Sehen und kaufen: Welche Rolle hat Beleuchtung in Supermärkten?

Willy Flemmer
·Freier Autor für Yahoo
·Lesedauer: 3 Min.

Supermärkte leuchten ihre Verkaufsflächen mit viel künstlichem Licht aus. Die Beleuchtung dient aber nicht nur dem Zweck, dass Kunden besser sehen.

Led lamp and glowing light bulb in mini shopping cart or trolley with money coins against blurred natural green background for finance, saving energy and environment concept
Beleuchtung spielt in Supermärkten eine wichtige Rolle. (Bild: Getty Images)

Es werde künstliches Licht. Diese Art der Welt-Ausleuchtung hat nicht nur den Zweck, den Menschen bei Dunkelheit sehen zu machen. Er soll sich dabei auch wohl fühlen. In den Supermärkten gehen diese Funktionen der künstlichen Beleuchtung mit einer anderen Hand in Hand. Sie soll die Kunden auch zum Kaufen anregen. Das erreichen die Betreiber dank einer ausgeklügelten "Lichtdramaturgie".

Zunächst einmal: Es ist immer künstliches Licht, mit dem Supermärkte ihre Verkaufsflächen ausleuchten. Die Alternative wäre weder praktisch noch rentabel. Sonnenlicht sorgt für Wärme und die verkürzt die Haltbarkeit frischer Ware. Außerdem bräuchte es für eine natürliche Beleuchtung Fenster, die wiederum den Platz rauben würden, wo sonst Regale für noch mehr Produkte stehen könnten.

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser

Natürliches Licht ist auch weniger kontrollierbar als künstliches. Und fehlende Lichtkontrolle heißt weniger Einfluss haben auf den Kunden. Denn der soll seinen Einkauf nicht nur mal schnell über die Bühne bringen. Er soll sich im Laden gerne aufhalten und möglichst spendabel sein. Die Beleuchtung soll das ebenso ermöglichen wie die Aufgabe erfüllen, die Aufmerksamkeit des Kunden zu lenken und ihm die einzelnen Produkte attraktiv erscheinen zu lassen.

Obst sieht umso appetitlicher aus, je besser es beleichtet wird. (Bild: Getty Images)
Obst sieht umso appetitlicher aus, je besser es beleichtet wird. (Bild: Getty Images)

Einkaufen bedeutet für die meisten Menschen Stress. Dem soll im Rahmen einer durchdachten Lichtregie auch die Grundbeleuchtung entgegenwirken. Diese fällt in den Supermärkten nicht ohne Grund eher grell aus. Der Kunde kann damit nicht nur schneller finden, was er sucht. Die Beleuchtung suggeriert auch Frische, nicht zuletzt sorgt sie für ein Gefühl von Gemütlichkeit und Behaglichkeit.

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Spot an: Die Lichter im Licht

Einkaufsstress rührt auch aus dem Druck her, aus der Fülle des Angebots Kaufentscheidungen treffen zu müssen. Auch dieses Einkaufshemmnis versuchen die Geschäfte zu überwinden – mit Beleuchtung. Durch Lichtakzente etwa geraten die Produkte in den Fokus und bekommen darüber hinaus eine Sonderstellung zugewiesen. Der Kunde denkt: Das Produkt wird extra beleuchtet, also muss es besonders sein in Qualität, Preis oder beides.

fresh sausage and meat in the bar for sale in the supermarket
Fleisch kommt am besten unter rötlichem Licht zur Geltung. (Bild: Getty Images)

Die Ware wird nicht mit irgendeinem Licht betont. Es gilt, sie auch attraktiv, frisch, appetitlich erscheinen zu lassen. Das erreichen die Verkäufer mit der Qualität, will heißen: der Farbe des Lichts. Jedes Produkt verlangt eine andere Lichtfarbe, um zur Geltung zu kommen. Obst sieht bei gelbem Licht am schönsten aus. Rötlich ist eher die Beleuchtung bei Fleisch und Backware und Fisch lockt den Kunden unter weißem oder bläulichem Licht. 

Licht ist nicht gleich Licht. Seine Qualität wirkt sich unmittelbar auf Gefühle und Psyche des Menschen aus. Das zeigt sich auch und besonders im Supermarkt, wo künstliches Licht verkaufsfördernd eingesetzt wird. Es ist Mittel zum Zweck, ein Werkzeug der Manipulation. Mit Licht wird der Kunde geführt, gelenkt und zuletzt auf ein Ziel hingesteuert. Hin nämlich zur Kasse – mit einem möglichst vollen Einkaufswagen.

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