten, die in Mexiko getötet wurden. Die Organisation Reporter ohne Grenzen, die alle Morde zunächst separat verifiziert, zählt acht - auch in deren Aufstellung ist Mexiko jedoch auf dem ersten Platz der gefährlichsten Länder für Medienvertreter.

Auf Platz zwei folgt die Ukraine. Das Land wird seit Anfang des Jahres von einem russischen Invasionskrieg erschüttert, wodurch Reporter dort unter extremen Bedingungen arbeiten und sich oft in große Gefahr begeben müssen, um den Krieg zu dokumentieren. Sieben ermordete Journalisten zählt Reporter ohne Grenzen in der Ukraine.

Nach Zählungen der Organisation sind seit Jahresbeginn weltweit 32 Journalisten und Medienvertreter weltweit getötet worden. 507 befinden sich aktuell aufgrund ihrer Arbeit im Gefängnis.

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