"Schreckliche Angst vor Raubkatzen": Jetzt packen die "Tiger King"-Protagonisten aus

Rupert Sommer
·Lesedauer: 5 Min.

Jetzt gibt es Riesenwirbel um die überraschend bei Netflix aufgetauchte achte Folge zum Doku-Welterfolg "Tiger King": In dem Interview-Special zum Trash-TV-Hit erhalten Fans und Kritiker des inhaftierten Raubkatzen-Königs schockierende neue Einsichten - und Hoffnung auf eine Kino-Fortsetzung.

Es klingt zynisch. Aber natürlich hat der US-Comedian Joel MacHale vollkommen recht: Die ganze Welt fürchtet sich vor den noch immer unkalkulierbaren Gefahren der Corona-Pandemie und ächzt unter den Folgen wie etwa eines erzwungenen globalen Hausarrests. Eine stabile Internet-Verbindung ist das verbliebene Fenster zur Welt. Und durch das fauchten zuletzt vor allem majestätische, gefährliche Raubkatzen herein. Die Welt hat Corona. Sie ist aber auch vom "Tiger Fieber" gepackt. Das behauptet jedenfalls MacHale, selbst ein glühender Fan der Netflix-Dokuserie "Tiger King", die im deutschsprachigen Raum den etwas umständlichen Titel "Großkatzen und ihre Raubtiere" trägt. Er führt jetzt durch die überraschend aufgetauchte neue, insgesamt achte Folge der Netflix-Produktion, die aktuell beim Streaming-Dienst zu sehen ist.

Und was da zu sehen ist, ist ein gefundenes Fressen für die Fans der Reality-Soap. Auf die rund 40 Minuten Extra-Material dürften sich die nach sieben "Tiger King"-Folgen schon wieder ausgehungerten Fans stürzen wie gefräßige Raubkatzen auf ein blutiges Stück Gazellen-Schenkel.

Die "größte Dokumentation der Menschheit" geht weiter

Immerhin handelt es sich um Nachschub zur "größten Dokumentation in der Geschichte der Menschheit", wie es Moderator Joel MacHale in seiner Sonderfolge vollmundig ankündigt. Tatsächlich hatte er Netflix um einen Nachschlag gebeten und von einer glamourösen Hochglanzproduktion mit wilden Tieren und den teilweise noch wilderen Protagonisten geträumt. Er wollte mehr zeigen aus der haarsträubend durchgeknallten Typen-Galerie der "Tiger King"-Welt der US-Privatzoos. Was der Komiker bekam, war ein iPhone und der Auftrag, das Beste daraus zu machen.

"Der König und ich" ist eine dieser schnell zusammengeschnittenen Dokumentationen, die viele Corona-geplagten Berufstätigen im Home Office an die endlosen Videokonferenzen mit ihren zu Hause kasernierten Kollegen und Vorgesetzten erinnern. Schmälert die Schlichtheit das Vergnügen? Von wegen!

Alle Protagonisten fühlen sich von der "Tiger King"-Welle überrollt

Tatsächlich gelang es der achten "Tiger King"-Produktion, mit Erik Cowie, Jeff und Lauren Lowe, John Renke, Kelci "Saff" Saffery, Josua Dial, John Finlay und Rick Kirkham Wegbegleiter und frühere Mitarbeiter des flamboyanten Großkatzen-Freaks Joe Exotic - der selbst aktuell im Knast sitzt - vor den Kameralinsen ihrer Videokonferenz-Geräte zu versammeln. Und nicht wenige der früheren engen Vertrauten des Kings haben sichtlich Freude daran, Dampf abzulassen und Ärger loszuwerden.

Was sie vereint: Der Welterfolg der Netflix-Serie, die sich rasch zu einem Internet-Phänomen mit einer schier endlosen Flut an Memes entwickelte, hat alle überrollt. Und nicht wenige der Protagonisten, die für Fans in kürzester Zeit zu engen Vertrauten und Wohnzimmer-Freunden in Corona-Zeiten wurden, sind mit der Art, wie sie im Streaming-TV dargestellt wurden, höchst unzufrieden.

Besonders genervt zeigt sich Joe Exotics Ex-Ehemann John Finlay in der neuen achten Interview-Folge. Er ärgert sich, dass er als "mit Drogen vollgepumpter Hinterwäldler" dargestellt wurde, wie er sagt. "Das war ich nicht. Ich war zu dieser Zeit vier bis fünf Jahre clean." Angeblich wegen Crystal-Meth-Missbrauchs fehlen ihm noch immer viele Zähne. Und an seinen Beteuerungen bleibt auch jetzt im Nachgang Anlass zum Zweifeln.

Panische Angst vor Großkatzen - und keine eigenen Songs

Überraschend entspannt - wie auch in der Serie selbst - gibt sich dagegen "Saff" Saffery, einer der Tierpfleger aus Joe Exotics früherem Zoo. Er bestätigt im Gespräch zwar, dass er die Gefängnisstrafe für seinen früheren Boss für angemessen hält. "Ich möchte aber nicht miterleben, wie der Mann im Knast stirbt", sagt er.

Über den üblen Charakter von Joe Exotic gibt es dagegen kaum zwei Meinungen im Film. Der Halbwelt-Held ist natürlich ebenso wie seine erbitterte Gegnerin Carole Baskin und der Katzenbesitzer Bhagavan "Doc" Antle, die beide Netflix scharf für ihre reißerische Darstellung kritisierten, in der "Der Tigerkönig und ich"-Aftershow-Sendung nicht persönlich zu sehen.

Am Mythos rund um den King wird dagegen heftig gekratzt. So erfährt man - für viele Fans dürfte das die größte Überraschung sein -, dass der wohl berühmt-berüchtigste Vokuhila-Träger der Gegenwart angeblich panisch Angst habe, wenn er Großkatzen zu nahe käme. Das behauptet zumindest Rick Kirkham im Gespräch mit dem Moderator. "Er hatte Todesangst vor Löwen und Tigern", sagt er über den Tiger King. Bei den Aufnahmen, in denen er bei Netflix mit seinen Raubkatzen schmuste, seien diese entweder blind oder mit Drogen vollgepumpt gewesen. Autsch! Das dürfte fast noch mehr schmerzen wie die Behauptung, dass Joe Exotic, der sich gerne als Musiker präsentierte, seine schmissigen Country-Songs angeblich gar nicht selbst gesungen haben soll.

Mit Brad Pitt und Lisa Kudrow auf die große Kino-Leindwand?

Einigkeit besteht dagegen in einem eher versöhnlichen Ausblick, den der "Tiger King"-Nachschlag bei Netflix gab. Es könnte doch tatsächlich - beflügelt durch den Streaming-Welterfolg - eines Tages, in Nach-Corona-Zeiten, weitere Folgen und, festhalten, eine Kinoproduktion zu den wüsten Stoffen geben. In einem Facebook-Beitrag aus dem Gefängnis heraus hat Joe Exotic großspurig wie immer sogar schon einen Hauptdarsteller für seine Rolle vorgeschlagen: Brad Pitt. Außerdem werden in der Interview-Sendung Stars wie Matthew McConaughey, Billy Bob Thornton sowie von vielen Fans Lisa Kudrow als Carole Baskin gehandelt. Das kann ja noch heiter werden ...