Nordkorea stoppt Betrieb in Sonderwirtschaftszone

In der Krise auf der koreanischen Halbinsel zieht Nordkorea weiter alle Register: Nach einer Reihe militärischer Drohungen kündigte Pjöngjang den Abzug seiner 53.000 Arbeiter aus der mit Südkorea betriebenen Sonderwirtschaftszone Kaesong sowie die vorübergehende Schließung des Komplexes an. Südkorea relativierte derweil Äußerungen über einen möglichen neuen Atomtest Nordkoreas.

Der ranghohe Beamte der nordkoreanischen Regierungspartei, Kim Yang Gon, machte "militärische Kriegstreiber", die die "Würde" des Nordens verletzt hätten, für die Entscheidung zu Kaesong verantwortlich. Pjöngjang werde prüfen, ob ein Weiterbetrieb genehmigt werde. Es hänge allein von Seoul ab, wie sich die Lage weiter entwickle.

Im Zuge der angespannten Lage in der Region hatte Nordkorea südkoreanischen Arbeitern zuletzt die Einreise in die von beiden Staaten betriebene Sonderwirtschaftszone untersagt, die Ausreise hingegen erlaubt. Hunderte Südkoreaner blieben zunächst freiwillig in der in Nordkorea liegenden Zone, um die Geschäfte am Laufen zu halten.

Das südkoreanische Wiedervereinigungsministerium bezeichnete den Stopp des Betriebs als "unverantwortlich". Nordkorea werde für alle Konsequenzen zur Verantwortung gezogen. Kurz vor der Entscheidung aus Pjöngjang hatte Südkoreas Finanzminister das Einreiseverbot für Südkoreaner als "lächerlich" bezeichnet.

Experten äußerten indes Zweifel daran, dass Nordkorea an einer dauerhaften Schließung des Komplexes festhalte. Die Zone ist eine wichtige Devisenquelle für Pjöngjang, zehntausende Nordkoreaner sind von den Einnahmen abhängig.

Die Spannungen in der Region hatten sich zuletzt zusehends verschärft.Die südkoreanische Zeitung "JoongAng Ilbo" berichtete, es gebe eine starke Zunahme der Aktivitäten am nordkoreanischen Atomtestgelände Punggye Ri. Vereinigungsminister Ryoo Kihl Jae sagte daraufhin in Seoul, es gebe "Anzeichen" für einen neuen Atomtest. Später erklärte er, seine Äußerung sei missverstanden worden.

Das Verteidigungsministerium in Seoul erklärte, bei den Aktivitäten an dem Gelände scheine es sich um "normale Routine-Aktivitäten" zu handeln. Das Wiedervereinigungsministerium erklärte, ein weiterer Atomtest stehe dem Anschein nach nicht unmittelbar bevor.

Nordkorea verlegte indes bereits zwei Mittelstrecken-Raketen an die Ostküste. Südkoreas nationaler Sicherheitsberater äußerte die Vermutung, dass der Norden noch diese Woche einen Raketentest vornehmen könnte. Japan erklärte, die Armee werde in Richtung Japan fliegende Raketen sofort abschießen.

Russlands Präsident Wladimir Putin erklärte bei seinem Deutschland-Besuch, ein militärischer Konflikt auf der koreanischen Halbinsel könne weit schlimmer als die Atomkatastrophe von Tschernobyl werden. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte bei einer gemeinsamen Pressekonferenz bei der Hannover Messe, nötig sei eine "möglichst geschlossene Haltung der internationalen Gemeinschaft".

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon forderte Pjöngjang auf, "weitere Provokationen" zu unterlassen. Chinas Präsident Xi Jinping hatte am Sonntag erklärt, niemand dürfe eine Region oder die Welt aus selbstsüchtigen Gründen ins Chaos stürzen. Nordkorea nannte er dabei nicht namentlich. Die EU verhängte bereits zahlreiche Strafmaßnahmen gegen Pjöngjang. In Brüssel wird diese Woche über eine weitere Verschärfung beraten.

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