Schöne Diktatorengattin: Doku beleuchtet die Rolle von Assads Frau

Asma al-Assad im Gespräch mit ihrem Mann: Sie galt im Westen als modern und westlich orientiert. (Bild: AP Photos)

Auch auf sie setzte der Westen große Hoffnungen: Asma al-Assad. Doch heute gilt die Frau des syrischen Machthabers Baschar al-Assad als Komplizin ihres Mannes. Eine Dokumentation im ARD hinterfragt diese Entwicklung.

Sie wurde in eine wohlhabende, syrische Familie hineingeboren, wuchs in London auf und hatte große Ziele: Asma al-Assad, die Frau des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad. Doch welche Rolle spielt die Frau, deren Mann im Westen als Kriegsverbrecher gilt, heute? Filmemacherin Annette Zinkant hat sich auf Spurensuche begeben und bis weit in die Vergangenheit der Präsidentengattin geschaut, um dieser Frage nachzugehen.

Entstanden ist der Film „Asma al-Assad – Das schöne Gesicht der Diktatur“ – eine aufwendig recherchierte und lehrreiche Dokumentation über eine Frau, auf der große Hoffnungen lagen. Ein ehemaliger EU-Botschafter erzählt, wie auch er anfangs begeistert war, als er die junge, gebildete Präsidentengattin kennenlernte. Im Jahr 2000 heiratete sie Baschar al-Assad, im selben Jahr wurde er Präsident Syriens. Doch, so gibt der Botschafter zu, ihr Auftreten habe ihn und viele andere getäuscht. Denn auch unter dem jungen Präsidentenpaar wurden Menschen in Syrien verfolgt und gefoltert, und –schlimmer noch – tobt ein Krieg gegen das eigene Volk.

Dabei hatte Asma al-Assad zwei klare Ziele, wie ein Interview mit ihr in der Dokumentation zeigt: „Mein Kindheitstraum war es, in Harvard zu studieren. Und ich wollte für Syrien arbeiten, den Menschen in Syrien helfen“, sagt sie dort mit großer Überzeugung in die Kamera. Sie arbeitete zunächst bei der Deutschen Bank und hatte die Zusage für Harvard bereits in der Tasche. Doch dann lernte sie einen angehenden Augenarzt kennen, Baschar al-Assad. Und legte für die Liebe ihr Studium auf Eis.

Außenpolitisch hatte sie eine starke Wirkung: Asma al-Assad mit der Queen. (Bild: AP Photos)

Der Film zeigt auch, wie wichtig ihre Rolle in der Außenpolitik war. An der Seite ihres Mannes bereiste Asma al-Assad die Welt, war in Indien, Österreich und Großbritannien zu Gast und schüttelte dort im Jahr 2002 der Queen die Hand. Niemand konnte sich vorstellen, dass diese beiden charmanten Menschen Syrien und den Rest der Welt in einen grausamen, jahrelangen Krieg führen würden.

Beeindruckend sind auch die Erzählungen von der Tochter des berühmten syrischen Oppositionellen Riad Seif. Sie erzählt, wie ihre Familie das Leben unter dem vermeintlich modernen neuen Herrscherpaar erlebte und mit wie viel Angst sie aufwuchs. Annette Zinkant ist es gelungen, ein differenziertes Bild von Asma al-Assad zu zeichnen. Zwar kann der Film auch nicht alle Fragen darüber beantworten, was die junge Frau dazu trieb, an der Seite eines Mannes wie Baschar al-Assad zu bleiben und ihn sogar zu unterstützen – doch die Komplexität des Syrienkonfliktes und vor allem die Schwierigkeit, eine Frau wie Asma aus westlicher Sicht einzuschätzen, beleuchtet der Film sehr gut.

Die Dokumentation „Asma al-Assad – Das schöne Gesicht der Diktatur“ lief am gestrigen Sonntag in der ARD. Im Stream gibt es das Video jetzt für alle, die den TV-Termin verpasst haben.

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