Selenskyj und Putin sprechen über weiteren Gefangenenaustausch

Pariser Gipfel im Normandie-Format am 9. Dezember

Die Staatschefs der Ukraine und Russlands, Wolodymyr Selenskyj und Wladimir Putin, haben nach übereinstimmenden Angaben über einen weiteren Gefangenenaustausch gesprochen. In einem Telefonat sei es um "die Freilassung ukrainischer Bürger" gegangen, die in von prorussischen Separatisten kontrollierten Gebieten in der Ostukraine gefangengehalten würden, teilte das ukrainische Präsidialamt am Freitag mit. Putin forderte Selenskyj nach Angaben des Kreml zur "vollständigen und bedingungslosen Umsetzung" der Minsker Abkommen auf.

In dem Telefonat sei "Bereitschaft ausgedrückt worden, Anstrengungen fortzusetzen, die Freilassungen und Austausch" von Gefangenen zum Ziel hätten, erklärte der Kreml. Auch über einen weiteren Truppenrückzug in der Ostukraine und die Beseitigung von Minen sei gesprochen worden.

"Wladimir Putin hat eine direkte Frage gestellt: Hat Kiew die Absicht, die Minsker Abkommen tatsächlich umzusetzen", hieß es in der Mitteilung aus Moskau schroff. Die 2015 geschlossenen Vereinbarungen sollten den Konflikt in der Ostukraine befrieden, doch wird immer wieder gegen deren Auflagen verstoßen - wofür sich die Konfliktparteien gegenseitig verantwortlich machen.

Kiew erklärte, in dem Telefonat sei es auch um die Vorbereitung eines neuen Treffens im Normandie-Format gegangen, wie es im Dezember in Paris stattgefunden hatte. An dem Gipfel am 9. Dezember hatten außer Putin und Selenskyj auch Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) teilgenommen.

Dem ersten persönlichen Treffen von Putin und Selenskyj war Ende Dezember der Austausch von rund 200 Gefangenen zwischen der Ukraine und den prorussischen Rebellen gefolgt. Bereits im September hatten die Ukraine und Russland 70 Gefangene ausgetauscht.

Russland hatte Anfang 2014 die ukrainische Halbinsel Krim annektiert, in der Folge begann im Osten der Ukraine der Konflikt zwischen prorussischen Rebellen und der ukrainischen Armee. Seitdem wurden in dem Konflikt etwa 13.000 Menschen getötet.

Die Regierung in Kiew und der Westen werfen Russland vor, die Separatisten finanziell und durch Waffenlieferungen zu unterstützen. Moskau weist dies zurück. Deutschland und Frankreich versuchen, in dem Konflikt im Rahmen des Normandie-Formats zu vermitteln.