Fast 200 Festnahmen nach neuen Protesten gegen Ausgangssperre in den Niederlanden

Jan HENNOP
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Plünderung von Geschäft in Rotterdam

Die Proteste in den Niederlanden gegen die nächtliche Ausgangssperre zur Eindämmung der Corona-Pandemie sind erneut eskaliert. Nach gewaltsamen Ausschreitungen in der Nacht zum Dienstag wurden landesweit 184 Menschen festgenommen, wie die Polizei mitteilte. Die Regierung betonte, sie werde vor der Gewalt nicht kapitulieren. Finanzminister Wopke Hoekstra bezeichnete die Randalierer als "Abschaum".

In den Großstädten Amsterdam und Rotterdam sowie in anderen Orten ging die Polizei Montagnacht gegen Randalierer vor. Mindestens zehn Beamte wurden nach Polizeiangaben verletzt. In der Hafenstadt Rotterdam schlugen Randalierer Schaufenster ein und plünderten Geschäfte. Die Sicherheitskräfte setzten dort laut dem öffentlich-rechtlichen Sender NOS einen Wasserwerfer ein, um Demonstranten auseinanderzutreiben. Ausschreitungen gab es auch in Amersfoort, Den Bosch, Den Haag, Geleen und Haarlem.

Die Niederlande werden bereits seit dem Wochenende von gewaltsamen Protesten gegen die Ausgangssperre erschüttert. Die Regierung verurteilte die erneuten Ausschreitungen und betonte, sie werde sich dem Druck nicht beugen. "Man kapituliert nicht vor Menschen, die Schaufenster einschlagen", sagte Finanzminister Hoekstra am Dienstag der Nachrichtenagentur ANP. Die Randalierer seien keine Demonstranten, sondern "Abschaum". Ministerpräsident Mark Rutte hatte bereits am Montag von "krimineller Gewalt" gesprochen.

Auch der niederländische Polizeichef Henk van Essen zeigte sich entsetzt. Die Ausschreitungen hätten "nichts mehr zu tun mit dem Recht zu demonstrieren". Polizeigewerkschaften sprachen von den schlimmsten Unruhen in den Niederlanden seit vier Jahrzehnten.

Die Ausgangssperre zwischen 21.00 Uhr und 04.30 Uhr war am Samstag in Kraft getreten. Verstöße werden mit einem Bußgeld von 95 Euro geahndet. Bereits in der Nacht zum Sonntag kam es beim Protest gegen die Ausgangssperre zu ersten Ausschreitungen. Im Ort Urk wurde ein Coronavirus-Testzentrum in Brand gesteckt. Am Sonntag eskalierte die Gewalt dann in Amsterdam, Eindhoven und anderen Städten. Die Polizei nahm am Wochenende rund 250 Menschen fest.

Es ist die erste Ausgangssperre in dem EU-Land seit dem Zweiten Weltkrieg. Sie soll zunächst bis zum 9. Februar in Kraft bleiben und bei der Eindämmung der besonders ansteckenden Coronavirus-Variante helfen, die zuerst in England festgestellt worden war.

Mitte Januar hatte die Regierung in Den Haag bereits den Lockdown bis zum 9. Februar verlängert. Schulen, Restaurants und die meisten Geschäfte sind geschlossen. Zudem darf sich nicht mehr als ein Gast bei einem anderen Haushalt aufhalten. Ausnahmen gelten für Menschen, die sich zur Arbeit begeben müssen, für Beerdigungen und das Ausführen von Hunden.

bfi/ck