Shahak Shapira: Geschasster Comedian erhebt Vorwürfe gegen das ZDF

teleschau

"Mehr Abnahmeschleifen und weniger Unterstützung vom Sender": Shahak Shapira erhebt nach seinem ZDFneo-Aus Vorwürfe gegen den Sender. Er vermutet eine bei Twitter geäußerte Kritik am ZDF als Ursache für das Absetzen seiner Comedy-Show.

Das ZDF hat sich entschlossen, die bei ZDFneo ausgestrahlte Comedy-Show "Shapira Shapira" nach zwei Staffeln zu beenden. Diese Meldung erzeugte vergangene Woche ein überschaubares Medienecho. Doch nun erhält der Programmbeschluss neue Brisanz - der betroffene Comedian und Namensgeber Shahak Shapira hat sich mit einer ausführlichen Stellungnahme zum Aus seiner Sendung bei Facebook zu Wort gemeldet. Der in Petach Tikwa, Israel, geborenen Satiriker erhebt darin schwere Vorwürfe gegen das ZDF.

Das Ende der Zusammenarbeit, so Shapira, sei schon vergangenes Jahr beschlossen worden. Man habe seither Stillschweigen darüber vereinbart, "ehe der Sender einfach eine Pressemeldung rausgehauen hat, ohne mich darüber zu informieren". Nicht daran macht der 31-Jährige jedoch seine Hauptkritik fest. Auch nicht daran, dass zu schwache Zuschauerresonanz als Grund für das Absetzen von "Shapira Shapira" genannt wurden. "Ich kann nicht einschätzen, wie hoch eine ausreichende Quote für eine neue Comedy-Show auf ZDFneo bei dem Sendeplatz zu sein hat", so Shapira, der einräumt, "dass viele Inhalte nicht die Beachtung bekamen, die wir erwartet hätten". Vielleicht habe man es nicht geschafft, "den Ton zu treffen, den es braucht, um große Reichweite zu generieren. Vielleicht war es auch einfach nicht gut - wir als Team stehen aber hinter unserer Arbeit und sehen es anders."

"Zusammenarbeit irreparabel beschädigt"

Im Kern seiner Kritik kommt Shahak Shapira auf einen Vertrauensbruch zwischen ihm und dem Sender zu sprechen. "Für mich war es der Umgang des Senders mit Kritik oder Witzen gegen andere ZDF-Sendungen, der die Zusammenarbeit letztendlich irreparabel beschädigt hat." Es müsse, so Shapira "für einen Künstler möglich sein, in seinen privaten Kanälen einen fahrlässigen journalistischen Umgang mit Faschisten zu kritisieren, ohne, dass die eigene Sendung plötzlich stärker kontrolliert wird - selbst (gerade!) wenn dieser im eigenen Sender stattfindet. Nach dieser Kritik und einem anschließenden Sketch zum Thema im Allgemeinen, passierte aber genau das: Wir bekamen einen zusätzlichen Redakteur, mehr Abnahmeschleifen und weniger Unterstützung vom Sender."

Worauf der Comedian anspielt? Offenkundig auf einen Vorfall, der im Oktober 2019 zu einer lebhaften Kontroverse zwischen ihm und ZDF-Moderatorin Dunya Hayali bei Twitter führte. Nach dem antisemitisch motivierten Anschlag von Halle, bei dem zwei Menschen starben, sei Shapira als Gesprächsgast ins "ZDF-Morgenmagazin" eingeladen worden, habe das Angebot aber ausgeschlagen, weil er nicht bereit gewesen sei, sich auf die "klischeehafte 'Juden-Opfer-Darstellung'" einzulassen.

"Genau dafür kriegt ihr jetzt den Shit"

Sein scheinbar implizierter Vorwurf, die Moma-Redaktion habe sodann an seiner Stelle den AfD-Bundessprecher Jörg Meuthen in die Sendung eingeladen, rief eine "Morgenmagazin"-Moderatorin auf den Plan, die an jenem Freitag gar nicht vor der Kamera stand: Shapira rede "Bullshit", echauffierte sich Dunya Hayali in einer Widerrede auf Twitter. "Es gab keine Entscheidung zwischen ihm und Herrn Meuthen, sondern zwischen ihm und einer Korrespondentin, die in Halle vor Ort war". Auch habe "das Gespräch, welches er skizziert, so nicht stattgefunden".

Um die Frage, wie dieses Hintergrundgespräch genau vonstattenging, entbrannte zwischen den beiden ZDF-Gesichtern bei Twitter eine lebhafte Auseinandersetzung. Von vielen Usern auch auf Facebook aufgegriffen wurde indes die Kontroverse, ob man AfD-Politikern nach dem Hass-Verbrechen Gelegenheit bieten dürfe, sich im Interview zu erklären. Shapira äußerte hierzu eine klare Haltung: "Ihr habt dem Sprecher einer faschistischen Partei eine unkritische Bühne gegeben, und genau dafür kriegt ihr jetzt Shit."

Sollte Shapiras Kritik am eigenen Arbeitgeber also das Ende seiner Show besiegelt haben? "Es geht hier nicht darum, dem Sender noch zum Schluss einen mitzugeben", versicherte der in Berlin lebende Künstler zum Ende seines Statements. "Es gibt viele Leute bei ZDFneo, mit denen ich jederzeit wieder arbeiten würde", erklärt er. "Insbesondere unsere Redakteure Michael und Daniel. Aber es ist wichtig, Dinge transparent anzusprechen, auch wenn man im Showbusiness seine Karriere damit ganz schnell zerstören kann."