Seelsorge via Facebook

Er betreut seine Schäfchen auch online: Wenn Kaplan Norbert Becker seinen Laptop aufklappt und sich bei Facebook einloggt, warten dort häufig schon Ministranten und Schüler auf ihn. "Den Spitznamen Facebook-Kaplan habe ich weg", sagt er lachend.

Der 28-Jährige ist in der unterfränkischen Pfarreiengemeinschaft Hofheim (Landkreis Haßberge) eingesetzt und hält auch auf die Weise Kontakt zu den Jugendlichen in den weitläufig verstreuten Pfarreien.

Der Geistliche hat sich auch schon theoretisch mit Chancen und Risiken der Jugendpastoral in dem sozialen Netzwerk auseinandergesetzt: Seine Zulassungsarbeit für die zweite Dienstprüfung trug den Titel "Postet der liebe Gott in Facebook?" Die Frage beantwortet er selbst klar mit ja. "Ich habe heute mit Kollegen die Wallfahrt für Prüflinge geplant", schildert er.

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Den Anstoß, sich näher mit sozialen Netzwerken auseinanderzusetzen, bekam Becker im Sommer 2011, als er mit anderen Priestern etwa 300 Kilometer von Hofheim entfernt unterwegs war. Ein Jugendlicher schrieb ihm via Facebook, dass seine Mutter überraschend gestorben sei. "Das hätte ich sonst nie mitbekommen. Und da habe ich mir gedacht, so verkehrt kann Facebook ja auch nicht sein."

Seine Studien fasst der Kaplan kurz so zusammen: Facebook sei für die Kirche ein sinnvolles Medium, ähnlich wie sie sich ja auch im Fernsehen oder Zeitungen präsentiere. "Wir vertun eine Chance, wenn wir es nicht nutzen", betont er. Daher hat Becker bei seiner Schreibtischarbeit auch das soziale Netzwerk immer im Blick, abends widmet er sich den Nachrichten dann intensiver. "Da sitze ich dann oft auch mal bis Mitternacht", berichtet er. Aus seiner Pfarreiengemeinschaft seien mehr als 55 Prozent der Jugendlichen ab 13 Jahren in dem Netzwerk aktiv.

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Becker will beim Thema Kirche und Facebook nicht als einsamer Rufer in der Wüste gelten: "Es ist noch nicht ausreichend, aber wird immer besser."

Von den bayerischen Bischöfen pflegt nur Bambergs Oberhirte Ludwig Schick einen persönlichen Account. "Ich bin davon überzeugt, dass Jesus heute auch die modernen Medien benutzen würde, um sein Wort zu verkünden", sagt der Erzbischof zur Begründung.

Zusätzlich ist Schick auch auf der Facebook-Seite der Erzdiözese aktiv, erläutert Bistumssprecher Harry Luck. Das Ganze sei "noch relativ frisch" - und er experimentiere damit. Vor allem bei längeren Reisen unterwegs sichte und beantworte der Erzbischof über seinen Tablet-Computer und sein Smartphone die Anfragen. So komme man auch an Menschen heran, die mit der klassischen Kirche nichts mehr zu tun hätten, sagt der Sprecher.

Dies ist auch der Antrieb für den "Facebook-Kaplan". Zudem sei es gut, dass die Gläubigen ihren Seelsorger im Netz auch als normalen Menschen erleben könnten, wenn er beispielsweise Urlaubsfotos vor der New Yorker Skyline poste. Allerdings gibt es auch Grenzen: "Ich poste dort nichts, was ich nicht auch in den Schaukasten der Pfarrei stellen würde", sagt Becker. Und was in einem Chat besprochen werden kann, ist für ihn auch limitiert: "Bei wirklich gravierenden persönlichen Problemen suche ich ein Vier-Augen-Gespräch."

Bei aller Begeisterung über das soziale Netzwerk gibt es für den Geistlichen keine Alternative zum realen Treffen und damit auch nicht zum Gottesdienst: "Ich möchte Facebook nie als Ersatz für Gemeinschaft haben."

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