Sex-Skandal in Österreichs Schülerunion

Die österreichische Schülerunion ist eine konservativ ausgerichtete Organisation, die sich für die Belange von Schülern stark macht. Dass intern offenbar jahrelang ein Punktesystem existierte, dass Sex mit Funktionären als besonders erstrebenswert darstellte, sorgt jetzt für Aufsehen. 

Diese Liste der Schülerunion wurde auf Twitter publik gemacht (Bild: Twitter/LucKaiser)

Die Schülerunion ist Österreichs wichtigste Schülerorganisation mit dem Ziel, die Bedingungen an österreichischen Lehranstalten zu verbessern. Der gemeinnützige Verband steht auch der konservativen ÖVP nahe, die den Kanzler Sebastian Kurz stellt. Doch das konservative Image hat mit der Realität offenbar wenig zu tun. Denn: Laut einer internen Liste können Mitglieder Punkte sammeln, wenn sie mit anderen intim werden.

Der österreichische “Standard“ berichtet von einem Punktesystem innerhalb der Schülerunion, nach dem Sex mit einem Funktionär der Schülerorganisation belohnt wird. Wer mit einem anderen Mitglied “schmust“ oder “pempat“, also auf gut Deutsch Sex hat, sammelt Punkte. Je höher der Partner in der Hierarchie der Organisation steht, desto mehr sind es.

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Konkret gibt es für das Schmusen mit einem Schulsprecher zwei Punkte, beim Sex springen schon vier Punkte heraus. Das Ganze steigert sich kontinuierlich bis zu Sex mit einer Bundesobfrau oder einem Bundesobmann, der einem ganze 36 Punkte einbringt. Der Parlamentarische Mitarbeiter Luca Kaiser twitterte die Liste mit dem sarkastischen Verweis darauf, dass Schüler der Union Null Punkte wert sind. “Je höher die Funktion, desto wichtiger ein Mensch”, schrieb er.

Von der Existenz des Punktesystems wusste auch der Bundesobmann der Schülerunion, Sebastian Ratz. Er nannte sie in einem Facebook-Post vom Samstag eine “Dummheit von ehemaligen Mitgliedern“, die sofort unterbunden worden sei und sagte: “Gemeinsam mit allen Landesorganisationen haben wir daran gearbeitet, die Verbreitung zu stoppen und das auch so weiterkommuniziert. In meiner Schülerunion hat so ein Punktesystem keinen Platz.”

Und auch Lena Milacher, Bundesgeschäftsführerin der Schülerunion, relativiert den Vorfall: In ihrer vierjährigen Tätigkeit wären ihr “Diskriminierungen und Mobbing jeglicher Art“ nie untergekommen, schrieb sei bei Facebook. “Solche Vorwürfe präsentieren die Schülerunion von einer Seite, von der ich sie nie kennenlernen konnte”, erklärte sie.

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Der ehemalige Bundesschülervertreter Emil Bannani kauft das den beiden Vertretern jedoch nicht ab. Seiner Ansicht nach war die “ekelige“ Liste allgemein bekannt und es gab keine ernsthaften Versuche, deren Verbreitung zu unterbinden.

Spart euch diese Scheinheiligkeit und eure kranke Apparatur zur Macherhaltung in der SchülerInnenvertretung für die ÖVP”, schrieb er auf Facebook und betonte: “Ich war Jahrelang dabei und das war immer schon gängige Praxis.”