Schwedischer Wohnungskonzern Heimstaden kauft 14.000 Wohnungen in Berlin

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Blick auf Fernsehturm in Berlin (AFP/STEFANIE LOOS)

Unbeeindruckt vom Volksentscheid zur Enteignung großer Wohnungsunternehmen in Berlin kauft der schwedische Immobilienkonzern Heimstaden rund 14.000 Wohnungen in der Hauptstadt. Verkäufer ist der ebenfalls schwedische Konzern Akelius. Insgesamt wechseln knapp 28.800 Wohnungen in Deutschland und Schweden den Eigentümer - Heimstaden zahlt dafür insgesamt 9,1 Milliarden Euro.

Das Unternehmen mit Sitz in Malmö teilte am Sonntagabend mit, es erwerbe von Akelius insgesamt 17.600 Wohnungen in Berlin und Hamburg; nach Angaben von Akelius befinden sich 14.050 in der Hauptstadt und knapp 3600 in der Hansestadt. Der Kaufvertrag sei unterzeichnet, der Abschluss des Geschäfts sei vorbehaltlich der Zustimmung der Kartellbehörden für Ende 2021 geplant, erklärte Heimstaden.

Akelius-Chef Rolf Spann teilte mit, es habe in Deutschland 15 Jahre gebraucht, um das nun verkaufte Immobilienpaket zu "erschaffen". Es habe "eine einzigartige Qualität, ein geringes Risiko und hohes Langfrist-Potenzial".

Heimstaden nannte keinen Kaufpreis für die 17.600 Wohnungen in Berlin und Hamburg. Zur Einschätzung: Das Land Berlin zahlt für rund 14.750 Wohnungen der Unternehmen Deutsche Wohnen und Vonovia rund 2,5 Milliarden Euro. Der Kauf war kurz vor der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus vereinbart worden.

Das schwedische Wohnungsunternehmen Heimstaden besitzt europaweit etwa 116.000 Wohnungen. In Deutschland hat es bislang rund 7300 Wohnungen in Berlin, Halle, Magdeburg und Rostock. Am Montag stellte Heimstaden einen offenen Brief an die Mieterinnen und Mieter von Akelius auf seine Internetseite. "Bei uns stehen die Interessen von Mieterinnen und Mietern, eine hohe Servicequalität, Erreichbarkeit und Kundenzufriedenheit an erster Stelle", versicherte der Konzern. Aktuell ändere sich noch nichts.

In Berlin stimmte eine Mehrheit der Wählerinnen und Wähler (56,4 Prozent) für den Volksentscheid "Deutsche Wohnen & Co enteignen". Ziel ist die Vergesellschaftung von Wohnungen der großen Immobilienkonzerne. Betroffen wären nach den Plänen der gleichnamigen Initiative alle "privaten profitorientierten Immobiliengesellschaften", die mehr als 3000 Wohnungen in der Hauptstadt besitzen - also auch Heimstaden.

Da der Volksentscheid jedoch kein konkretes Gesetz oder eine Verfassungsänderung zum Inhalt hat, ist das Ergebnis nicht bindend. Der Berliner Senat ist nicht verpflichtet, ein entsprechendes Gesetz zur Enteignung auszuarbeiten.

Die Vereinigung der Unternehmensverbände in Berlin und Brandenburg (UVB) erklärte, aus Sicht der Wirtschaft wären Enteignungen verfassungswidrig und würden zu jahrelangen Konflikten vor Gericht führen. Zudem würde ein solcher "Akt der Willkür" Investoren abschrecken und die Landesfinanzen ruinieren. "Enteignungen schaffen keine einzige zusätzliche Wohnung", erklärte UVB-Hauptgeschäftsführer Christian Amsinck.

ilo/hcy

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