Seehofer ermahnt Union nach Schulz-Erfolg

Seehofer: Familienpolitische Offensive für Wahlkampf

Angesichts des Höhenflugs der SPD mit Kanzlerkandidat Martin Schulz muss die Union nach Ansicht von CSU-Chef Horst Seehofer an ihrer Form im Wahlkampf arbeiten. "Auch wir in der CSU", sagte Seehofer der "Süddeutschen Zeitung" vom Dienstag. Die Sozialdemokratie sei "nach vielen Jahren der Lähmung sehr motiviert und in Schwung".

Die 100 Prozent Zustimmung für den neuen SPD-Chef Schulz auf dem Parteitag vom Wochenende bezeichnete Seehofer als "außergewöhnliches Ereignis". Am Mittwoch sei ein Treffen der Unionsspitze mit Seehofer und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zu Terminabsprachen, gemeinsamen Inhalten und offenen Gesetzesvorhaben geplant. Es gehe jetzt um interne Vorbereitungen und inhaltliche Festlegungen. Nach den Landtagswahlen im Saarland, in Schleswig-Holstein und in Nordrhein-Westfalen "werden wir dann durchstarten", sagte der CSU-Chef.

Auch der bayerische Finanzminister Markus Söder (CSU) forderte eine härtere Gangart im Wahlkampf. Es sei an der Zeit, "der SPD etwas entgegenzusetzen", sagte er dem "Handelsblatt". Die Union müsse kämpfen. "Wir werden diesen Wahlkampf nicht im Stil einer Bilanzpressekonferenz gewinnen, es braucht auch Emotionen."

Der stellvertretende CDU-Vorsitzende Armin Laschet sieht dagegen derzeit keinen Grund für eine Wahlkampfoffensive. "Je klarer die Programmatik von Herrn Schulz wird, desto größer wird auch die Mobilisierung zu unseren Gunsten ausfallen", sagte er der "Saarbrücker Zeitung". Im Bayerischen Rundfunk sagte Laschet, dass "die Menschen doch nicht erwarten, dass jetzt über ein halbes Jahr überhaupt nicht mehr regiert wird, sondern nur noch Wahlkampf gemacht wird".

In den vergangenen Wochen hatte die SPD in Umfragen deutlich aufgeholt und befindet sich inzwischen wieder auf Augenhöhe mit der Union oberhalb von 30 Prozent. In einer aktuellen Erhebung des Meinungsforschungsinstituts Insa für die "Bild"-Zeitung liegen die Sozialdemokraten mit 32 Prozent sogar einen Prozentpunkt vor CDU/CSU.

Die AfD kommt demnach auf 11,5 Prozent, die Linke auf 8,5 Prozent. Grüne und FDP sehen die Meinungsforscher bei 6,5 Prozent. Insa hatte für die repräsentative Erhebung vom 17. bis zum 20. März insgesamt 1933 Bürger befragt.

Einer anderen Umfrage zufolge konnte die SPD ihre Zustimmungswerte bei Unter-30-Jährigen seit Jahresbeginn um mehr als ein Drittel steigern. Keine andere Partei habe in dieser Altersgruppe so deutlich zugelegt, ergab der am Montagabend veröffentlichte "Spiegel-Online"-Wahltrend in Zusammenarbeit mit dem Umfrageinstitut Civey. Der Sprung in der Umfrage falle zeitlich mit der Nominierung von Schulz als SPD-Kanzlerkandidat zusammen.

Der Erhebung zufolge würden aktuell 37,9 Prozent der 18- bis 29-Jährigen für die SPD stimmen. Zum Vergleich: Ende Januar sprachen sich der Online-Umfrage zufolge aus dieser Altersgruppe 23,3 Prozent für die SPD aus. Befragt wurden nach Angaben von "Spiegel Online" im Zeitraum vom 16. Januar bis 20. März mindestens 5000 Menschen. Der Fehlerbereich lag bei 2,5 Prozentpunkten. Die Projektionen für den Zuspruch können also entsprechend nach oben oder unten abweichen.

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