Nordkorea feuert zwei Kurzstreckenraketen ab

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Auf Fernsehbildschirmen in Seoul wird eine Nachrichtensendung übertragen, die über den nordkoreanischen Waffentest berichtet.
Auf Fernsehbildschirmen in Seoul wird eine Nachrichtensendung übertragen, die über den nordkoreanischen Waffentest berichtet.

Nordkorea setzt seine Waffentests fort. Mit dem jüngsten Probeflug startete das Land zwei Raketen, deren Erprobung der Regierung in Pjöngjang durch UN-Resolutionen verboten ist. International wachsen die Sorgen.

Seoul (dpa) - Mit den ersten Tests von ballistischen Raketen seit einem Jahr fordert die selbst erklärte Atommacht Nordkorea den neuen US-Präsidenten Joe Biden heraus.

Das kommunistisch regierte Land feuerte im Abstand von knapp 20 Minuten im Kreis Hamju zwei Kurzstreckenraketen in Richtung offenes Meer ab, wie Südkoreas Militär mitteilte. Die Raketen flogen 450 Kilometer weit, auf einer Flughöhe von bis zu 60 Kilometern, und stürzten dann ins Wasser.

Südkorea und Japan äußerten sich besorgt. Russlands Außenminister Sergej Lawrow rief zu neuen Verhandlungen über den Friedensprozess auf der koreanischen Halbinsel auf. UN-Resolutionen verbieten Nordkorea die Erprobung ballistischer Raketen, die je nach Bauart auch einen Atomsprengkopf befördern können.

Die Tests erfolgten nur wenige Tage nach dem Start von zwei mutmaßlichen Marschflugkörpern durch Nordkorea. Die Starts am vergangenen Sonntag hatten Südkorea und die USA erst am Mittwoch bestätigt. Im Gegensatz zu ballistischen Raketen unterliegen Lenkflugkörper keinen Sanktionen. Biden hatte deutlich gemacht, dass die USA diesen Test nicht als Provokation einstufen.

Durch die Tests könnte Pjöngjang jedoch nach Ansicht von Beobachtern versuchen, schrittweise den Druck auf die USA zu erhöhen, denen es eine feindselige Politik vorwirft. Washington bereitet derzeit eine neue Nordkorea-Politik vor. Die entsprechende Überprüfung ist nach Angaben von Regierungsbeamten fast abgeschlossen. Außenminister Antony Blinken hatte vergangene Woche bei einem Besuch in Seoul betont, es lägen verschiedene Optionen auf dem Tisch - diplomatische Anreize, aber auch Druckmaßnahmen.

Wie sich der Start von ballistischen Raketen - die ersten derartigen Tests seit März 2020 - darauf auswirkt, war zunächst unklar. Mitglieder des Nationalen Sicherheitsrats in Südkorea äußerten nach einer Dringlichkeitssitzung «tiefe Besorgnis» über den Raketentest des isolierten Nachbarlandes. Japans Ministerpräsident Yoshihide Suga kündigte «ernsten Protest» an. «Der Start bedroht den Frieden und die Stabilität unseres Landes und der Region. Das war eine klarer Verstoß gegen Resolution den UN-Sicherheitsrats.»

Lawrow sprach sich bei einem Besuch in Seoul dafür aus, den Verhandlungsprozesses für eine Lösung der Probleme auf der geteilten koreanischen Halbinsel bald wiederaufzunehmen. Russland setze sich für Frieden und Stabilität ein. «Das setzt voraus, dass die Seiten auf die Fortsetzung ihres Wettrüstens und auf die Ausweitung militärischer Aktivitäten in allen Formaten verzichten.» In Moskau werteten mehrere Außenpolitiker den Raketenstart als Signal für die Bereitschaft Nordkoreas an die neue US-Regierung, die eigene Souveränität zu schützen.

Die Verhandlungen der USA mit Nordkorea über dessen Atomwaffenprogramm kommen seit zwei Jahren nicht mehr voran. Der frühere US-Präsident Donald Trump hatte persönliche Kontakte zum nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un geknüpft und diesen dreimal getroffen. In der Sache wurden dabei aber kaum Fortschritte erzielt. Nordkorea, das bereits mehrere Atomteste gemacht hat, treibt sein Raketenprogramm seit vielen Jahren voran. Im Mittelpunkt steht die Entwicklung von ballistischen Raketen einschließlich Langstreckenraketen, die die USA erreichen könnten.