Sechs Flüchtlinge bei Ausbruchsversuch aus Haftlager in Libyen getötet

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Bei Ausbruchsversuch wiedereingefangene Migranten in Libyen (AFP/Hussam AHMED)

Bei einem Ausbruchsversuch aus einem überfüllten Haftlager für Migranten in der libyschen Hauptstadt Tripolis sind am Freitag sechs Flüchtlinge getötet worden. Wachen hätten die Menschen erschossen, sagte der Libyen-Chef der Internationalen Organisation für Migration (IOM), Federico Soda, der Nachrichtenagentur AFP. Mindestens 20 weitere Menschen wurden demnach verletzt, hunderte flohen in dem Chaos aus der Haftanstalt.

Lokale Medien zitierten einen Beamten des Innenministeriums, wonach bei dem Ausbruch rund 2000 Migranten entkommen sein könnten. Auf Videos im Netz waren hunderte Menschen zu sehen, die über einen Metallzaun kletterten und über Straßen rannten. Ein Flüchtling rief dabei "Freiheit! Freiheit!".

Ein AFP-Reporter sah später mindestens 140 Menschen, die offenbar von Sicherheitskräften wieder eingefangen worden waren. Sie wurden in Bussen weggebracht. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty verurteilte die "ungesetzliche tödliche Gewalt" der Sicherheitskräfte.

Im betroffenen Al-Mabani-Lager sind derzeit 3000 Migranten, hauptsächlich aus Ländern südlich der Sahara, untergebracht. Etwa ein Drittel davon lebt auf dem Gelände außerhalb des Haftgebäudes. Eigentlich ist das Lager nur für 1000 Menschen ausgelegt. Die IOM prangerte die "schrecklichen" Lebensbedingungen in der überfüllten Einrichtung an.

Der Vorfall ereignete sich eine Woche nach umfassenden Razzien in Tripolis, die sich vor allem gegen illegale Migranten richteten. Dabei wurden rund 4000 Menschen festgenommen.

Die Vereinten Nationen haben wiederholt die "willkürliche Inhaftierung" von Migranten in dem vom Bürgerkrieg gezeichneten Land kritisiert. Flüchtlinge berichten von Überfüllung, Hunger, Folter und unzureichender medizinischer Versorgung in den Gefängnissen, die oft nicht von Regierungsbeamten, sondern von Milizen betrieben werden.

fml

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