Seit drei Jahren OB a.D. - Christian Ude: "Ich bin voll haftbar für Dieter Reiter"

Felix Müller

Heute vor drei Jahren wurde der neue Oberbürgermeister gewählt. In der AZ spricht Vorgänger Christian Ude über den 30. März 2014, den Blick des Rentners auf die Stadt – und den Islam in München.

München - Drei Jahre ist Christian Ude, der gebürtige Schwabinger, der von 1993 bis 2014 Oberbürgermeister von München war, jetzt Rentner - eine halbe Legislaturperiode. Als Treffpunkt schlägt er die Frieisische Teestube vor, gleich bei ihm um die Ecke in Schwabing. Hierher sei er schon in den Sechziger-Jahren zum Lernen gekommen. "Immer, wenn es in der Wohngemeinschaft zu laut zum Lernen war."

Hier ist Ude daheim. Vom Nebentisch grüßen die Leute, der Wirt fragt: "Wie immer?". Ude ist konzentriert wie eh und je, vielleicht ein bisschen entspannter. Eine Stunde hat er Zeit, dann wartet der nächste Termin. Was ansteht? Ude sagt, er müsse noch die Küche aufräumen. Seine Frau erwarte Besuch.

AZ: 2014 hörte man oft den Satz, dass München ohne OB Ude nicht mehr vorstellbar sei. Konnten Sie es sich vorstellen? CHRISTIAN UDE: Selbstverständlich. Ich habe als Schuljunge noch Thomas Wimmer erlebt, dann Hans-Jochen-Vogel und Schorsch Kronawitter. Immer, und auch bei mir, wurde Unersetzbarkeit angedichtet. Aber kein Mensch ist unersetzbar. Jede Zeit fordert einen anderen OB-Typ. Und Dieter Reiter ist jetzt aus genau dem richtigen Holz geschnitzt.

Was meinen Sie damit? Ich glaube, dass ich für die Zeit, in der der die Großstadt-Gesellschaft immer komplizierter geworden ist, die richtigen Antworten hatte. Und jetzt ist Dieter Reiter der Richtige. Er ist tatkräftig, sehr verwaltungserfahren, auch in der Lage, zuzuspitzen.

Wie erinnern Sie sich an den 30. März 2014, den Tag der OB-Stichwahl? War viel Wehmut dabei nach 21 Jahren im Amt? Nein. Es waren Augenblicke der Erleichterung. Ich bin ja sozusagen voll haftbar für Dieter Reiter. Ich hatte ihn schon vorgeschlagen als stellvertretenden Kämmerer, als Wirtschaftsreferenten, dann als OB-Kandidaten. Deswegen war es auch meine Sache, wie es ausgeht. Eine Stichwahl ist für den Favoriten immer schwierig. Ich war sehr erleichtert, dass es gut gegangen ist, ich einen sozialdemokratischen Nachfolger bekomme.

Wochen später, bei Ihrer Verabschiedung im Deutschen Theater, haben Sie die Koalitionsverhandlungen Reiters mit der CSU scharf kritisiert. Mit Verlaub: Ich habe nur einen Punkt kritisiert. Und: Ich bin ausgesprochen froh, dass ich es getan habe. Ich war verärgert darüber, dass die SPD ausgerechnet am Tag vor meiner Verabschiedung bekanntgegeben hatte, das Kreisverwaltungsreferat der CSU zu überlassen.

Warum hat Sie das so aufgebracht? Dieser Vorgang hat mich nach meiner jahrzehntelangen Erfahrungen mit Kämpfen um Liberalität und die soziale Ausgestaltung des Ausländerrechts verärgert. Die SPD kann in München keine Wahlen gewinnen ohne die schwul-lesbische Szene oder die griechische und türkische Community. Diese Gruppen fanden immer gut, das KVR mit einem liberalen Fachmann zu besetzen und aus dem Parteienstreit herauszuhalten.

30. März 2014: OB Christian Ude feiert den Wahlsieg seines Wunschnachfolgers mit Dieter Reiter und dessen Frau Petra. Foto: dpa

"Die Münchner Liberalität ist stärker als ein Wahlergebnis"

KVR-Chef wurde dann Thomas Böhle, ein SPD-Mitglied. Böhle ist nicht überparteilich, Aber er ist eine überparteilich anerkannte juristische Autorität und eine sehr sensibel vorgehender Referent. Ich bin stolz darauf, dass man das Kreisverwaltungsreferat doch nicht der CSU überlassen hat. Einen Fehler habe ich im Deutschen Theater trotzdem gemacht.

Welchen? Ich will überhaupt nicht beschönigen, dass ich aus Verärgerung über die Bombe, die am Tag davor geplatzt war, die persönlichen Glückwünsche an Dieter Reiter unter den Tisch habe fallen lassen.
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