Querdenker wie Effenberg - Schröder arbeitet an Kultstatus

Robin Wigger
Dennis Schröder startet bei den Oklahoma City Thunder ein neues Kapitel

Sein Selbstbewusstsein hat Dennis Schröder auch nach seinem Wechsel von den Atlanta Hawks zu den Oklahoma City Thunder nicht verloren – im Gegenteil.

"Russell, Paul und ich sind alle gut mit dem Ball, uns muss man auch erst mal verteidigen können", sagte der Aufbauspieler in der Sport Bild vor dem Saisonstart der NBA: "Jeder von uns wird hin und wieder mal zurückstecken müssen."

Schröder setzt sich damit in gewisser Weise auf eine Stufe mit Russell Westbrook und Paul George, bekanntlich zwei der besten Basketballer des Planeten.

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Dieses Selbstvertrauen, gepaart mit seinem Lifestyle und Faible für Luxus sowie dicke Autos, sorgen dafür, dass der 25-Jährige polarisiert und sich keineswegs der Beliebtheit eines Dirk Nowitzkis erfreut. Doch das ist Schröder egal - und sportlich muss er sich vor Nowitzkis aktueller Qualität nicht mehr verstecken.


Schröder wie Effenberg oder Kahn

"Dass in Deutschland der Umgang mit Sportlern und was sich viele von ihren Sportlern wünschen nicht unbedingt 1:1 mit dem zusammenpasst, wie Dennis ist, haben wir bis jetzt erlebt", sagte Per Günther im Gespräch mit SPORT1.

Doch "ich bin ein großer Fan davon, denn für mich hat Sport immer etwas mit Entertainment zu tun", so der Aufbauspieler von ratiopharm Ulm über Schröders Persönlichkeit. (Interview mit Per Günther über Ulm und den FC Bayern)

Der "Kultstatus wie die Querdenker oder die Jungs, die ihren eigenen Weg gehen", setze immer erst nach dem Karriereende ein. Als Vergleich nannte Günther Stefan Effenberg, Oliver Kahn oder Mario Basler. "Die Leute konnten sie während ihrer aktiven Phase kaum ertragen. Fünf Jahre später sagen sie: Wie geil war das?"

Deswegen - ist sich Günther sicher - werden "wir es in zehn Jahren auch feiern, wie Dennis sich zwei goldene Lamborghini gekauft hat." Kritik an seinem Lifestyle würde diesen ohnehin nicht berühren.

Restart in Oklahoma City

Bei den Thunder startet Schröder nach fünf Jahren in Atlanta einen Neuanfang. Die ersten Eindrücke bei OKC mit einer starken Preseason machen Hoffnung.

Zunächst winkt dem inzwischen besten Deutschen in der NBA sogar der Startplatz auf der Point-Guard-Position. Denn Westbrook laboriert aktuell noch an einer Knieverletzung. Denkbar ist auch, dass Schröder anschließend neben Westbrook startet. Zumindest, bis Defensivspezialist Andre Roberson 2019 zurückkehrt.

Nachdem er sich bei den Hawks vom Rookie und Bankspieler zum Anführer gemausert hat, muss sich der gebürtige Braunschweiger in der Hierarchie bei OKC zwar einen Schritt zurück treten. Für seine Ziele und Entwicklung könnte es aber ein Schritt in die richtige Richtung sein.


Denn mit den Thunder kann Schröder mindestens um den Heimvorteil in der Western Conference spielen, nachdem er zuletzt im Keller der NBA rumdümpelte. Mit Mitte Zwanzig hat Schröder noch Entwicklungspotenzial, mit Westbrook kann er von einem der besten Point Guards der Liga lernen. Steigern muss sich Schröder vor allem defensiv (NBA: Der Spielplan).

Schröder "der beste europäische Aufbauspieler"

Zusätzlichen Schwung für seinen nächsten Karriereschnitt holte sich Schröder, der neuerdings auch Hauptanteilseigner bei seinem Ex-Klub Braunschweig ist, bei der Nationalmannschaft. Am 16. September sicherte er mit dem DBB-Team mit einem 112:98-Sieg gegen Israel vorzeitig das WM-Ticket.

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Schröder wackelte zwar in der letzten Minute der regulären Spielzeit mit einem Ballverlust und zwei verworfenen Freiwürfen, lieferte aber auch 30 Punkte und 13 Assists – darunter den entscheidenden Pass zu Maxi Kleber, der Deutschland in die Verlängerung rettete.

"Stand heute ist er der beste europäische Aufbauspieler", verneigt sich Marko Pesic, Geschäftsführer des FC Bayern, bei SPORT1 vor Schröder. Jener Pesic hatte sich vor wenigen Jahren noch kritisch geäußert, Schröder würde zu sehr an sich selbst denken.


"Er hat seitdem einen Riesenschritt nach vorne gemacht", so Pesic: "Ich glaube, dass die zwei bis drei Jahre Erfahrung auch dazu geführt haben, dass er seine Persönlichkeit auf das Level seiner basketballerischen Qualität gebracht hat."

Schröder als Gefahr fürs Nationalteam?

Bei den abschließenden Quali-Spielen am 30. November gegen Griechenland und gegen Georgien (3. Dezember) wird Schröder wegen der NBA-Saison fehlen, im September 2019 greift er dann bei der WM in China wieder an. Dort könnte es aber Probleme geben, vermutet Günther.

"Mit Dennis haben sie eine absolute Galionsfigur. Ich glaube, es ist eine wahnsinnig schwierige Situation für alle, dass Dennis so unglaublich gut ist", so Günther: "Ich weiß jetzt schon, was sich Dennis anhören muss, falls sie zwei Spiele bei der WM verlieren."

Er hat "Angst davor, dass es immer eine Diskussion um ihn geben wird. Wenn sie ein-, zweimal verlieren, birgt das einfach Konfliktpotenzial, wenn ein Spieler so dominant ist."

Es werde schwierig, die Balance zu finden. Günther nennt es "eine riesen Herausforderung."

Mit einer erfolgreichen WM könnte Schröder auch im Nationalteam ein wenig aus Nowitzkis Schatten treten. Klar ist: Auf Schröder wartet ein wegweisendes Jahr.

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