Schulz würdigt scheidenden SPD-Chef Gabriel bei gemeinsamem Auftritt

Schulz (l.) und Gabriel

Wenige Tage vor der Stabübergabe an der SPD-Spitze haben der scheidende Parteichef Sigmar Gabriel und sein designierter Nachfolger Martin Schulz ein Signal der Geschlossenheit für den Bundestagswahlkampf ausgesendet. Schulz sagte bei einem Auftritt im niedersächsischen Wolfenbüttel am Mittwochabend, er werde als Kanzlerkandidat gemeinsam mit Gabriel in einen Wahlkampf gehen, "der dieses Land am Ende ausstatten soll mit einer sozialdemokratisch geführten Bundesregierung".

Gabriel wurde bei der Veranstaltung erneut als SPD-Kandidat für den Wahlkreis Salzgitter-Wolfenbüttel-Vorharz aufgestellt, den er seit 2005 im Bundestag vertritt. Von den 138 anwesenden Delegierten votierten 136 für Gabriel, bei einer Enthaltung und einer Nein-Stimme.

Schulz sagte vor rund 800 Besuchern, er habe "nicht eine Sekunde gezögert", als der scheidende Parteichef ihn um die Rede in seiner Heimat gebeten habe. Gabriel sei ein "Freund" und ein "Glücksfall für diesen Wahlkreis, für die Partei und für die Republik". Schulz würdigte seinen Vorgänger als "großen Vorsitzenden der sozialdemokratischen Partei". Gabriel sagte Schulz derweil zu: "Mit ganz großer Überzeugung, mit allem, was ich dafür tun kann, werden wir dich unterstützen."

Ende Januar hatte Gabriel eine personelle Neuaufstellung der Sozialdemokraten für das Wahljahr verkündet: Überraschend erklärte er seinen Rückzug vom Parteivorsitz sowie seinen Verzicht auf die Kanzlerkandidatur und schlug Schulz für beide Posten vor. Der SPD-Vorstand nominierte den früheren EU-Parlamentspräsidenten daraufhin einstimmig als Kanzlerkandidaten und zukünftigen Parteichef. Gabriel rückte derweil auf den Posten von Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD), der im Februar zum neuen Bundespräsidenten gewählt wurde.

In seiner knapp einstündigen Rede forderte Gabriel am Mittwochabend erneut, die Milliardenüberschüsse im Bundeshaushalt in Bildung und Infrastruktur zu investieren. Zugleich wandte er sich gegen eine überzogene Erhöhung des Militäretats. Stattdessen müssten sich die Sozialdemokraten dafür einsetzen, dass "Abrüstung wieder auf die Tagesordnung kommt".

Mit Blick auf seinen Wahlkreis sagte Gabriel, dass auch ländliche Gebiete eine "starke Stimme in der Politik" bräuchten. So "aufregend" Berlin auch sein möge, "die Mehrheit der Menschen in Deutschland lebt nicht in Großstädten, sie lebt in Flächenregionen wie unserer".

Der scheidende Parteichef erklärte, dass er seinen Verzicht auf die Kanzlerkandidatur nicht bereue. "Relativ früh" habe er gemerkt, dass viele Bundesbürger sich vorstellen könnten, die SPD zu wählen, aber keine Fortsetzung der großen Koalition wollten. "Zugegebenermaßen stehe ich für viele Menschen für die große Koalition", sagte der Vizekanzler. "Jetzt gibt es den Wunsch nach was Neuem" - und Schulz verkörpere diesen Aufbruch.

Ein Sonderparteitag soll Schulz am Sonntag offiziell zum SPD-Chef und Herausforderer von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) küren. Seit Schulz' Nominierung konnten die Sozialdemokraten in Umfragen deutlich zulegen und liefern sich mittlerweile ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit der Union. Der frühere Europaparlamentspräsident stellt Gerechtigkeitsthemen in den Mittelpunkt seines Wahlkampfes und kündigte für den Fall seines Wahlsiegs Korrekturen an den arbeitsmarktpolitischen Reformen der Agenda 2010 an.

Mit Yahoo Nutzung stimmen Sie zu, dass Yahoo und Partner Cookies für Personalisierungs- und andere Zwecke nutzen