Selenskyj bezeichnet Russland bei der UNO als "Terrorstaat"

Selenskyj bezeichnet Russland bei der UNO als "Terrorstaat"

In einer überraschenden Videobotschaft vor dem UN-Sicherheitsrat hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj nach dem Beschuss eines Einkaufszentrums in Krementschuk, bei dem mindestens 20 Menschen ums Leben gekommen sind, Russland gezielte Angriffe auf ukrainische Zivilisten vorgeworfen.

Selenskyj fordert von UN Russland als "Terrorstaat" zu bestrafen

Die Dringlichkeitssitzung des mächtigsten UN-Gremiums in New York, in dem Russland eine von fünf Vetomächten ist, war nach dem russischen Angriff auf ein Einkaufszentrum einberufen worden.

Selenskyj beschuldigte Russland des Terrorismus und forderte dessen Auschluss aus dem UN-Sicherheitsrat: "Wenn eine Organisation friedliche Menschen töten würde, würde das definitiv als Terrorismus erkannt werden. Eine solche Organisation würde zum Feind der Menschheit erklärt. Deshalb darf das, was auf der Ebene krimineller Organisationen bestraft wird, nicht auf der Ebene eines Staates, der zum Terrorstaat geworden ist, unkontrolliert bleiben."

"Es ist zwingend erforderlich, ein Tribunal einzurichten, um alles zu untersuchen, was das russische Militär gegen die Ukrainer getan hat", so Selenskyj weiter. Der ukrainische Präsident zählte dabei eine Reihe von Angriffen der russischen Seite auf, bei der Unbeteiligte - unter anderem Kinder und Senioren - getötet worden seien. Zum Ende seiner Rede bat er um eine Schweigeminute.

Russland bestreitet den gezielten Beschuss des Einkaufszentrums

Russland hat als ständiges Mitglied des Sicherheitsrats verärgert auf den Auftritt Selenskyjs reagiert. Dieser sei im letzten Moment auf die Tagesordnung gesetzt und nicht mit allen Mitgliedern abgestimmt worden, klagte der stellvertretende russische UN-Botschafter Dmitri Poljanski. Der russische Top-Diplomat sprach von einem Verstoß gegen die übliche Praxis der Arbeit im UN-Sicherheitsrat.

Den Vorwurf eines Angriffs auf zivile Objekte stritt Poljanski ab. Zuvor hatte die russische Militärführung zwar den Beschuss von Krementschuk eingeräumt, zugleich aber dementiert, dabei das Einkaufszentrum getroffen zu haben.

"In Wirklichkeit gab es keinen Angriff auf das Einkaufszentrum. Die russischen Streitkräfte haben im Bereich des Straßenmaschinenwerks Krementschuk Präzisionswaffen eingesetzt, um Hangars mit westlichen Waffen und Munition zu treffen, die aus den USA und Europa stammen", sagte der stellvertretende russische UN-Botschafter Dmitri Poljanski.

Erst deren Explosion habe das Feuer in dem "nicht mehr betriebenen Einkaufszentrum" ausgelöst, behauptete Armeesprecher Igor Konaschenkow.

Selenskyj veröffentlichte später Aufnahmen des chinesischen Staatsfernsehens CCTV, die den Moment des Raketenangriffs auf das Einkaufszentrum in Krementschuk zeigen sollen. Bei dem Angriff wurden laut ukrainischen Angaben mindestens 20 Menschen getötet, rund 60 wurden zum Teil schwer verletzt. 36 Menschen werden noch vermisst- die Opferzahlen könnten also weiter steigen.

Weitere Kämpfe im Donbass-Gebiet

Derweil gehen die Kämpfe im Osten des Landes mit unverminderter Härte weiter. Beide Seiten versuchen derzeit die Kontrolle über eine wichtige Versorgungsstraße für die schwer umkämpfte ehemalige Großstadt Lyssytschansk zu gewinnen. Einen russischen Vorstoß auf die Ortschaft Spirne entlang dieser Straße hat das ukrainische Militär nach eigenen Angaben zurückgeschlagen.

Lyssytschansk werde dabei weiter ständig mit Mörsern und anderer Artillerie beschossen, teilte der Generalstab mit. Russische Truppen stehen bereits am Südrand der Stadt. Vertreter der prorussischen Separatisten berichteten zudem von Kämpfen bereits im Stadtgebiet. Die Verbindungen in die benachbarte Region Donezk stehen seit Tagen unter ständigem russischen Beschuss.

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